Rallye-Streit Großer Ärger wegen Dakar-Absage

Wirbel um die Rallye Dakar: Nach der Absage des Rennens droht den Veranstaltern viel Ärger. Es gibt bereits erste Forderungen nach Schadensersatz. Auch die Fahrer sind enttäuscht - und kritisieren die Absage als Fehlentscheidung.


Hamburg - Die Rallye Dakar hat seit ihrer Gründung im Jahr 1978 einiges überstanden: Sandstürme, Rebellen-Angriffe und jede Menge tote Piloten. Mehr als 50 Fahrer haben ihre Teilnahme an dem legendären Wüstenrennen bisher mit dem Leben bezahlt. Doch diese Rückschläge konnten die Austragung bislang nicht verhindern.

Volkswagen-Rennwagen bei der Rallye Dakar: "immense Frustration"
DPA

Volkswagen-Rennwagen bei der Rallye Dakar: "immense Frustration"

Für den ersten Ausfall in 30 Jahren haben nun indirekt islamische Terroristen gesorgt. Wegen einer Reisewarnung der französischen Regierung für Mauretanien wurde die Rallye Dakar heute nur einen Tag vor dem Start abgesagt. Dadurch sei die Rallye "eine Geisel der Räuber, der Terroristen und der Fanatiker geworden", sagte der fünfmalige Dakar-Sieger Ari Vatanen (Finnland).

"Die oberste Verantwortung ist es, die Sicherheit aller zu gewährleisten", heißt es in einer Mitteilung des Ausrichters Amaury Sport Organisation (Aso). In Mauretanien, durch das acht der 15 Rennetappen geführt hätten, waren an Heiligabend vier französische Touristen ermordet worden. Die Tat wurde Terroristen der al-Qaida zugeschrieben.

Nach Beratungen mit dem französischen Außenministerium entschieden sich die Organisatoren für die Absage. "Wir sind sehr enttäuscht, dass die Arbeit eines ganzen Jahres von uns und allen Teilnehmern damit umsonst war", sagte Dakar-Chef Etienne Lavigne.

Für die Aso, die auch den Radsport-Klassiker "Tour de France" ausrichtet, ist der Entschluss ein harter Schlag. Nur wenige Stunden nach Bekanntgabe der Absage gab es erste Forderungen nach Schadenersatz. Die portugiesische Stadt Portimao, ebenfalls Station der Rallye, will 1,5 Millionen Euro für entstandene Kosten zurückerstattet bekommen. "Unsere Juristen prüfen bereits die Verträge, um eine Erstattung dieser Investitionen zu erreichen", sagte Bürgermeister Manuel da Luz. "Ich hoffe, der Hintergrund ist nicht eine politische Angelegenheit zwischen den Regierungen Frankreichs und Mauretaniens", sagte da Luz weiter.

Die portugiesische Regierung bedauerte die Absage, zeigte aber gleichzeitig Verständnis: "Die Sicherheit steht an erster Stelle. Auf den Organisatoren lastete nach den Warnungen der französischen Regierung eine große Verantwortung", sagte Pedro Silva Pereira, Minister im Präsidialamt. Der portugiesische Fahrer Carlos Sousa kritisierte dagegen, dass die Veranstalter ihre Entscheidung nicht mit den Teilnehmern besprochen hätten. Seiner Ansicht nach "wurden nicht alle Alternativen geprüft, um eine Absage zu verhindern."

Auch bei anderen Fahrern sorgte die Absage für Ärger: "Es war eine Fehlentscheidung der Organisation, sich der Regierung zu beugen. Wir hätten starten und wenigstens durch Marokko fahren sollen", sagte Mitsubishi-Pilotin Ellen Lohr. In der Vergangenheit waren bereits häufiger einzelne Teilabschnitte wegen Sicherheitsbedenken gestrichen worden. Die diesjährige Ralley hätte in Portugal, Marokko, Mauretanien und dem Senegal Station gemacht.

"Zukunft nicht gefährdet"

Jutta Kleinschmidt, die den Klassiker 2001 als bisher einzige Frau gewonnen hatte, reagierte geschockt: "Ich fühle auch mit allen Teilnehmern, die sich ein Jahr mit viel Herzblut, finanziellem Engagement und Arbeit auf diese Rallye vorbereitet haben", sagte Kleinschmidt. Die Deutsche hatte zum ersten Mal seit 17 Jahren auf eine Teilnahme verzichtet.

"Wir respektieren die Entscheidung im Sinne der Sicherheit, die auch für uns höchste Priorität hat. Für alle im Team ist die Absage eine große Enttäuschung, denn jeder hat sich darauf gefreut, hier in Lissabon in einem sportlich fairen Wettbewerb zu starten", sagte VW-Motorsportdirektor Kris Nissen. Der Wolfsburger Autokonzern soll angeblich rund 30 Millionen Euro jährlich in sein Rallye-Projekt investiert haben.

Die Aso weiß um die "immense Frustration" aller Beteiligten, die Zukunft der Rallye sei aber nicht gefährdet: "Die Rallye Dakar ist ein Symbol, und ein Symbol kann nichts zerstören. Die Absage der Auflage 2008 stellt in keiner Weise die Zukunft der Dakar in Frage", betonten die Ausrichter.

hut/dpa/sid



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