Laver Cup Einzelkämpfer im Doppelpack

Roger Federer und Rafael Nadal haben sich im Einzel legendäre Duelle geliefert: Beim Laver Cup sind die Rivalen jetzt unvermittelte Doppelpartner. Aber auch das funktioniert.

Roger Federer (unscharf), Rafael Nadal (scharf)
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Roger Federer (unscharf), Rafael Nadal (scharf)

Aus Prag berichtet


Das sollen Rivalen sein? Roger Federer und Rafael Nadal lachten, scherzten und hatten sichtlich Spaß miteinander. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, als würden sie sich an den Gedanken, von nun an immer im Team anzutreten, gewöhnen wollen.

Zum ersten Mal überhaupt haben beide nicht gegen-, sondern miteinander gespielt. Im "Team Europa" beim Laver Cup in Prag, gegen das US-amerikanische Duo Sam Querrey und Jack Sock. Der knappe Dreisatzsieg der Tennislegenden rückte angesichts der unüblichen Konstellation fast in den Hintergrund.

"Es ist surreal, dass wir hier sitzen und gemeinsam über unser Match reden. Es fühlt sich irgendwie merkwürdig an", sagte Federer, der wenige Stunden zuvor bereits sein Einzel souverän gewonnen hatte.

"Gegensätze ziehen sich an", so heißt es. Im Fall von Federer und Nadal trifft diese Phrase. Auf der einen Seite der grazile, leichtfüßige Schweizer, dessen spielerisches Vermögen auch im Alter von 36 Jahren immer noch grenzenlos scheint. Auf der anderen der muskulöse Spanier, der vornehmlich über den Kampf ins Spiel findet und keinen Ball verloren gibt.

Federer, der weltgewandte Superstar, der seine Interviews wahlweise auf englisch, deutsch oder französisch abhält und schon früh die Heimat verließ. Nadal, der schüchterne Junge aus der Provinz, der auch im 16. Jahr seiner Profikarriere immer noch mit der englischen Sprache fremdelt und seit seiner Kindheit behutsam von Onkel Toni trainiert wird.

"Es ist ein unvergesslicher Tag für uns beide"

Doch wenn sie gemeinsam auf dem Platz stehen, wirken sie fast wie Brüder. Das freundschaftliche Verhältnis, das beide seit Jahren pflegen, ist auch von den oberen Rängen der Tennis-Arena in Prag zu spüren. "Es ist ein besonderer Moment. Die Möglichkeit, Roger neben mir zu haben, ist ein großes Privileg", sagte Nadal nach dem Match und führte fort: "Es ist ein unvergesslicher Tag für uns beide, nach allem, was wir hinter uns haben."

Zwei Große des Sports
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Zwei Große des Sports

Um zu verstehen, was Nadal damit meint, hilft ein Blick in die Tennis-Geschichtsbücher. 2004 begegneten sich die beiden erstmals in Miami. Federer, der nach zwei Grand-Slam-Erfolgen in Serie bereits an der Spitze der Weltrangliste gestanden hatte, verlor völlig überraschend gegen einen damals noch unbekannten Teenager. Der erst 18-Jährige triumphierte nur ein Jahr später bei den French Open und entwickelte sich fortan zum Albtraum des Schweizers.

Neunmal schlug Nadal Federer bis heute bei einem der vier Majors, 14 Mal bei anderen Turnieren. Unvergessen ist das Bild, wie Nadal dem weinenden Federer 2009 nach dem Australian-Open-Finale mit dem Pokal im Arm Trost spendet. Keine sechs Monate zuvor hatte er dem 36-Jährigen nach zuvor 41 Siegen in Folge die erste Niederlage in Wimbledon zugefügt. Fast zehn Jahre später kämpfen sie nun gemeinsam beim Laver Cup für den Erfolg des europäischen Teams. "Heute war der ideale Tag, um das umzusetzen. Es waren Erinnerungen fürs Leben", so Nadal.

Doppel Federer/Nadal hat keine Perspektive

Dass die beiden sich auf dem Platz zwischenzeitlich in die Quere kamen, hängt auch damit zusammen, dass sie erst einmal im Leben zusammen trainiert haben, wie Federer auf der Pressekonferenz verriet. "Ich verstehe, dass die Menschen im Doppel viel von uns erwarten. Schließlich sind wir die Nummer eins und zwei der Weltrangliste. Aber es ist so viel komplizierter", sagte er. "Wir haben gegen ein starkes Duo gespielt, und mein letztes Doppel liegt so lange zurück, dass ich mich nicht einmal mehr erinnere. Ich wusste teilweise gar nicht, wo ich zu stehen habe."

Tatsächlich hatten sie mit Sock und Querrey zwei Spezialisten besiegt. Sock gewann bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr Gold im Mixed-Mittbewerb und Bronze in der Doppel-Konkurrenz. Querrey hatte 2015 an der Seite von Landsmann Steve Johnson im Halbfinale der US Open gestanden. Die Sieger hießen dennoch am Ende Federer/Nadal.

Trotz des großen Potenzials, das ein Doppel Federer/Nadal bietet, schlossen beide Profis eine Fortsetzung ihrer "Zusammenarbeit" aus. Wichtiger dürfte ohnehin sein, dass sie dem Sport zunächst im Einzel erhalten bleiben. Ein Ende der 13-jährigen Rivalität? Für viele Tennisfans schlicht unvorstellbar. Und für die beiden auch.



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Seite 1
Sibylle1969 24.09.2017
1.
Wenn man Nadal bei Pressekonferenzen erlebt, macht sein Englisch aber einen normal guten Eindruck. Dass er mit dem Englischen fremdelt, finde ich nicht.
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