Rallye Dakar 9000 Kilometer auf dem falschen Kontinent

Hitze, Staub, dünne Luft: Die Rallye Dakar ist für Piloten wie Maschinen eine extreme Herausforderung. Wer sind die Favoriten? Wie gefährlich ist die Strecke? Alles Wichtige zum legendären Rennen quer durch Lateinamerika.

AFP

Wann ist der Start, wann und wo das Ziel?

Am Samstag fällt in Perus Hauptstadt Lima der Startschuss zur 40. Rallye Dakar. Die Marathon-Rallye findet bereits zum zehnten Mal nacheinander in Südamerika statt. Die Sieger der vier Fahrzeugwertungen (Auto, Motorrad, Quad, LKW) stehen nach der 14. Etappe mit Ziel im argentinischen Córdoba am 20. Januar fest.

Wo wird gefahren?

Der 8793 km lange Kurs stellt Mensch und Material gleichermaßen vor enorme Herausforderungen. In den Wüsten Perus sorgen Hitze und Sand für Grenzerfahrungen. In Bolivien, wo sich der Tross fünf Tage aufhält, sind die dünne Luft in einer Höhe von über 3000 Metern sowie Temperaturen um den Gefrierpunkt fordernd. Im Dakar-Stammland Argentinien könnte die längste Wertungsprüfung (522 km) die Gesamtwertung in der Schlussphase nochmals durcheinanderwirbeln.

Wer ist dabei?

Im Kampf um den Gesamtsieg bei den Autos bahnt sich erneut ein Dreikampf an. Peugeot, das nach zuletzt zwei Siegen in Serie seine vorerst letzte Dakar bestreitet, setzt auf prominente Piloten: Rekordsieger und Titelverteidiger Stéphane Peterhansel, der frühere WRC-Serienweltmeister Sebastien Loeb und Carlos Sainz fahren allesamt im französischen Boliden. Das deutsche Team X-raid bestreitet mit Mini einen neuen Weg und setzt erstmals drei der neu konstruierten Buggys ein. Die Top-Fahrer des Teams sind Ex-Dakar-Sieger Nani Roma sowie der Finne Mikko Hirvonen. Im Toyota will der deutsche Co-Pilot Dirk von Zitzewitz an die Top-Ergebnisse der Vergangenheit anknüpfen.

Was ist mit der Prominenz?

Der frühere Teammanager des FC Chelsea und Ziehsohn des Startrainers José Mourinho widmet sich in einer der größtmöglichen Herausforderungen seiner Motorsport-Passion: Am Samstag startet André Villas-Boas erstmals bei der Rallye Dakar. "Ich bin es gewohnt, Leuten zu sagen, dass sie schnell rennen sollen. Jetzt muss ich selbst schnell sein. Die Dakar ist gänzlich anders als das, was ich vom Fußball gewohnt bin", sagte der Portugiese: "Mein bescheidener Wunsch ist es, Córdoba zu erreichen." Nur etwas mehr als ein Monat ist seit dem Ende seines jüngsten Trainer-Engagements beim chinesischen Erstligisten Shanghai SIPG vergangen. Die Vorbereitung auf die Südamerika-Tour war kurz und intensiv. Villas-Boas lieh sich ein Höhenzelt, eifrig spulte er das Programm seiner Fitnesstrainer ab.

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Gibt es TV-Übertragungen in Deutschland?

Eurosport zeigt wie im Vorjahr ab Samstag von 23 Uhr bis 23.30 Uhr 30-minütige Zusammenfassungen. Live-Übertragungen gibt es nicht.

Wie viele nehmen teil, wie viel ist zu fahren?

Die Rallye Dakar geizt einmal mehr nicht mit Superlativen. 8793 Kilometer liegen zwischen Lima und dem Ziel in Córdoba, davon gehen in der Automobil-Wertung 4329 km ins Klassement ein. Die Zahlen bei den anderen Fahrzeugklassen weichen leicht ab, bewegen sich aber in einem ähnlichen Rahmen. 525 Starter aus 54 Nationen haben gemeldet, 337 Fahrzeuge gehen in den vier Kategorien ins Rennen.

Wie gefährlich ist die Rallye Dakar?

