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Olympische Spiele 2020: Schultersieg für die Ringer

Aus Buenos Aires berichtet

Die Ringer jubeln: Ihr Kampf um den Verbleib im olympischen Programm war erfolgreich. Die Entscheidung in Buenos Aires belohnt den Reformwillen der Sportart und ist eine letzte Niederlage für den scheidenden IOC-Präsidenten.

Olympisches Programm: Gnade für die Ringer Fotos
DPA

Die Jubelschreie der Abordnung des Ringer-Weltverbandes Fila durchdrangen den IOC-Sitzungssaal im Hilton Hotel in Buenos Aires. Der Boden schien zu beben, als sich die Expedition hemmungslos austobte. Daneben geschockte Konkurrenten, versteinerte Mienen. Regungslos verharrten die Unterlegenen eine Weile.

Die Ringer haben am Sonntag eine spektakuläre Wende hingelegt: Sie haben ihren Platz im olympischen Programm gesichert. Im Februar hatte das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) den Ringer-Weltverband für langjährige Versäumnisse bestraft und ab 2020 aus der Liste der olympischen Kernsportarten gestrichen.

Dieser Beschluss löste eine weltweite Welle der Unterstützung für das Ringen aus, inklusive des politischen Beistands der Präsidenten Russlands, der USA und des Iran. Wladimir Putin, Barack Obama und Mahmoud Ahmadinedschad unterstützten die Rettung des olympischen Ringens. Die Kampagne war erfolgreich.

Die IOC-Vollversammlung entschied am Sonntag, Ringen für die Sommerspiele 2020 und 2024 als zusätzliche Sportart neben den 25 Kernsportarten in das Olympia-Programm zu implementieren. Die Verlierer der Abstimmung sind Squash, Baseball und Softball.

Neues Regelwerk in Rekordgeschwindigkeit

Die Fila mit ihrem neuen Präsidenten Nenad Lalovic verdankt die Rettung einem totalen Umbruch. Der ehemalige Fila-Boss Raphael Martinetti aus der Schweiz hatte den Verband in jeder Beziehung ins Abseits befördert. Die Aufarbeitung der Fila-Finanzen steht noch bevor.

Lalovic, ein serbischer Bauunternehmer, hat sich zunächst darauf konzentriert, in Rekordgeschwindigkeit das Regelwerk und die Gewichtsklassen zu reformieren, mehr Frauen bei den Spielen 2016 in Rio teilnehmen zu lassen, eine Athletenkommission zu gründen und ehemalige Sportler in die Fila-Exekutive aufzunehmen. Eine solche Umwälzung sucht im olympischen Weltsport seinesgleichen.

Was Lalovic mit gewaltiger politischer Unterstützung gelungen ist, dazu haben andere Verbände ein Jahrzehnt gebraucht. Der schwergewichtige Serbe ist ein kommender Star im IOC-Business. Seinem Charme kann sich kaum jemand entziehen, seine Arbeitswut spricht für sich. "Was wir hier in Buenos Aires präsentiert haben, ist ein ganz neuer Sport", sagt Lalovic. "Und die Arbeit geht weiter."

Lalovic betrieb zuckersüßes IOC-Vokabular: "Wir haben Fehler gemacht. Aber wir haben gelernt und die Ratschläge des IOC befolgt. Nur so geht es in der olympischen Familie. Wir werden weiter zuhören, uns weiter reformieren und demokratischer werden." Derlei Botschaften will das IOC hören.

Ohrfeige für Rogge

Die Entscheidung für das Ringen gegen die hilflosen Herausforderer Softball/Baseball und Squash war im übrigen auch eine letzte Ohrfeige an Jacques Rogge und das Exekutivkomitee, das im Februar Ringen aus der Liste der damals noch 26 Kernsportarten gestrichen hatte.

Rogge war einst als Reformator des Programms angetreten, hatte aber schon 2002 auf der Session in Mexiko eine krachende Niederlage erlitten, als er etwa den Modernen Fünfkampf streichen wollte. Die Verbandspräsidenten halten stets zusammen und haben noch immer eine Mehrheit im IOC hinter sich.

