Dopingsperre für US-Olympiasieger Lochte Ein verhängnisvolles Foto

US-Schwimmstar Ryan Lochte postete ein Foto auf Instagram - und wurde wegen Verletzung der Antidopingregeln bestraft. 14 Monate muss der Olympiasieger pausieren - nicht die erste lange Sperre des "Party Boys".

Ryan Lochte (l.), Frau Kayla Rae Reid
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Ryan Lochte (l.), Frau Kayla Rae Reid

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Nicht auf allen Aktivitäten des sechsfachen Olympiasiegers Ryan Lochte scheint ein Segen zu liegen, vor allem für die Welt außerhalb des Schwimmbeckens gilt das. Als der US-Amerikaner bei der TV-Show "Dancing with the Stars" auftrat, stürmten zwei Männer in weißen T-Shirts die Bühne, um gegen den Olympiasieger zu protestierten. Bei einem Breakdance-Versuch in seiner Wohnung zog er sich Jahre vorher einen Meniskusriss zu.

Und ein unbedachtes Instagram-Foto kostet ihn nun mehr als ein Jahr seiner Karriere.

Zu sehen in dem Post war Lochte selbst, gemeinsam mit seiner Frau, dem früheren Playboymodel Kayla Rae Reid. Beide lagen auf bequemen Ledersesseln und lächelten in die Kamera. Und beide hatten Kanülen im Arm, aus einem Tropf floss eine gelbe Flüssigkeit in ihre Körper. Ein Leistungssportler bekommt ein unbekanntes Mittel intravenös verabreicht? Da wurde die US-Anti-Doping-Agentur Usada natürlich hellhörig.

"Eine Regel ist eine Regel"

Das Ergebnis der Untersuchung der Usada ist ein Fiasko für Lochte. Der US-Schwimmstar wurde am Montag wegen einer "technischen Regelverletzung" für 14 Monate gesperrt. Zwar hatte Lochte keine verbotenen Mittel verabreicht bekommen, sondern nur Vitamine - laut Lochte waren seine Frau und sein Sohn krank, er wollte sich mit der Injektion selbst schützen.

Lochtes Problem: Die Usada verbietet, sich innerhalb von zwölf Stunden mehr als 100 Milliliter intravenös verabreichen zu lassen - es sei denn, man wird in ein Krankenhaus eingeliefert und muss dringend behandelt werden oder hat eine sogenannte Therapeutic Use Exemption, was aber bei Lochte nicht der Fall war.

Lochte ist nun bis Juli 2019 gesperrt. Er verpasst die nationalen Meisterschaften, die in dieser Woche in Kalifornien beginnen, die Pan-Pacific-Meisterschaften sowie die Weltmeisterschaften im kommenden Jahr in Südkorea. "Das ist verheerend", sagt Lochte, der sein Vergehen einsieht: "Eine Regel ist eine Regel."

Härteste Strafe seit zehn Jahren

Bestrafungen wegen einer verbotenen intravenösen Verabreichung sind selten. Bislang waren erst zwei Athleten von der Usada auf dieser Grundlage suspendiert worden, einer bekam eine sechsmonatige Sperre, der andere ebenfalls eine 14-monatige. Der Lochte-Fall erinnert an die Sperre des Fußballspielers Samir Nasri, der im Februar wegen einer nicht genehmigten Infusion von der Uefa für sechs Monate gesperrt worden war.

In Deutschland hatte es vor knapp zwei Jahren einen ähnlichen Fall gegeben: Damals hatte der Eintracht-Frankfurt-Profi Änis Ben-Hatira via Snapchat ein Foto voller Kanülen und mit einem verdächtigen Medikament gepostet. Der Bundesligaklub bestritt rasch jegliche Dopinggerüchte - und die Nationale Antidopingagentur bestätigte dann auch nach einer Untersuchung, dass Ben-Hatira keine verbotenen Mittel genommen hatte.

Lochte kam nicht so schonend davon. Laut der Usada-Datenbank hat kein anderer US-Schwimmer in den vergangenen zehn Jahren eine härtere Strafe bekommen - inklusive positiv getesteter Athleten! Ein kleiner Trost: Immerhin konnte Lochte aushandeln, dass seine Sperre rückwirkend mit dem Tag des Postings beginnt, also vom 24. Mai an. "Ich hoffe, andere Athleten werden aus meinem Fehler lernen", sagte Lochte.

Lochte verärgerte Brasilianer mit erfundener Überfall-Geschichte

Für Lochte ist es die zweite lange Sperre innerhalb von nur zwei Jahren. Am Rande der Sommerspiele 2016 in Rio hatte Lochte, der ein Image als "Party Boy" pflegt, für Aufsehen gesorgt. Zunächst hatte er behauptet, auf dem Heimweg mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt worden zu sein. Doch diese Geschichte fiel rasch in sich zusammen.

Es stellte sich heraus, dass er und drei weitere Schwimmkollegen betrunken an einer Tankstelle randaliert hatten. Es gab einen Aufschrei, die örtlichen Gerichte ermittelten, Lochte musste sich bei den Brasilianern entschuldigen. Seine Medaillenprämie in Höhe von 100.000 Dollar wurde ihm verwehrt, er wurde für zehn Monate gesperrt. Zahlreiche Sponsoren sprangen ab.

Lochte hatte sich gerade erst von dieser Geschichte erholt, hatte zuletzt bei den U.S. Open das 200-Meter-Lagen-Rennen gewonnen. Nun dieser erneute Rückschlag, den Lochte aber nicht als Dopingsünde sehen will: "Ich habe niemals verbotene Substanzen genommen, ich habe niemals versucht, einen Vorteil zu bekommen, indem ich irgendetwas Illegales in meinen Körper getan habe."

Lochte will nun die Olympischen Spiele 2020 ins Visier nehmen, bei den Sommerspielen 2004, 2008, 2012 und 2016 hatte er Goldmedaillen gewonnen, zudem vier Weltrekorde aufgestellt. Doch ob sein Traum von einem siebten Olympiasieg wahr werden kann? In Tokio wird er immerhin schon 36 Jahre alt sein.

Lochte ist optimistisch: "Ich habe Ziele, die ich 2020 erfüllen will. Diese Geschichte wird mein Feuer nur noch mehr anfachen."

Mit Material von Reuters und AP



insgesamt 21 Beiträge
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ginorossi 24.07.2018
1. Vollhorst
Frau und Soh sind "krank" - so sehr, dass die Gattin in offensichtlichem Wohlbefinden neben ihm im Wohnzimmer sitzt. Und da lässt der sich Vitamine (!) intravenös (!) zuführen? Hat er denn Mangelzustände? Da ist doch das Risiko, sich mit der Nadel eine Infektion zu holen, weitaus größer als der mutmaßliche Nichtnutzen der Aktion!
diebewerterin 24.07.2018
2.
Wer zu viel Schwachsinn postet wird bestraft. Richtig so. Freut mich. Verschwendetes Talent.
toll_er 24.07.2018
3. zu kurz
Für soviel Dummheit , selbst intravenös Vitamine zuführen, dann das Ganze auch noch bei instagramm posten.... dafür ist die Sperre noch zu kurz.
fotos 24.07.2018
4. Lochte keine verbotenen Mittel verabreicht bekommen,
sondern nur Vitamine und wird dafür gesperrt? Was für einSchwachsinn ist das denn?
beggagsell 24.07.2018
5. Froome ist gerade
vor Lachen ins Koma gefallen. Angesichts der Tatsache, wie glimpflich er davongekommen ist.
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