Nadals Aus bei den Australian Open So macht's ihm keinen Spaß

141 Wochen war er die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. Dann verletzte Rafael Nadal sich am Handgelenk. Seitdem quält sich der Spanier dem Karriereende entgegen, wie sein frühes Aus bei den Australian Open zeigt.

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Nadal: Zweite Auftaktniederlage bei einem Grand-Slam-Turnier
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Nadal: Zweite Auftaktniederlage bei einem Grand-Slam-Turnier


Ausgerechnet Fernando Verdasco. Der Spanier ist ein Freund von Rafael Nadal - und jener Tennisspieler, gegen den die einstige Nummer eins bei den Australian Open einen seiner größten Erfolge feierte. Am 30. Januar 2009 schlug Nadal seinen Kumpel im Halbfinale in fünf spektakulären Sätzen. Bis heute ist es mit 5:14 Stunden die zweitlängste Partie in der Geschichte der Australian Open.

Diesmal trafen Nadal und Verdasco in Melbourne bereits in der ersten Runde aufeinander. Nadal liegt mittlerweile nur noch auf Platz fünf der Weltrangliste, sein Rückstand auf Novak Djokovic beträgt mehr als 10.000 Punkte. Dennoch war Nadal klarer Favorit, Verdasco liegt in der Bestenliste 40 Plätze hinter ihm. Doch obwohl Nadal im entscheidenden fünften Satz 2:0 führte, verlor er die Erstrundenpartie gegen seinen drei Jahre älteren Landsmann (6:7, 6:4, 6:3, 6:7, 2:6).

Es war erst die zweite Niederlage in einem Erstrundenmatch seit seinem Grand-Slam-Debüt 2003. Zuvor hatte er nur 2013 mal ein Auftaktspiel in Wimbledon verloren. Doch damals kam Nadal stärker denn je zurück. Er gewann kurz darauf die US Open und im darauffolgenden Jahr zum neunten Mal die French Open. Die schwere Verletzung im linken Knie, die er sich zuvor zugezogen hatte, warf ihn vorerst nicht zurück. Ein Ende der Dominanz schien noch nicht in Sicht.

Dann kam der Herbst 2014, der einen Wendepunkt in der Karriere des Rafael Nadal darstellen sollte. Der Spanier zog sich in der Vorbereitung auf die Hartplatzsaison in den USA eine Handgelenksverletzung zu. Nadal musste seine Teilnahme bei den beiden Masters-Turnieren in Cincinnati und Toronto sowie bei den US Open absagen. Wenige Wochen später kehrte er zwar auf die Tour zurück - jedoch mit bescheidenem Erfolg. Das Selbstbewusstsein des Tennisstars war erschüttert.

"Keinen Humor, wenn es ums Verlieren geht"

In seiner Biografie "Rafa" schrieb Nadal einst: "Es ist wichtig für mich, zu gewinnen. In allem. Ich habe keinen Humor, wenn es ums Verlieren geht." Nach dem Erstrundenaus am Dienstag sprach Nadal von einer "harten und schmerzhaften Niederlage". Wenn man sich intensiv auf ein großes Turnier vorbereite und dann so früh ausscheide, sei das hart: "Es war nicht mein Tag, aber ich muss einfach weitermachen, das ist das Einzige, was ich tun kann."

Die Erfolge, die der sensible Spanier so dringend benötigt, blieben zuletzt aus. Eine Blinddarmoperation warf ihn kurz vor den Australian Open 2015 erneut zurück. Nadal trat zwar an, scheiterte aber im Viertelfinale an Tomas Berdych, jenem Tschechen, den er zuvor 18-mal in Folge geschlagen hatte.

Die Niederlage bei den Australian Open vor einem Jahr kam für viele überraschend, wurde aber letztlich auf die mangelnde Fitness zurückgeführt. Einen Aufschluss über den Leistungsstand von Nadal sollten die Sandplatzturniere geben. Dort galt Nadal lange Zeit als unschlagbar. Doch erneut blieb der Erfolg aus. Es folgten Niederlagen gegen Djokovic, Andy Murray, Stanislas Wawrinka und Fabio Fognini. Keines seiner Lieblingsturniere in Monte Carlo, Rom, Barcelona oder Paris konnte er gewinnen.

Erste Zweifel wurden laut. Kann der ehemalige Sandplatzkönig noch einmal auf den Thron zurückkehren, oder folgt der Niedergang einer Tennislegende? Letzteres scheint seit der Niederlage gegen Verdasco wahrscheinlicher. Beim Vorbereitungsturnier auf die Australian Open in Doha zog Nadal ins Finale ein, dort war er Djokovic hoffnungslos unterlegen. 1:6, 2:6 hieß es aus Sicht des Spaniers nach 73 Minuten.

Die ehemals so starke Vorhand des Spaniers, die vor allem Federer so große Probleme bereitete, ist seit der Handgelenksverletzung deutlich schwächer geworden. Der Aufschlag ist für einen Spieler seiner Klasse zu langsam und zu arm an Varianten.

