Ryder-Cup-Debütant Kaymer: Locker vor dem Lochen

Aus Newport berichtet Thomas Lötz

Während das US-Team einem Kampfpiloten lauscht, messen sich die Europäer beim Quiz oder Tischtennis: So bereiten sich die weltbesten Golfer auf den Ryder Cup vor. Darunter ist auch der Deutsche Martin Kaymer, der seinen rasanten Aufstieg in die Weltspitze fortsetzen will.

Martin Kaymer: Aufstieg in die Weltspitze Fotos
AP

Seinen ersten Sieg hat Martin Kaymer in dieser Woche in Wales bereits verpasst. Beim Quizspiel nach dem Abendessen im Teamroom der Europäer hatte der deutsche Golfspieler an der Seite seines spanischen Vizekapitäns Sergio Garcia das Finale erreicht. Doch dann konnte die Kombination, die sich den Namen "Galacticos" gegeben hatte, die letzte Frage nicht beantworten. Die letzte Frage? "Ich kann mich nicht mehr daran erinnern", sagte Kaymer, "deswegen haben wir wahrscheinlich verloren."

Fragen wirft das auf. Zum Beispiel die, was Golfprofis eigentlich alles so treiben in Vorbereitung auf den Ryder Cup, der von Freitag bis Sonntag Millionen Fans auf der ganzen Welt in seinen Bann ziehen wird. Ein abendliches Quiz, lernt man, gehört zur Ablenkung von den regendurchnässten Trainingsrunden auf dem Platz des Celtic Manor Resorts in Newport, Wales. Außerdem berichten die Akteure von Videogames und Tischtennisturnieren, schließlich von Ansprachen zur Motivation der Truppe.

Bei den Amerikanern war deswegen Major Dan Rooney zu Gast. Der Vortrag des ausgebildeten F16-Kampfpiloten und Golfers sollte den noch etwas uninspiriert wirkenden Titelverteidigern aus den USA den nötigen Patriotismus einhauchen, sie in Kampfbereitschaft versetzen. Die favorisierten Europäer bevorzugten die nichtmilitärische Variante: Bevor Prinz Charles zum Stelldichein vorbeischaute, sprach ein walisischer Rugby-Volksheld zu den Spielern, dann wurde im Teamroom der Anruf des früheren Golf-Superstars Severiano Ballesteros auf Lautsprecher geschaltet. Die Reden der Sportler, insbesondere die des vom Krebs stark gezeichneten Spaniers Ballesteros, hinterließen Eindruck beim Ryder-Cup-Debütanten Kaymer. "Das sind nicht nur Athleten, das sind Legenden", sagte Kaymer und schwärmte begeistert von der Leidenschaft dieser Menschen für ihren Sport.

Dank Kaymer schaffte es Golf in die "Tagesschau"

Eine Legende ist Martin Kaymer noch nicht, aber er hat in den letzten Monaten und Wochen Großes geleistet. Der 25-Jährige hat Turniere gewonnen, darunter eines der vier wichtigsten in seinem Sport. Er ist die Nummer eins der europäischen Rangliste, die Nummer sechs in der Welt. Dank seiner Siege schaffte es die Randsportart Golf erstmals seit Bernhard Langer wieder in die "Tagesschau", jetzt debütiert Kaymer im Ryder Cup, dem bedeutendsten und traditionsreichsten Teamwettstreit seines Sports, bei dem sich im Zweijahresrhythmus die besten Golfer Europas und der USA gegenüberstehen.

"Ich spiele nicht nur für meinen Kontinent", sagt Kaymer vor Beginn des Ryder Cups in Wales, "ich spiele auch für mein Land: Deutschland." Und dann bekräftigte er wieder einmal, dass er mit seinen Leistungen den Sport in seinem Heimatland voranbringen wolle und er beantwortet sogar Fragen nach seiner Geburtsstadt Mettmann. Das wirkt "down to earth", man kann es auch authentisch nennen. Aber Kaymers Ziele gehen natürlich längst über die deutsche Nation samt ihrer übersichtlichen Golfgemeinde hinaus.

