Rekord in Wimbledon: Isner gewinnt Elf-Stunden-Marathon-Match

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So ein Match hat es noch nie gegeben: 70:68 gewann der US-Amerikaner John Isner den fünften Satz gegen Nicolas Mahut, insgesamt dauerte ihr Duell in der ersten Runde von Wimbledon über elf Stunden. Es war das längste Spiel in der Geschichte des Tennis.

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Tennisprofi Isner: "Ein bisschen müde"

Hamburg - Er schmiss den Schläger weg, ließ sich auf den Rücken fallen, schlug die Hände über dem Kopf zusammen: So ausgelassen wie John Isner hat schon lange kein Tennisprofi mehr über den Sieg in der ersten Runde von Wimbledon gejubelt.

Doch die Reaktion des Amerikaners war verständlich, er hatte gerade ein historisches Match gewonnen - das längste in der Geschichte des Tennis. Elf Stunden und fünf Minuten dauerte sein 6:4, 3:6, 6:7, 7:6, 70:68 gegen den Franzosen Nicolas Mahut.

70:68! Dieses Ergebnis hätte zuvor niemand für möglich gehalten. Nicht einmal in Wimbledon, wo im Gegensatz zu den meisten Turnieren im fünften Satz kein Tie-Break entscheidet. Stattdessen wird beim Stand von 6:6 solange weitergemacht, bis ein Profi zwei Spiele Vorsprung hat. Die Regel ist nicht unumstritten, doch niemand konnte ahnen, dass sie einmal solch absurde Konsequenzen haben würde.

Den ersten Ball hatten Isner und Mahut bereits am Dienstag geschlagen, wegen Dunkelheit musste das Match nach dem vierten Durchgang unterbrochen werden. Am Mittwoch begann der fünfte Satz, der beim Stand von 59:59 ebenfalls wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste. Erst nach weiteren 65 Minuten am Donnerstag fiel die Entscheidung.

Beeindruckende Statistiken

Wie lässt sich ein solches Match beschreiben: Dramatisch? Episch? Nein, unmöglich. Worte reichen nicht, um die Dimension des Duells zu benennen. Das gelingt nur mit Hilfe von Zahlen.

Acht Stunden und elf Minuten dauerte allein der fünfte Satz - rund eineinhalb Stunden länger als das bislang längste komplette Match. Zudem verbesserten sie die Bestmarke für die meisten Aufschlagspiele (183) und die meisten Asse (Isner servierte 112, Mahut 103).

Doch vor lauter Statistiken darf die eigentliche Leistung beider Akteure nicht übersehen werden. Damit ist nicht ihre spielerische Klasse gemeint. Es gab viele Matches in Wimbledon, die schöner waren als diese Erstrunden-Begegnung. Isner und Mahut überzeugten vielmehr durch unglaublichen Siegeswillen, durch ihre Fähigkeit, die Müdigkeit zu ertragen.

Jeder Tennisspieler kennt die Probleme gegen Ende eines langen Matches: Wenn die Schulter müde wird und der Kopf erst Recht. Wenn die Schläge kürzer werden und der erste Aufschlag nur noch so schnell ist wie der zweite. Dann entscheiden oft wenige Punkte über Sieg und Niederlage, dann kann ein einziges Break die Entscheidung bringen.

Isner und Mahut brachten im fünften Satz jeweils 68 Aufschlagspiele durch, bevor dem Amerikaner das Break gelang. Beim Stand von 58:59 wehrte Mahut noch einen Matchball ab - mit einem Ass. Isner schlug insgesamt über 500 Mal auf - und servierte am Ende noch immer mit mehr als 200 Stundenkilometern. Unfassbar.

Abgeschoben auf den Nebenplatz

Allein wegen dieser Leistung hätte das Match den Centre Court als Bühne verdient gehabt. Und genau das hatten die Zuschauer am Mittwochabend gefordert. Auf dem größten Platz hätte mit Beleuchtung weiter gespielt werden können. Doch die Offiziellen entschieden sich für den Abbruch.

