Tennisstar Roger Federer vor Australian Open Der magische 100. Turniersieg

Vieles deutet darauf hin, dass Roger Federer seine Karriere nach dieser Saison beendet: Der Schweizer hat inzwischen 99 ATP-Turniere gewonnen. Eine Schippe will er unbedingt noch drauflegen.

Roger Federer
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Roger Federer scheut sich nicht, Gefühle öffentlich zur Schau zu tragen. So auch bei einem kürzlich ausgestrahlten Interview mit dem US-Fernsehsender CNN. Als der Schweizer auf die Verdienste seines 2002 bei einem Verkehrsunfall verstorbenen Trainers, Peter Carter, angesprochen wird, fängt Federer an zu weinen.

Mit gebrochener Stimme sagt er: "Ich hoffe, dass er stolz wäre. Ich glaube, er wollte nicht, dass ich ein verschwendetes Talent werde." 17 Jahre nach dem tragischen Tod Carters steht fest, dass der ehemalige südafrikanische Coach allen Grund gehabt hätte, stolz auf seinen einstigen Schützling zu sein.

Federer ist mit 37 Jahren der erfolgreichste Spieler der Tennisgeschichte. Der Schweizer hat 20 Grand-Slam-Titel gewonnen, führte 310 Wochen die Weltrangliste an und hält zahlreiche Rekorde. Doch einiges deutet darauf hin, dass nicht mehr viele Bestmarken hinzukommen werden.

"Best of Five" wird immer mehr zur Herausforderung

Bei den am Montag beginnenden Australian Open (14.-27. Januar) zählt Federer nach seinen überzeugenden Vorstellungen beim Hopman Cup zwar erneut zum Favoritenkreis. Doch das vergangene Jahr hat Zweifel aufkommen lassen, ob er sein Niveau trotz zahlreicher Turnierpausen halten können wird.

In Wimbledon verspielte er auf seinem geliebten Rasen eine 2:0-Satzführung gegen Kevin Anderson, bei den US Open verlor er im Achtelfinale gegen den australischen Außenseiter John Millman. Der "Best-of-Five-Modus" - es gewinnt, wer drei Sätze für sich entscheidet, was aber auch fünf Sätze lang dauern kann - wird immer mehr zur Herausforderung für den 37-Jährigen. Von Leichtigkeit war nicht mehr viel zu spüren.

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Doppelter Abschied in der Schweiz?

Nun befeuern weitere Entscheidungen und Aussagen die Gerüchte, Federer könne nach dieser Saison tatsächlich aufhören. Erstmals seit 2015 plant der Schweizer offenbar, an den French Open teilzunehmen. Jenes Grand-Slam-Turnier, das er in den vergangenen Jahren angesichts fehlender Titelperspektiven stets gemieden hatte. Es könnte auch auf einen Abschied vom Pariser Publikum hindeuten. Ob er wirklich in der französischen Hauptstadt spielen wird, hänge aber vom Saisonverlauf ab, so Federer.

Schon im vergangenen Sommer hatte der Weltranglistendritte zugegeben, das Karriereende sei näher als je zuvor. "Wenn das Gefühl schwindet, die großen Turniere zu gewinnen", so Federer, "muss man aufhören."

In diesem Jahr wartet neben Wimbledon und New York noch ein weiteres Highlight auf Federer: Der von ihm selbst ins Leben gerufene Laver Cup - ein Turnier bei dem die besten Spieler Europas gegen die besten Profis der restlichen Welt antreten - wird im September in Genf ausgetragen. Kurz darauf findet auch das ATP-Turnier in Basel statt, möglicherweise böte sich Federer damit gleich zweimal die Chance, in seiner Heimat Abschied zu nehmen.

Druck dürfte der fünffache Weltsportler des Jahres in seiner womöglich letzten Saison als Profi ohnehin nicht mehr verspüren. Nach mehreren Formkrisen und einer schweren Knieverletzung 2016 hat er ein Comeback gefeiert, das ihm nur die wenigsten zugetraut hätten.