Er hat sich das Dabeisein hart erarbeitet

In den anstehenden drei Wettkampftagen des Ryder Cups in Newport kann Kaymer seinen rasanten Aufstieg weiter beschleunigen. So, wie er das in den vergangenen vier Jahren schon geschafft hat, von der drittklassigen EPD-Tour hin zum vorerst wichtigsten Zwischenstopp, dem ersten Majorsieg im August dieses Jahres bei der US PGA Championship. Ein Erfolg, der den in Düsseldorf und Scottsdale (Arizona) lebenden Kaymer in eine andere Spielklasse beförderte.

Vor dem ersten Einsatz in Wales vermittelt Kaymer ausgesprochenes Selbstbewusstsein. Kaymer ist entspannt, locker. Es ist ihm "eine große Ehre" hier dabei sein zu können, sagt er. Was eine sympathische Verbeugung vor der Tradition des Ryder Cups und dessen Bedeutung ist. Tatsächlich aber hat sich Kaymer dieses Dabeisein hart erarbeitet.

Er weiß, dass er in den kommenden Tagen den nächsten Schritt nach vorne tun kann, und er geht diese Aufgabe gezielt an. "Ich erwarte, dass ich gut spielen werde in dieser Woche, Matches gewinnen werde", sagt der Debütant, und er spricht dies mit einer unmissverständlichen Klarheit aus, wie er zu Beginn dieses Jahres gesagt hatte, er wolle in den kommenden zwölf Monaten ein Majorturnier gewinnen. Kaymer ist kein Ankündigungsweltmeister.

Bisher wird der Aufstieg des Deutschen von den im Golf maßgeblichen Medieninstanzen aus Großbritannien und den USA wohlwollend betrachtet, zum kommenden Superstar haben sie ihn noch nicht erhoben. Setzt Kaymer beim Ryder Cup indes um, was er sich vorgenommen hat und sollte er entsprechend zu einem der entscheidenden Spieler im europäischen Team gegen die USA werden, dann wird sich auch der Blick auf den Deutschen noch einmal verändern. Dann ist er wieder einen Schritt näher an jene Kategorie von Sportlegenden herangerückt, die er jetzt noch so sehr bewundert. Eines Tages kann er selbst zu ihnen zählen.

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Ryder-Cup-Teams: 24 Golfer von zwei Kontinenten

Ryder Cup
Geschichte
Namensgeber des Ryder Cups und Stifter des Pokals war der Engländer Samuel Ryder. Erstmals fand der Wettbewerb 1927 im amerikanischen Worcester statt, damals spielten die USA und Großbritannien gegeneinander. Seitdem wechselt der Austragungsort immer zwischen den Kontinenten. In den ersten Jahrzehnten allerdings dominierten die USA den Cup. Um die Chancengleichheit zu fördern, durften ab 1973 auch Golfer aus Irland, seit 1979 aus ganz Europa teilnehmen. Beim Ryder Cup gibt es kein Preisgeld zu gewinnen, es geht ausschließlich um den Sieg und die Ehre.
Spieler
Jedes Team tritt mit zwölf Spielern an, die von einem Kapitän geführt werden. In den USA werden acht Plätze automatisch über die Weltrangliste vergeben, dazu kommen vier weitere Wild-Cards, sogenannte "Captain's picks". Das Team Europa setzt sich aus den jeweils fünf besten Spielern der europäischen Geldrangliste und der Weltrangliste zusammen. Nur noch zwei Plätze kann der neue Ryder-Cup-Kapitän José Maria Olazábal per Wildcard vergeben.
Modus
Der Cup wird im sogenannten Matchplay-Verfahren gespielt - also Mann gegen Mann. Bei je vier Fourball- und vier Foursomes-Matches am Freitag sowie Samstag treten jeweils zwei Spieler pro Team gegeneinander an - insgesamt werden also 16 Partien absolviert. Im Fourball spielt jeder Akteur seinen Ball bis ins Loch. Dabei wird das niedrigste Schlagergebnis aller vier Beteiligten als Lochgewinn für das erfolgreiche Team gewertet, die Mannschaft erhält einen Punkt. Erzielen zwei Spieler unterschiedlicher Teams dasselbe Ergebnis, wird das Loch als Remis gewertet, jede Mannschaft erhält einen halben Punkt. Das gilt genauso für die Foursomes, bei denen die Team-Spieler abwechselnd je einen Ball bis ins Loch schlagen.

