Ryder Cup: Kaymer führt Europa nach dramatischer Aufholjagd zum Sieg

Was für ein dramatisches Finale beim Ryder Cup: Alles deutete auf einen klaren Erfolg der USA hin, doch die Europäer holten einen Punkt nach dem anderen auf und schafften das Wunder von Medinah. Den entscheidenden Ball lochte Deutschlands Golfstar Martin Kaymer ein.

Erfolg beim Ryder Cup: Kaymer krönt sensationelle Aufholjagd Fotos
AP

Hamburg - Dank eines nervenstarken Martin Kaymer hat Europa den 39. Ryder Cup in Medinah (Illinois) gewonnen. Der deutsche Golfstar holte mit einem 1 auf-Sieg gegen Steve Stricker den entscheidenden 14. Punkt für die Mannschaft von Kapitän José María Olazábal, die nach einer Aufholjagd den kaum noch für möglich gehaltenen Triumph perfekt machte. Für den Titelverteidiger war es der 13. Erfolg beim prestigeträchtigen Kontinentalkampf.

Den USA hätten 14,5 Zähler zum Sieg genügt. Mit starken Leistungen an den ersten beiden Tagen und einem 10:6-Vorsprung vor den abschließenden zwölf Einzeln schien ein Erfolg der Gastgeber vor dem Schlusstag eigentlich nur noch Formsache.

Als Kaymer mit seinem letzten Putt aus knapp zwei Metern den Schlusspunkt setzte, brandete ohrenbetäubender Jubel unter den rund 5.000 mitgereisten Fans aus Europa auf. Die Spieler mit den weißen Kappen fielen sich jubelnd in die Arme, auch ihre Frauen kamen hinzu, und Kapitän José Mariá Olazábal schrie seinen Jubel heraus.

Kaymers Wasserschlag machte es spannend

Der frühere Weltranglistenerste Kaymer, der im vorletzten Flight auf den Kurs gegangen war, hatte mit Stricker allerdings große Mühe. Bei seinem erst zweiten Auftritt an diesem Wochenende - nach seiner enttäuschenden Leistung am Freitag war er nicht mehr nominiert worden - hielten ihn vor allem die Fehler des noch sieglosen Stricker lange im Spiel. Zwischenzeitlich führte Kaymer bereits mit einem Lochgewinn, leistete sich danach aber einen Wasserschlag und schenkte den Vorsprung leichtfertig wieder her. In einem an Spannung kaum zu überbietendem Ende hatte der Deutsche dann die besseren Nerven.

Ehe Kaymer die Jubelstürme auslöste, hatten sieben seiner elf Teamkollegen ihre phasenweise überforderten Kontrahenten geschlagen. Unter den Augen von Basketball-Legende Michael Jordan und dem früheren Tennis-Star Andre Agassi holte Luke Donald den ersten Punkt.

Vor den Toren Chicagos zeigte der Engländer im Medinah Country Club starkes Golf. Im Gegensatz zu den Vortagen ließ Donald gegen Masters-Sieger Bubba Watson guten Abschlägen noch bessere Putts folgen. Der Lohn war ein 2 und 1.

Den zweiten Punkt holte der Schotte Paul Lawrie. Der 43-Jährige ließ dem frisch gebackenen Tour-Championship-Sieger Brandt Snedeker beim 5 und 3 keine Chance. Dieser Erfolg schien seine Mannschaftskollegen zu motivieren. Denn nur kurz darauf holte der nordirische Weltranglistenerste Rory McIlroy einen weiteren Zähler - und das, obwohl er verschlafen und das Warm-up auf der Driving Range verpasst hatte.

Gegen Keegan Bradley, der an diesem Wochenende noch kein Match verloren hatte, siegte der 23-Jährige mit 2 und 1. Die weiteren Punkte steuerten Ian Poulter (2 auf gegen Webb Simpson), Justin Rose (1 auf gegen Phil Mickelson), Lee Westwood (3 und 2 gegen Matt Kuchar) sowie Sergio Garcia (1 auf gegen Jim Furyk) bei.

jar/sid

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles zum Thema Ryder Cup
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Ryder Cup: Duelle für die Ewigkeit

