Rassismus-Skandal in der NBA Eine Frage des Geldes

Die NBA greift durch: Wegen rassistischer Ausfälle wird Donald Sterling, der Besitzer der LA Clippers, lebenslang gesperrt. Dabei geht es der US-Liga weniger um Moral als ums große Geld.

Von , New York

REUTERS

Adam Silver ist kein Berufssportler. Der 52-jährige New Yorker studierte Jura, arbeitete dann als Sozius und Rechtsreferendar. Doch bevor seine Anwaltskarriere in Schwung kam, ereilte ihn 1992 der lukrative Lockruf der NBA.

Seither dient Silver der US-Basketballliga. Dort dreht sich seine Welt weniger um Hoops als um Geld: Er verhandelte Verträge, schnürte Lizenzpakete, produzierte Fernseh- und Filmspecials. Im Februar stieg Silver schließlich zum NBA-Commissioner auf. Sein schneidiges Autogramm ziert alle neuen NBA-Basketbälle.

Kein Wunder, dass es beim ersten großen Skandal, der jetzt auf Silvers Schreibtisch landete, nur auf den ersten Blick um die rassistischen Ausfälle des Milliardärs Donald Sterling geht, des greisen Besitzers der - überwiegend schwarzen - L.A. Clippers. In Wahrheit geht es auch hier ums große Geld.

Rassismus, Sport und Geld - wie passt das? Sicher: Sterlings Unflat gegen Schwarze, protokolliert in der klandestinen Audio-Aufnahme einer rachsüchtigen Ex-Geliebten, reflektiert, wie viele Fälle zuvor, den latenten Rassismus in der US-Gesellschaft. Der Sport ist ein Spiegel des Lebens, vor allem in Amerika.

Millionenstrafe dürfte Milliardär Sterling kaum stören

Doch Geld war der Grund, weshalb der lange einschlägig bekannte Sterling bis heute ungestraft geduldet blieb in einer Liga, in der die meisten Spieler schwarz sind und die meisten Teambesitzer weiß und alle siebenstellige Gagen verdienen. Und Geld ist nun die Waffe, die Silver auf den verstoßenen Poltergeist richtet - als könnte den das stören.

2,5 Millionen Dollar: Silver verhängte die NBA-Höchststrafe. Plus eine lebenslange Liga-Sperre: Sterling darf nie mehr zu NBA-Spielen kommen.

Der Sünder wird aus dem Paradies vertrieben. "Sterlings Äußerungen sind zutiefst beleidigend und schädlich", sagte Silver. "Dass diese Aussagen von einem NBA-Besitzer kamen, steigert den Schaden und meine persönliche Entrüstung nur."

Der "entrüstete" Silver weiß allerdings auch, dass die Geldstrafe trotz ihrer Rekordhöhe dem Bestraften nicht wehtut, dessen Immobilienvermögen auf fast zwei Milliarden Dollar geschätzt wird. Was sich um eine weitere Milliarde Dollar erhöhen könnte, wenn Sterling die Clippers jetzt, wie Silver es fordert, meistbietend verkauft. Schöne Strafe.

Alles stimmt, solange das Geld stimmt

Im Guten wie im Bösen: Der US-Profisport ist ein Mega-Geschäft. Im Management sitzen Finanzhaie wie Silver, die um Millionengehälter pokern, um TV-Rechte, Sponsoren, neue Märkte. Alles stimmt, solange das Geld stimmt - selbst die umgestülpten Machtverhältnisse, die irgendwie an die Segregation erinnern.

Wen stört es da, dass zwar 76,3 Prozent aller NBA-Spieler schwarz sind (Stand Ende 2013), sich unter den 49 Mehrheitseignern aber nur ein einziger Afroamerikaner findet - NBA-Altstar Michael Jordan, der 2010 als erster Schwarzer ein NBA-Team kaufte, die Charlotte Bobcats.

Wen stört es da, dass viele schwarze Athleten, trotz des oft langjährigen Dollarregens, nach ihrer aktiven Laufbahn im realen Leben stranden - ausgenutzt, pleite, demoralisiert.