Am Sonntag werden abschließend zwölf Einzel gespielt, jeder Lochgewinn im Spiel Mann gegen Mann gibt einen Punkt für den jeweiligen Golfer. Liegt der Spieler zum Beispiel nach dem 16. Grün mit drei mehr gewonnenen Löchern vorn, ist das Match vorzeitig beendet - seine Mannschaft erhält einen Punkt.

Dem Titelverteidiger (in diesem Fall Europa) reicht bei insgesamt 28 Punkten, die an drei Tagen (16 bei den Vierern, zwölf bei den Einzeln) vergeben werden, schon ein Remis zum Sieg. Der Herausforderer muss mindestens ein 14,5:13,5 erreichen.
Bisherige Ergebnisse
2010 Europa - USA 14,5:13,5
2008 USA - Europa 16,5:11,5
2006 Europa - USA 18,5:9,5
2004 Europa - USA 18,5:9,5
2002 Europa - USA 15,5:12,5
1999 USA - Europa 14,5:13,5
1997 Europa - USA 14,5:13,5
1995 Europa - USA 14,5:13,5
1993 USA - Europa 15:13
1991 USA - Europa 14,5:13,5
1989 Europa - USA 14:14
1987 Europa - USA 15:13
1985 Europa - USA 16,5:11,5
1983 USA - Europa 14,5:13,5
1981 USA - Europa 18,5:9,5
1979 USA - Europa 17:11
1977 USA - Großbritannien/Irland 12,5:7,5
1975 USA - Großbritannien/Irland 21:11
1973 USA - Großbritannien/Irland 19:13
1971 USA - Großbritannien 18,5:13,5
1969 USA - Großbritannien 16:16
1967 USA - Großbritannien 23,5:8,5
1965 USA - Großbritannien 19,5:12,5
1963 USA - Großbritannien 23:9
1961 USA - Großbritannien 14,5:9,5
1959 USA - Großbritannien 8,5:3,5
1957 Großbritannien - USA 7,5:4,5
1955 USA - Großbritannien 8:4
1953 USA - Großbritannien 6,5:5,5
1951 USA - Großbritannien 9,5:2,5
1949 USA - Großbritannien 7:5
1947 USA - Großbritannien 11:1
1937 USA - Großbritannien 8:4
1935 USA - Großbritannien 9:3
1933 Großbritannien - USA 6,5:5,5
1931 USA - Großbritannien 9:3
1929 Großbritannien - USA 7:5
1927 USA - Großbritannien 9,5:2,5

2001 wurde der Cup wegen der Terroranschläge vom 11. September um ein Jahr verschoben. Seitdem findet er in den geraden Jahren statt.
Kleines Golf-Lexikon
Par: Für jedes einzelne Loch und jeden Golfkurs ist ein Par definiert. Dieser Wert steht für die Anzahl der Schläge, die der Spieler brauchen sollte, um das Loch, respektive den Kurs zu bewältigen. Hierbei handelt es sich natürlich um Werte für Spitzenspieler. Spielt man also auf einem Kurs, der als Par 72 ausgewiesen ist, eine 70er-Runde, spielt man zwei unter Par.

Hole-in-one: Bezeichnung für das Kunststück, den Ball direkt vom Abschlag ins Loch zu befördern.

Eagle: Zwei Schläge unter Par bei einem Loch

Birdie: Ein Schlag unter Par

Bogey: Ein Schlag über Par

Double Bogey: Zwei Schläge über Par

Triple Bogey: Drei Schläge über Par

Grün: Das Grün ist die kurzgeschnittene Rasenfläche am Ende einer jeden Bahn. Auf dieser befindet sich das Loch.

Fairway: Die Spielbahn zwischen Abschlag und Grün.

Handicap: Gibt die Spielstärke eines Golfers wieder. Je niedriger das Handicap, desto besser der Spieler. Die Zahl gibt die Differenz an, die der Golfer auf dem Platz über Par spielt.