Russische Whistleblowerin Weltverband lässt Stepanowa bei Leichtathletik-EM starten

Julia Stepanowa gilt als wichtigste Kronzeugin im russischen Dopingskandal. Nun darf die 29-Jährige bei der Leichtathletik-EM ihr Comeback feiern. Auch eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen ist möglich.

Julia Stepanowa
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Julia Stepanowa


Whistleblowerin Julia Stepanowa darf bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Amsterdam (6. bis 10. Juli) als neutrale Athletin an den Start gehen. Die Kronzeugin des russischen Dopingskandals erhielt vom Weltverband IAAF die Starterlaubnis und kann nun auch auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro hoffen.

Stepanowa dürfe wegen ihrer Verdienste um einen sauberen Sport wieder an Wettkämpfen teilnehmen, teilte die Doping-Prüfungskommission der IAAF mit. Zusammen mit ihrem Ehemann hatte sie den Skandal um systematisches Doping in der russischen Leichtathletik mit ihren Aussagen in der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping" ins Rollen gebracht.

Insgesamt hätten mehr als 80 russische Athleten den Antrag gestellt, unter der Regel 22.1A(c), die auch für Stepanowa greift, an den Start gehen zu dürfen. Weitere Entscheidungen stehen aber noch aus.

Die IAAF erfüllte mit ihrer Entscheidung eine Forderung von IOC-Präsident Thomas Bach für einen möglichen Olympia-Start Stepanowas. "Zunächst muss die IAAF entscheiden. Dann müssen wir das vollumfänglich unter Berücksichtigung der persönlichen und rechtlichen Gesichtspunkte prüfen", hatte Bach gesagt.

Bei der EM wird Stepanowa bereits am ersten Wettkampftag im Blickpunkt stehen. Um 18.25 Uhr beginnen im Olympiastadion die Vorläufe über 800 Meter der Frauen. Dabei feiert sie ihr Comeback als Läuferin unter neutraler Flagge, da Russlands Verband von der IAAF suspendiert wurde.

krä/dpa/sid



insgesamt 18 Beiträge
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testuser2 01.07.2016
1. Klassenfeind bekämpfen und Denunziation fördern
Aufklärungsarbeit im Anti-Doping-Kampf ist grundsätzlich erstmal lobenswert. Ich meine aber, dass es eine sportpolitische Kriegsführung der westlichen Länder gegen Russland gibt. Hajo Seppelt ist Teil dieses kalten Krieges auf sportpolitischer Bühne. Ob das von ihm beabsichtigt ist oder nicht kann ich natürlich nicht beurteilen. Allerdings ist es schon sehr auffällig, dass die westlichen Journalisten die Fehler lieber beim Klassenfeind suchen und anprangern, als bei sich selbst. Ob Fussball oder Olympische Spiele, der Kampf wird auf allen Fronten geführt. Dazu gehört auch, Denunzianten zu belohnen.
SMCQ 01.07.2016
2. Doping unter Staatskontrolle..
..ist streng zu verurteilen. Dieses hat damals die DDR getan und auch heute Russland, somit ist eine Bestrafung des Staates angebracht - wie diese auch immer aussehen mag. Im Gegensatz hierzu stehen natürlich Interessen von Balko und anderen aus Spanien, hier können nur die Firmen, Institute und Personen verklagt werden - was auch immer wieder so geschehen ist. Folglich ist bzw. besteht hier auch eine Aussage unzutreffend: "..alle sind gegen Russland und die anderen dürfen machen was sie wollen". Die Lügen auf höchster Ebene sind es die es noch schlimmer machen, da sind die Lügen der Doper noch verständlich. Hajo sieht die Angelegenheit vielleicht etwas zu persönlich, jedoch ist ihm zu danken und auch Hochachtung vor dem Mut. In Gleichberechtigung für alle Sportler ist Doping uneingeschränkt notwendig. Ich würde es auch begrüssen, wenn bei den Spielen nicht der Nationale Gedanke in den Vordergrund gestellt wird, sondern mehr die Person oder das Team, dann würde vielleicht auch das staatliche Doping weniger Sinn machen.
ptb29 01.07.2016
3. Doper haben bei Wettkämpfen nichts zu suchen
auch wenn sie das Dopingsystem in Russland verpetzt haben. Da könnte ja jeder, der beim Dopen erwischt wird, andere verpetzen, ob wahr oder nicht wahr. Die Begründung, Verdienste um einen sauberen Sport, ist absolut lächerlich und ein Schlag ins Gesicht der Nichtdoper.
brehn 01.07.2016
4. naja
Soso, nun reicht es also als russischer Sportler nicht mehr, wenn man (als wahrscheinlich eine/r der wenigen) nachweislich sauberen Sport betreibt...nein man muss sich um den sauberen Sport verdient machen indem man zum Denunzianten wird? Den Ausschluss von nachweislich im russischen Dopingsystem involvierter Sportler befürworte ich sehr, doch sollten saubere Sportler darunter nicht leiden müssen. Wir können ja mal deutsche Sportler nach ihrem Wissen über die Praktiken von namentlich genannten Kollegen befragen...wie die wohl reagieren.....
schwarzeliste 01.07.2016
5. Asyl für Stepanowa
Ich plädiere dafür, dass wir den russischen Whistleblowern hier in Deutschland Asyl gewähren
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