Nadal wird auch in diesem Jahr weiterhin bei kleineren Turnieren zu den großen Favoriten zählen. Jedoch muss sich der 29-Jährige entscheiden, ob ihm das genügt. Wenn er der Konkurrenz bei den großen Turnieren weiterhin hinterherlaufen sollte, könnte er die Lust am Tennis verlieren. Wenn das nicht sogar schon passiert ist.



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insgesamt 9 Beiträge
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KobiDror 19.01.2016
1. Betrug im Tennis
http://www.spiegel.de/sport/sonst/tennis-wettbetrug-das-interne-kontrollsystem-hat-versagt-a-1072603.html Nachtigall ick hör dir trapsen... Nicht dass eine Verletzung einen Sportler nicht zurück werfen könnte. Es wurde in dem verlinkten Artikel aber gesagt, dass auch Top Spieler bei den Australian Open zu den Betrügern gehören. Wie waren die Quoten zu dem Spiel?
harke 19.01.2016
2. Erwartbar
Rafas Spielweise mit seiner druckvollen Vorhand und viel Power in seinen Grundschlägen haben schon immer viel Tribut erfordert. Sein Körper war sicherlich nie der gesündeste, seine Spielweise erst recht nicht. Federer und Djokovic kommen häufig über die Präzision oder über die Geduld/Cleverness und schonen ihren Körper dauerhaft. Nicht umsonst ist Roger mit seinen 34 1/2 Jahren immer noch fit genug für die Top 3. Auch wenn sein Körper gesundheitlich sowieso begnadeter ist.
smartphone 19.01.2016
3. Absprung nicht geschafft
tja - ein ähnliches Problem wird einen gewissen Hr Federer ereilen. Wenn Nadal intelligent ist , wird er JETZT zurücktreten, weil "besser" wird er wohl kaum werden können ....
kastenmeier 19.01.2016
4.
Zitat von KobiDrorhttp://www.spiegel.de/sport/sonst/tennis-wettbetrug-das-interne-kontrollsystem-hat-versagt-a-1072603.html Nachtigall ick hör dir trapsen... Nicht dass eine Verletzung einen Sportler nicht zurück werfen könnte. Es wurde in dem verlinkten Artikel aber gesagt, dass auch Top Spieler bei den Australian Open zu den Betrügern gehören. Wie waren die Quoten zu dem Spiel?
Als wäre der Artikel nicht schon anmaßend und fern jeder sportlichen Fairneß genug gewesen, setzt dieser Kommentar dem Ganzen noch die Krone des Schwachsinns auf. Da spielt eine ehemalige Nr 1 nachdem er zwei Jahre mit unterschiedlichen Verletzungen zu kämpfen hatte, ein Erstrundenmatch der neuen Saison in einem Grand-Slam Turnier und verliert in 5(!) Sätzen gegen einen, der normalerweise selbst gesetzt ist - ein schweres Los kann es für den an 5 gesetzten Nadal nicht geben. Das ist SPON einen Artikel wert, der zum Ausdruck bringt, dass die Karriere des Superstars in Gefahr geraten sei. Dieser Artikel scheint im übrigen wichtiger, als die Nachricht, dass die deutsche Nr. 1 im Damentennis nach Abwehr eines Matchballs vor Stunden in die zweite Runde eingezogen ist - bis hierhin keine Zeile darüber. Auch kein Wort darüber, dass Verdasco eine immens starke Leistung geboten hat, die es jedem Top-Spieler in der ersten Runde schwer gemacht hätte. Als wenn das nicht schon unsportlich genug wäre, wird das Ganze vom ersten Kommentator mit der Unterstellung der Bestechung eines 100-fachen Millionärs bedacht, der zusammen mit seinem Coach seiten Jahren als völlig untadeliger Sportsmann die Tennisszene bereichert. Warum kommentieren solch unsportliche Menschen Sport? Kann man nicht einfach mal die Klappe halten, wenn man eh kein objektives Interesse hat?
ewiggestrigerstammtisch 19.01.2016
5. Welche Hysterie und Geisterbeschwörung
In allen Sportarten wird getrickst und manipuliert...ich denke aber dass Nadal zu viel Ehrgeiz und Geld hat, um durch so etwas dazu zuverdienen...In den Artikel sind Top 50 Spieler erwähnt und nicht die absolute Weltspitze. Das ist so typisch deutsch. Oder glaubt hier jemand dass alle gg Djoko extra hoch verlieren weil sie damit auch die eigene Kohle verdoppel könnnen, wenn sie gegen sich setzen??? Die Quote auf ein 6:0 Satzverlust ist ordentlich....Auch beim Fussball kann man wetten, ob es in gewissen Spielabschnitten gelbe Karten gibt. Wie einfach wäre es meiner Frau zu sagen, setz mal 10000 ich hau dann da einen um. Wo Möglichkeiten sind werden diese auch ausgenutzt. Dies dürfte im Breitensport wie in der Randsportart dort passieren wo man noch Kohle extra braucht. Aber bei Nadal etc. halte ich das für ausgeschlossen. Nennen sie mich ruhig naiv ;-)
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