In Melbourne erneut Geschichte schreiben

Nach dem sensationellen Titel in Australien vor zwei Jahren kehrte Federer im vergangenen Jahr als ältester Spieler der Geschichte auf Platz eins der Weltrangliste zurück. Mittlerweile ist er auch alleiniger Rekordhalter beim bedeutendsten Turnier der Welt in Wimbledon. Die Ziele, die er sich immer gesteckt hatte, sind längst erreicht - mit einer Ausnahme.

Trotz all der Spekulationen um ein mögliches Ende, hat Federer immer wieder betont, wie viel ihm ein 100. Turniersieg bedeuten würde. Momentan steht er bei 99. Nur der US-Amerikaner Jimmy Connors konnte im Laufe seiner Karriere mehr als 100 ATP-Titel gewinnen.

Und tatsächlich besteht schon in Australien für Federer die Chance, diese Bestmarke zu erreichen. Der 37-Jährige würde erst in einem möglichen Finale auf den Weltranglistenersten Novak Djokovic treffen können. Hinter anderen Rivalen stehen teils kleine, teils größere Fragezeichen. Rafael Nadal hat von den vergangenen 18 Hartplatzturnieren verletzungsbedingt nur eines beenden können. Andy Murray verkündete am Freitag unter Tränen sein bevorstehendes Karriereende, Stan Wawrinka ist ebenfalls nicht in der Form, die ihn 2014 in Melbourne zum Titel geführt hatte. Auch Alexander Zverev plagen Verletzungssorgen.

Federer hingegen präsentierte sich in starker Frühform und extrem entspannt. Beste Voraussetzungen für einen Titel in Melbourne. Peter Carter wäre stolz.



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kopi4 13.01.2019
1.
Erstmals war sein Alter bei SPON vor Wimbledon ein Thema. Im Jahr 2012. Nach den etwas schwächeren Jahren 2010 und 2011 war auch damals die Meinung vorherrschend das er kein Grand Slam mehr gewinnen könne mit 30 Jahren. Diesmal dürfte die Wahrscheinlichkeit dieser These höher sein. Sicher,seinem Status und dem Alter geschuldet, wird er in Melbourne alle Spiele in der Night Session bestreiten dürfen. Ob das reicht wird man sehen. Den 100. Titel auf der Tour holt Federer aber in jedem Fall. Weil,außer bei den Majors, überall zwei Gewinnsätze reichen und weil in dieser Statistik jeder Titel gleichwertig zählt. In Stuttgart oder Halle auf Rasen wird es spätestens so weit sein.
vhn 13.01.2019
2. Großes Tennis
Einer der größten Sportler aller Zeiten. Und dazu noch mit sympathischem Auftreten.
golfstrom1 14.01.2019
3. Federer
Federer ist ein Sportler der aufgrund mehrerer Facetten als Vorbild für Kinder und Jugendliche gelten könnte. Sportlich: Seine Erfolge sprechen Bände - er ist auch deshalb solange erfolgreich, weil er nicht so stark auf Verschleiß spielt wie Nadal oder Djokovic, sein Spiel basiert auf hervorragender Technik und großer Vielseitigkeit. Es gab noch nie einen so kompletten Tennisspieler wie Roger Federer. Er beherrscht die Grundlinienschläge mit Vor- und Rückhand, er beherrscht das Volleyspiel am Netz, er kann kreativ aber auch ausdauernd spielen und hat einen hervorragenden und vielseitigen Aufschlag und ein starkes Returnspiel. Zudem hat er sich nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den Nerven im Laufe der Karriere auch zu einem starken Mentalitätsspieler entwickelt´, der in den entscheidenden Momenten seine Topleistung abrufen kann. Und zu guter Letzt dient er auch aufgrund seiner Persönlichkeit als absolutes Vorbild. Federer ist immer fair und sehr menschlich in seinem Auftreten und zollt seinem Gegenüber auf dem Platz immer Respekt. Er ist trotz seiner Erfolge immer ein Stück bodenständig und bescheiden geblieben.
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