Die Programmdiskussion ist so alt wie die Olympischen Spiele selbst und damit auch so alt wie der Ringkampf. IOC-Entscheidungen zum Programm sind meist "überwiegend politische Fragen", sagte Rogge am Sonntag. Beim Versuch einer nachhaltigen Modernisierung, die weit über kosmetische Änderungen hinaus geht, ist Rogge gescheitert.

Sein Nachfolger, der am Dienstag gewählt wird, sollte die Programmdiskussion als eine seiner wichtigsten Aufgaben betrachten. Es mangelt an Visionen und Transparenz. Der Italiener Franco Carraro, Chef der so genannten Programmkommission, war dem Thema nicht gewachsen.

Als der Kanadier Richard Pound am Sonntag eine letzte Attacke startete und verlangte, das IOC solle die Entscheidung über die 28. und letzte Olympiasportart bis zur nächsten Session im Februar in Sotschi vertagen, als einige Mitglieder energisch Aufklärung forderten, auf welcher Grundlage das Exekutivkomitee Ringen exmatrikuliert hatte, übernahm Rogge das Zepter und schmetterte Pounds Attacke ab. Carraro stand tatenlos am Rednerpult und grinste.

Den Sportarten, die es wieder nicht ins Programm geschafft haben und nicht wissen warum, weil es keine klaren Regeln gibt, ist das Lachen längst vergangen.

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1. Sehr gut
MHB 08.09.2013
Ich selber schaue mir den Olympiazirkus ja nicht an, aber : eine der ältesten Olympiasportarten wegen ein paar allein im Angloamerikanischen und ehem. englischen Kolonialbereich verbreiteten Sportarten zu streichen, das wäre ein entgültiger Sieg des Geldes gewesen. Basebaal und Cricket ... das versteht außerhalb der USA und England, vllt noch Indien, Neuseeland und Australien, doch eh keiner.
2. Vor allem Softball
marvin_megabrain 08.09.2013
das nur in Amerika von Hausfrauen gespielt wird die Angst haben sich beim Baseball zu verletzen. Lächerlich !!! Und ein Cricket Match dauert im original gerne mal ein komplettes Wochenende, wenn nicht länger . Und sowas soll olympisch werden ??
3. Olympisches Ringen
ihawk 08.09.2013
Das Olympisches Ringen überhaupt in Frage gestellt wurde, ist m.E. absoluter Schwachsinn .. Da kann man zum Ringen stehen wie man will, Ringen ist eine der Grundsportarten der Olympischen Spiele überhaupt.
4. Es wäre schön gewesen...
lightcycler 08.09.2013
...wenn in diesem Artikel einmal etwas detaillierter erklärt worden wäre, WARUM denn Ringen auf der Abschussliste stand. Das ist doch offensichtlich finde ich? Die erste Frage, die man sich stellt, wenn man diesen Artikel liest. Hätte der Autor mehr zu schreiben sollen!
5. Super !
waldschrat72 08.09.2013
Ich bin einfach nur froh. Schon die abstruse Idee, ausgerechnet das Ringen aus dem Kreis der olympischen Sportarten streichen zu wollen, war ja wohl absurd. Was wären nochmal die Alternativen gewesen ? Squash, Baseball und Softball ? Oh Gott. Baseball ja vielleicht noch. Aber doch Squash als olympischer Ersatz für den archaischen Kampf Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau ? Es wäre für mich der letzte noch nötige Schritt gewesen, Olympia gar nicht mehr einzuschalten. Ganz nebenher doch auch mal eine nette Allianz, USA, Russland und Iran ausnahmsweise mal einig zu sehen. Auf der Ringermatte sehe ich das Ganze allemal am liebsten ausgetragen.
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1920 Antwerpen (Belgien)
1912 Stockholm (Schweden)
1908 London (Großbritannien)
1904 St. Louis (USA)
1900 Paris (Frankreich)
1896 Athen (Griechenland)


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