Reit-WM Die Ukraine springt deutsch

Im Springreiten zählt die Ukraine plötzlich zu den Medaillenfavoriten - dank eines schwerreichen Geschäftsmannes und zweier abtrünniger deutscher Reiter. Dem hiesigen Verband passt das gar nicht.


Aachen - Es ist die Überraschung der Weltreiterspiele - eigentlich. Nach dem ersten Tag im Nationenpreis der Springreiter liegt die Ukraine auf Platz zwei hinter den Niederlanden, aber vor den USA und Deutschland. Das Finale beginnt heute um 18.30 Uhr. Dabei galt die ehemalige Sowjetrepublik im Pferdesport bislang allenfalls als zweit- bis drittklassig. Das Geheimnis: Im Team startet kein einziger Einheimischer.

Springreiter Nagel: Jetzt die Farben der Ukraine auf dem Helm
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Springreiter Nagel: Jetzt die Farben der Ukraine auf dem Helm

Stattdessen gehen neben zwei Belgiern auch zwei Deutsche für die Ukraine in den Parcours von Aachen. "Es läuft gut", sagt Björn Nagel. Der 28-Jährige, der im schleswig-holsteinischen Friedrichskoog lebt, hat vor zwei Monaten den Verband gewechselt - um endlich bei einer WM dabei zu sein: "Mein Traum war es immer, Championate zu reiten. Da die Konkurrenz im eigenen Land zu groß ist, musste ich mich nach Alternativen umschauen."

Das Angebot des schwerreichen ukrainischen Geschäftsmannes Alexander Onischenko kam ihm da gerade recht - der Millionär sponsert die multinationale Equipe, die übrigens von einem Schweizer trainiert wird. Neben Nagel, der auf seinem elfjährigen Hengst Pilgrim startet, geht auch die frühere deutsche Meisterin Katharina Offel mit der elf Jahre alten Stute Atlanta für die Ukraine an den Start. Eine gründliche Vorbereitung auf die WM war für die Mannschaft nicht möglich. "Wir hatten ein Kurz-Trainingslager in der Nähe von Köln. Das hat gereicht. Man kennt sich ja von den Turnieren", sagt Nagel.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ist vom neuen Medaillenfavoriten wenig begeistert. Sie will den Verbandswechsel von Reitern erschweren. "Die Regeln müssen verschärft werden, sonst kommt bald auch noch ein polnischer Millionär und kauft sich in anderen Ländern eine Mannschaft zusammen", sagte FN-Generalsekretär Hanfried Haring heute. Er kritisierte auch den derzeitigen Ablauf der Wechsel: "Der Heimatverband wird nicht gefragt, sondern bekommt vom internationalen Verband lediglich eine Mitteilung über den Wechsel." Allerdings will sich die FN nicht grundlegend für ein Verbot von Verbandswechseln aussprechen. Für das deutsche Team reitet die gebürtige US-Amerikanerin Meredith Michaels-Beerbaum, die allerdings in Deutschland lebt.

Alexander Onischenko, der sein Geld durch den Handel mit Rohstoffen und Immobilien verdient, investiert allerdings nicht nur in Reiter, sondern hat auch mehrere ausgezeichnete Pferde eingekauft - beim früheren Weltklassereiter Paul Schockemöhle.

all/sid/dpa



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