Appell von Russlands Anti-Doping-Direktor "Herr Präsident, schützen Sie unseren sauberen Sport"

Die Begnadigung der russischen Anti-Doping-Agentur droht zu scheitern, offenbar wegen russischer Behörden. Nun wandte sich die Rusada direkt an Wladimir Putin - mit markigen Worten.

Wladimir Putin
REUTERS

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Der Generaldirektor der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada, Juri Ganus, hat sich in einer Videobotschaft an Staatspräsident Wladimir Putin gewandt, weil er die sportliche Selbstisolation Russlands fürchtet.

Man müsse zwingend den Compliant-Status durch die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada zurückerlangen. Nur so könne die Teilnahme russischer Athleten an sportlichen Großveranstaltungen sowie die Austragung von Wettbewerben gesichert werden. Es stelle sich daher nicht die Frage, wie viele positive Dopingproben im Moskauer Labor gefunden wurden, "sondern wie wir damit umgehen".

Wegen massiver Verfehlungen im Zuge der Staatsdoping-Enthüllungen war die Rusada im November 2015 von der Wada als "non-compliant" (nicht regelkonform) eingestuft worden. Als Folge wurde eine Vielzahl russischer Athleten von Olympia 2016 ausgeschlossen. Für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang war Russland suspendiert. Allerdings durften etliche Sportler unter neutraler Flagge antreten.

Im September dieses Jahres hatte die Wada die Rusada nach dreijähriger Sperre begnadigt - unter der Bedingung, Zugang zu Dopingproben im Moskauer Labor zu erhalten. Doch daraus wurde nichts.

Juri Ganus
AP

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Zuletzt war ein Expertenteam der Wada ohne kompletten Datensatz aus der russischen Hauptstadt abgereist. Nach Darstellung der Wada habe man die Mission "nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist abschließen" können. Der Grund sei gewesen, dass russische Behörden die Wada-Ausrüstung erst nach russischem Recht zertifizieren wollten. Laut Wada sei diese Bedingung zuvor nicht gestellt worden.

Rusada-Direktor Ganus hält das offenbar für riskant und falsch. "Die Behinderung der Untersuchung der Moskauer Labordatenbank weist darauf hin, dass Personen die Übermittlung von Daten und Proben verhindern wollen", sagte er. Namen nannte er nicht.

Stattdessen betonte er die Bedeutung einer Kooperation mit der Wada. "Wir stehen am Rand des Abgrunds", sagte Ganus in Richtung Putin: "Ich bitte Sie, die Gegenwart und Zukunft unseres sauberen Sports zu schützen." Der Kreml wollte sich zunächst nicht äußern.

Ganus bemängelte, dass die Russen innerhalb der vergangenen drei Monate keine gespeicherten Proben übertragen konnten. "Die Moskauer Labordatenbank unterliegt deshalb ständig Spekulationen, die unseren Sport beeinträchtigen", sagte Ganus. Dabei müsse Russland wie kein anderer daran interessiert sein, die Probleme seiner Vergangenheit zu bewältigen.

Er sei dennoch davon überzeugt, dass Russland am 31. Dezember, dem Ablauf der seitens der Wada gesetzten Frist, nicht wieder als "non-compliant" eingestuft werde. Stattdessen wünsche sich Ganus im kommenden Jahr "viele Siege und Erfolge, die unseren Athleten neue Horizonte eröffnen".

mon/sid/AP/Reuters



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