Robert Hartings Abschied Der letzte Schrei

Robert Harting hat beim ISTAF in Berlin seinen letzten Diskus geworfen. Vor dem Leben nach der Sportlerkarriere hat der Olympiasieger keine Angst. Die kommenden 60 Jahre sind bereits verplant.

DPA

"Ich freue mich, dass es mit dem letzten Satz nochmal so gut geklappt hat", sagte Robert Harting, nachdem er zum letzten Mal als aktiver Sportler in den Ring gestiegen war. Auf starke 64,95 Meter brachte er es bei seinem letzten Wurf, Platz zwei beim Internationalen Stadionfest Berlin (ISTAF) - nur knapp vorbei am Sieg. Doch seien es sowieso nicht die sportlichen Erfolge, an die Harting am liebsten zurückdenke, wenn er auf seine Karriere blicke. Dass er es geschafft habe, "Werte ins System einzutragen", sei, was ihn in seiner 19 Jahre andauernden Karriere besonders stolz gemacht habe.

Der 33-Jährige befand sich bereits seit mehreren Monaten auf Abschiedstour. Der dreimalige Weltmeister hat seine besten Zeiten längst hinter sich, belegte bei der Heim-EM im August nur Rang sechs - und wurde doch von 37.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion lautstark gefeiert.

Für diesen letzten Titelkampf seiner Karriere hatte der Berliner sich gequält, noch im Januar hatten Ärzte einen Sehnenriss im Knie festgestellt. "Meine Sehne zwickt jetzt nur noch ein bisschen. Das Knie arbeitet trotzdem nicht richtig gut, weil der Körper es eben noch ausgeschaltet hat", sagte Harting vor einigen Wochen: "Aber ich fühle mich gut, ich bin jung, gefragt, umstritten und beliebt zugleich."

Gefragt, umstritten und beliebt zugleich - damit hat Harting sich selbst sehr gut beschrieben. Er war nicht nur der erfolgreichste deutsche Leichtathlet des vergangenen Jahrzehnts, er war auch ein streitbarer Sportler, stets angriffslustig, stets ansprechbar - auch und vor allem bei kontroversen Themen. Die nationale Sportförderung nahm er sich ebenso vor wie den internationalen Anti-Doping-Kampf. "Die Lücke, die Robert Harting hinterlässt, ist schwer zu schließen", findet nicht nur Kugelstoßer David Storl.

Und nun also der allerletzte Wurf im Olympiastadion. Beim ISTAF war alles auf den Abschied des Olympiasiegers zugeschnitten, goldene Startnummer inklusive. Dort, wo für ihn vor neun Jahren mit dem ersten von drei WM-Titeln alles begonnen hatte, wo er erstmals sein Trikot zerriss, wo er sich Maskottchen Berlino kurzerhand über die Schulter geworfen hatte, dort sollte sich "Der Harting", wie er in den sozialen Netzwerken firmiert, für immer aus dem Ring verabschieden. Für Immer?

Ein Comeback hatte Harting schon früh ausgeschlossen: "Ganz sicher: Das wird nicht passieren!" Tatsächlich hat Harting noch viel vor. Zwar habe er nicht mehr so viele Aufgaben in seinem Leben, dafür aber größere: "Also: eine Familie gründen. Kinder groß ziehen. Für die Eltern da sein, wenn sie mich brauchen. Einen Job finden, der meine Leidenschaft berührt", zählte Harting auf, der im kommenden Jahr seinen Abschluss in Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation machen möchte. "Das sind vier Sachen, und für jede habe ich ungefähr 15 Jahre Zeit. Grob gesagt. Da bin ich dann irgendwas über 90."

Vermutlich wird er auch weiter den Finger in die Wunden des Sportsystems legen. Nach Abschiedsworten gefragt sagte er nach der EM: "Der Leichtathletik wünsche ich die richtigen Entscheidungen. Vielen Dank. Lassen Sie von sich hören. Ich bin immer zum Diskutieren bereit."

mit Material der dpa



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