Ryder Cup
Geschichte
Namensgeber des Ryder Cups und Stifter des Pokals war der Engländer Samuel Ryder. Erstmals fand der Wettbewerb 1927 im amerikanischen Worcester statt, damals spielten die USA und Großbritannien gegeneinander. Seitdem wechselt der Austragungsort immer zwischen den Kontinenten. In den ersten Jahrzehnten allerdings dominierten die USA den Cup. Um die Chancengleichheit zu fördern, durften ab 1973 auch Golfer aus Irland, seit 1979 aus ganz Europa teilnehmen. Beim Ryder Cup gibt es kein Preisgeld zu gewinnen, es geht ausschließlich um den Sieg und die Ehre.
Spieler
Jedes Team tritt mit zwölf Spielern an, die von einem Kapitän geführt werden. In den USA werden acht Plätze automatisch über die Weltrangliste vergeben, dazu kommen vier weitere Wild-Cards, sogenannte "Captain's picks". Das Team Europa setzt sich aus den jeweils fünf besten Spielern der europäischen Geldrangliste und der Weltrangliste zusammen. Nur noch zwei Plätze kann der neue Ryder-Cup-Kapitän José Maria Olazábal per Wildcard vergeben.
Modus
Der Cup wird im sogenannten Matchplay-Verfahren gespielt - also Mann gegen Mann. Bei je vier Fourball- und vier Foursomes-Matches am Freitag sowie Samstag treten jeweils zwei Spieler pro Team gegeneinander an - insgesamt werden also 16 Partien absolviert. Im Fourball spielt jeder Akteur seinen Ball bis ins Loch. Dabei wird das niedrigste Schlagergebnis aller vier Beteiligten als Lochgewinn für das erfolgreiche Team gewertet, die Mannschaft erhält einen Punkt. Erzielen zwei Spieler unterschiedlicher Teams dasselbe Ergebnis, wird das Loch als Remis gewertet, jede Mannschaft erhält einen halben Punkt. Das gilt genauso für die Foursomes, bei denen die Team-Spieler abwechselnd je einen Ball bis ins Loch schlagen.

Am Sonntag werden abschließend zwölf Einzel gespielt, jeder Lochgewinn im Spiel Mann gegen Mann gibt einen Punkt für den jeweiligen Golfer. Liegt der Spieler zum Beispiel nach dem 16. Grün mit drei mehr gewonnenen Löchern vorn, ist das Match vorzeitig beendet - seine Mannschaft erhält einen Punkt.

Dem Titelverteidiger (in diesem Fall Europa) reicht bei insgesamt 28 Punkten, die an drei Tagen (16 bei den Vierern, zwölf bei den Einzeln) vergeben werden, schon ein Remis zum Sieg. Der Herausforderer muss mindestens ein 14,5:13,5 erreichen.
Bisherige Ergebnisse
2010 Europa - USA 14,5:13,5
2008 USA - Europa 16,5:11,5
2006 Europa - USA 18,5:9,5
2004 Europa - USA 18,5:9,5
2002 Europa - USA 15,5:12,5
1999 USA - Europa 14,5:13,5
1997 Europa - USA 14,5:13,5
1995 Europa - USA 14,5:13,5
1993 USA - Europa 15:13
1991 USA - Europa 14,5:13,5
1989 Europa - USA 14:14
1987 Europa - USA 15:13
1985 Europa - USA 16,5:11,5
1983 USA - Europa 14,5:13,5
1981 USA - Europa 18,5:9,5
1979 USA - Europa 17:11
1977 USA - Großbritannien/Irland 12,5:7,5
1975 USA - Großbritannien/Irland 21:11
1973 USA - Großbritannien/Irland 19:13
1971 USA - Großbritannien 18,5:13,5
1969 USA - Großbritannien 16:16
1967 USA - Großbritannien 23,5:8,5
1965 USA - Großbritannien 19,5:12,5
1963 USA - Großbritannien 23:9
1961 USA - Großbritannien 14,5:9,5
1959 USA - Großbritannien 8,5:3,5
1957 Großbritannien - USA 7,5:4,5
1955 USA - Großbritannien 8:4
1953 USA - Großbritannien 6,5:5,5
1951 USA - Großbritannien 9,5:2,5
1949 USA - Großbritannien 7:5
1947 USA - Großbritannien 11:1
1937 USA - Großbritannien 8:4
1935 USA - Großbritannien 9:3
1933 Großbritannien - USA 6,5:5,5
1931 USA - Großbritannien 9:3
1929 Großbritannien - USA 7:5
1927 USA - Großbritannien 9,5:2,5

2001 wurde der Cup wegen der Terroranschläge vom 11. September um ein Jahr verschoben. Seitdem findet er in den geraden Jahren statt.
Kleines Golf-Lexikon
Par: Für jedes einzelne Loch und jeden Golfkurs ist ein Par definiert. Dieser Wert steht für die Anzahl der Schläge, die der Spieler brauchen sollte, um das Loch, respektive den Kurs zu bewältigen. Hierbei handelt es sich natürlich um Werte für Spitzenspieler. Spielt man also auf einem Kurs, der als Par 72 ausgewiesen ist, eine 70er-Runde, spielt man zwei unter Par.

Hole-in-one: Bezeichnung für das Kunststück, den Ball direkt vom Abschlag ins Loch zu befördern.

Eagle: Zwei Schläge unter Par bei einem Loch

Birdie: Ein Schlag unter Par

Bogey: Ein Schlag über Par

Double Bogey: Zwei Schläge über Par

Triple Bogey: Drei Schläge über Par

Grün: Das Grün ist die kurzgeschnittene Rasenfläche am Ende einer jeden Bahn. Auf dieser befindet sich das Loch.

Fairway: Die Spielbahn zwischen Abschlag und Grün.

Handicap: Gibt die Spielstärke eines Golfers wieder. Je niedriger das Handicap, desto besser der Spieler. Die Zahl gibt die Differenz an, die der Golfer auf dem Platz über Par spielt.