Russischer Dopingskandal Anti-Doping-Agentur vor Begnadigung durch die Wada

Drei Jahre nach der Aufdeckung eines staatlich gedeckten Dopingsystems steht Russland vor der vollständigen Rückkehr in die Weltgemeinschaft des Sports. Athleten sprechen von einer "Katastrophe für sauberen Sport".

Dopingproben
AP

Dopingproben


Die Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada) steht nach drei Jahren vor der Aufhebung. Wie die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) mitteilte, hat der unabhängige Prüfungsausschuss CRC empfohlen, die Rusada wieder aufzunehmen. Die Rusada habe inzwischen zwei elementare Bedingungen erfüllt, die von der Wada als Voraussetzung für eine Wiederaufnahme gestellt worden waren, hieß es.

Zum einen hat der CRC einen Brief vom russischen Sportministerium erhalten, in dem die Ergebnisse des McLaren-Enthüllungs-Reports über russisches Staatsdoping offenbar vollständig anerkannt worden sind. Außerdem sei Russland bereit, unabhängigen Experten Zugang zum Labor in Moskau und den darin befindlichen Daten und Proben zu gewähren.

Die Wada hatte zwar einen riesigen Datensatz aus dem Moskauer Labor zugespielt bekommen, in dem 9000 auffällige Proben von geschätzt 4500 Athleten ans Tageslicht gekommen waren. Aber nur, "wenn wir die Originaldaten hätten, könnten wir die Fälle derjenigen, die bei uns unter großem Verdacht stehen, bestätigen", sagte Chefermittler Günter Younger: "Wir hätten ein schlüssiges System. Wenn ich die Originaldaten habe, die laut Experten nicht manipulierbar sind, dann wäre das eine ganz andere Geschichte als das, was wir als Beweise haben."

Athleten warnen vor Aufhebung der Suspendierung

Die Exekutive der Wada will am 20. September über den Fall entscheiden. Es ist aber davon auszugehen, dass die Wada der Empfehlung des Prüfungsausschusses folgen wird. Die Rusada war im November 2015 nach der Aufdeckung des staatlich gedeckten Dopingsystems von der Wada suspendiert worden.

Am Donnerstag hatte eine Gruppe britischer Athleten die bevorstehende Begnadigung kritisiert. Dieser Schritt wäre "eine Katastrophe für sauberen Sport", teilten die Sportler in einem Brief an die Wada mit und warnten, dass "Athleten nicht mehr an das System glauben" würden, wenn die Rusada zu diesem Zeitpunkt wieder zugelassen würde.

sak/sid/dpa



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