Isner, 25, spielte bis vor drei Jahren noch College Tennis für die University of Georgia. Seine Grundschläge sind nicht überragend, doch dank seines gewaltigen Aufschlags hat sich der 2,06-Meter-Hühne mittlerweile auf Platz 19 der Weltrangliste vorgearbeitet. Mahut war vor zwei Jahren mal die Nummer 40 der Welt, momentan rangiert er rund 108 Plätze weiter hinten. In Wimbledon musste er sich erst durch die Qualifikation ins Hauptfeld kämpfen.

Auch am Donnerstag war der Centre-Court für die besten Spieler reserviert und so endete das historische Match dort, wo es begonnen hatte: Auf Court 18, einem kleinen Platz am Rande des All England Lawn Club. Mit einem Rückhand-Passierschlag verwandelte Isner schließlich seinen fünften Matchball. "Ich bin ein bisschen müde", sagte er hinterher.

Viel Zeit zur Erholung wird er nicht bekommen. Er hängt dem Zeitplan weit zurück, andere Spieler haben bereits die dritte Runde erreicht. Wenn die Organisatoren kein Erbarmen kennen, muss Isner bereits am Freitag zu seinem nächsten Match antreten.

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Forum - Wimbledon - wer gewinnt das Londoner Turnier?
insgesamt 59 Beiträge
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1. ...
team_frusciante 24.06.2010
Zitat von sysopWimbledon, das prestigeträchtige Rasen-Turnier in London, hat begonnen. Wer wird in diesem Jahr den Pokal in die Luft stemmen?
age von jemandem, der sich nicht auskennt: 59:59? Ist ein Satz nicht bei spätestens 7:6 zu Ende? Diesen Spielstand muss es doch in dem Satz gegeben haben?
2. Kunstlicht, und Fehler in der Anzeigetafel
fucus-wakame 24.06.2010
Das die Anzeigetafel bei einem Stand von 47:47 abbricht ergibt keinen Sinn. Bei diesem Wert liegt keine sogenannte Bit- bzw. Bytegrenze. Wieso prüfen die Verantwortlichen so etwas nicht vorher. Zum Thema Beleuchtung: es soll da so eine Erfindung namens Glühbirne geben. Damit lassen sich sogar Fußballfelder in der Nacht beleuchten.
3. Weltmeister
pressemelders 24.06.2010
Vielleicht müssen erst neue Werbekunden aquiriert werden, damit sich die Übertragung wieder lohnt.
4. Für ein titelfreies Forum
goldfloppy 24.06.2010
Zitat von fucus-wakameDas die Anzeigetafel bei einem Stand von 47:47 abbricht ergibt keinen Sinn. Bei diesem Wert liegt keine sogenannte Bit- bzw. Bytegrenze. Wieso prüfen die Verantwortlichen so etwas nicht vorher. Zum Thema Beleuchtung: es soll da so eine Erfindung namens Glühbirne geben. Damit lassen sich sogar Fußballfelder in der Nacht beleuchten.
Bei einer 1-aus-n-Kodierung ist 47 der größte Wert, welcher sich mit 6 Byte anzeigen lässt. Der Maximalwert wurde sicherlich irgendwann mal geprüft und für absolut ausreichend befunden.
5. Aha
Wade Wilson 24.06.2010
Zitat von fucus-wakameDas die Anzeigetafel bei einem Stand von 47:47 abbricht ergibt keinen Sinn. Bei diesem Wert liegt keine sogenannte Bit- bzw. Bytegrenze. Wieso prüfen die Verantwortlichen so etwas nicht vorher. Zum Thema Beleuchtung: es soll da so eine Erfindung namens Glühbirne geben. Damit lassen sich sogar Fußballfelder in der Nacht beleuchten.
Als wenn Flutlicht die Lösung wäre. Bei einem Tennisspiel dürfte das eher störend sein. Und selbst wenn nicht, wie lange sollten die denn weiter spielen? Bis einer vor Erschöpfung umfällt?
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