Und wen stört es, dass Sterling seit jeher als "rassistischer Slumlord" verrufen war, wie die Reporter Silver am Dienstag zuriefen?

Auch wenn sich Sterling bisher meist aus der Schlinge wand: Jeder wusste Bescheid. "Es ist die gleiche Story wie früher", sagten Nets-Player und Ex-Clipper Shaun Livingston lakonisch. Man müsse nur mal "in die Akten gucken".

Die Liga sah erst hin, als sie nicht mehr wegsehen konnte

Bloß nicht. Sterling war ein Goldesel: Er zahlte den Spielern in dieser Saison insgesamt 73,6 Millionen Dollar - davon allein 20 Millionen Dollar an den 28-jährigen Chris Paul, den Präsidenten der National Basketball Players Association. Auch spendete Sterling immer wieder für "benachteiligte", sprich schwarze Belange, so dass die Schwarzenorganisation NAACP den Rassisten ehrte.

"Ich kann mich nicht zu Taten in der Vergangenheit äußern", sagte Silver - obwohl er seit mehr als 20 Jahren im Geschäft ist. "Als der NBA spezifische Beweise vorgelegt wurden, haben wir gehandelt." Will heißen: Erst als die Vorwürfe unwiderruflich offen dokumentiert waren, konnte die NBA nicht länger wegsehen.

Nicht nur das. Nachdem die Gossip-Website "TMZ" das Sterling-Audio in Umlauf gebracht hatte, brachen die Ticketpreise für Clippers-Spiele sofort ein - von im Schnitt 680 auf 250 Dollar. Auch sprangen ein Dutzend Sponsoren ab, von Mercedes-Benz über McDonald's bis Red Bull.

Es ist immer der gleiche Zyklus. Ein Rassist gefährdet den still erkauften Frieden, indem er sich ertappen lässt, gefolgt von "Empörung", Protesten, Boykotten und schließlich der Abstrafung. Das Gute hat gesiegt, bis zum nächsten Mal. Hauptsache, das Geld stimmt.



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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
mischpot 30.04.2014
1. Mein Gott der Mann
ist der Rachsucht seiner Frau ausgeliefert. Wäre Herr Sterling schwarz, würde diese Rassismus Debatte anders aussehen. Die populistischen Reaktionen zeigen das Amerika und auch Konzerne wie Mc. Donalds, Mercedes, Red Bull. nur ihren billigen Interessen nachgehen. Diese Schwarz / Weiß Mentalität zeigt ein tief zerrissenes Land was noch lange zu lernen hat.
themistokles 30.04.2014
2.
Was soll denn dieser überhebliche Artikel? Die NBA ist ein Sportverband. Gegen Sterling wurde die höchste Strafe verhängt, die der Verband überhaupt aussprechen kann: Lebenslange Sperre aus der NBA, die höchste Geldstrafe, die der Verband verhängen kann und die Forderung des Verkauf des Clubs. Mehr kann der Verband nicht machen.
Malshandir 30.04.2014
3. Scheinheilig
Also es herrscht hier doch ein doppelter Rassismus. Wenn die Spieler behaupten, es ist eine schwarze Liga, dann muss man schon sagen, dass ist fuer Weisse diskriminierend. Auch fuer die Fans. Rassismus ist nie gut, egal von welcher Seite. Die Strafe halte ich fuer uebertrieben und nicht durchsetzbar. Sterling ist Eigentuemer, daher wird man ihm nicht verbieten koennen, sein Stadiuon zu betreten. Bedenklich ist auch die Audioaufnahmen, die sicher nicht legal entstanden ist.
sportlich-gesund 30.04.2014
4. Richtig so!
Rassismus hat in dieser Welt nunmal keinen Platz mehr!
Kasob 30.04.2014
5. Willkommen im Kapitalismus
Wir alle leben doch schon seit Jahren in diesem System, warum jetzt darüber wundern? Es geht doch in allen Bereichen nur ums Geld. Selbst bei Gesundheit, Sozialen oder Kultur. Im Sport doch sowieso. Wir im Westen haben doch keine Ideale, Visionen oder Religion mehr. Uns bleibt nurnoch der schnöde Mammon.
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