Ungefährlich ist das Rennen keinesfalls. Seit der Dakar-Premiere im Jahr 1978 sind 67 Fahrer, Zuschauer und Journalisten ums Leben gekommen. Besonders Amateurfahrer, die sich mit der Teilnahme einen Lebenstraum erfüllen und ohne großes Serviceteam auskommen müssen, unterschätzen mitunter die Gefahren, die aus der körperlichen Extrembelastung sowie den schwierigen äußeren Bedingungen resultieren.

Warum wird die Rallye in Südamerika und nicht mehr in Afrika ausgetragen?

Aus Sicherheitsgründen. 2008 war das Rennen wegen einer Terrorwarnung abgesagt worden. Im Folgejahr entschied sich der Veranstalter ASO zu einem Wechsel des Kontinents und hat Südamerika seither nicht mehr verlassen.

aha/sid



insgesamt 7 Beiträge
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ostmarkus 05.01.2018
1. wow,
die Dakar im Spiegel! Wenn jetzt noch was über die Motorradfahrer berichtet wird, bin ich gänzlich zufrieden ;)
darkmattenergy 05.01.2018
2. Sind Elektroautos am Start - mit Siegchancen?
Im Vergleich zu konventionell Angetriebenen sollten sie doch mit dem Vorteil glänzen können, sich nicht an mit der Luft zur Verbrennung "eingeatmetem" Staub zu verschlucken.
extra330sc 05.01.2018
3.
Zitat von darkmattenergyIm Vergleich zu konventionell Angetriebenen sollten sie doch mit dem Vorteil glänzen können, sich nicht an mit der Luft zur Verbrennung "eingeatmetem" Staub zu verschlucken.
Siegchancen dürften E-Autos bei der Dakar nur haben, wenn der Fahrer sie nach entleertem Akku mit mindestens 100km/h Durchschnittsgeschwindigkeit ins Ziel schiebt. Bei Etappenlängen von teilweise über 700km und einem Energiebedarfsäquivalent von ca. 40l/100km müsste man andauernd die Akkus wechseln oder alle paar Meter nachladen. Und dafür bedarf es eines Begleit-Lkw mit Generator, Gleichrichter und vier Ladegeräten...das ist in etwa so umweltfreundlich wie mit der Dampflok zu reisen. Für den Staub gibt es übrigens eine Lösung, nennt sich Luftfilter.
travelflo 05.01.2018
4. Elektroautos.
Ja, es fahren auch E-Autos mit.. einfach mal nach Acciona 100% EcoPowered googlen.
travelflo 05.01.2018
5. @extra330sc
auf der Dakar fahren vor allem Prototypen, dort ist keiner mit nem Tesla S oder einem Zoe unterwegs. "Ein Solarpaneel versorgt Bordelektronik und Kommunikation. Energie für den Motor liefern „15840 Batteriezellen, wie sie in Fernbedienungen oder in Computern üblich sind“, sagt Jatón. Sie lassen sich über vier Ladegeräte gleichzeitig laden. Nach einer Stunde werden 80 bis 85 Prozent der 170 Kilowatt Gesamtleistung erreicht. „Damit fährt der Wagen je nach Fahrstil und Gelände vier bis fünf Stunden“, so der Pilot. Außerdem nutzt Jatón zum Bremsen die Motorbremse, um zusätzlich Strom zu gewinnen. Um bei längeren Etappen genügend Energie zu haben, experimentierte die Crew zunächst mit auswechselbaren Batterien. Aber das kostete zu viel Zeit und war vor allem bei Regen gefährlich, da Ströme von bis zu 400 Volt fließen. Deshalb entwarf das Team einen Begleit-Lkw mit Generator, Gleichrichter und vier Ladegeräten. Damit war das Auto unabhängig von Steckdosen – aber leider auch nicht so umweltfreundlich, wie es zunächst scheint: Für einen Ladevorgang verbraucht der Generator 14 Liter Diesel. „Das sind weniger als vier Liter für eine Stunde Fahrt“, rechnet Jatón vor. „Herkömmliche Rallyeautos brauchen bis zu zehnmal so viel.“ Wie viel die Entwicklung des E-Flitzers gekostet hat, ist nicht bekannt. „Mehrere Millionen“, sagt der Fahrer vage. Allein die Teilnahme an der Rallye inklusive der 24-köpfigen Crew habe rund eine Million Euro verschlungen." Quelle heise.de:
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