Hamburg - Ein Unwetter über Wales hat den Zeitplan zum Auftakt des 38. Ryder Cups in Newport durcheinander gewirbelt. Keine einzige der acht geplanten Partien des ersten Tages konnte am Freitag beendet werden. Bis zur vorzeitigen Unterbrechung wegen Dunkelheit lag Titelverteidiger USA gegen Europa auf dem "2010 Kurs" im Celtic Manor Resort von Newport in der Zwischenwertung 2,5:1,5 in Führung. Offiziell gewertet wird allerdings erst nach Abschluss der kompletten Runde.
Exakt zwei Stunden nach dem ersten Abschlag des deutschen Golf-Stars Martin Kaymer mit seinem englischen Partner Lee Westwood hatte Oberschiedsrichter John Parmour die vier Foursomes-Partien für mehr als sieben Stunden gestoppt. Am Samstag sollen die restlichen zwölf Foursome und Fourball gespielt werden, am Sonntag zwölf Einzel (siehe Kasten links). Wegen des schlechten Wetters droht jedoch eine Verlängerung bis Montag - erstmals in der 83-jährigen Geschichte des Ryder Cups.
"Das Publikum ist unser 13. Mann, das hat sich schon am ersten Abschlag gezeigt. Die sollen so laut bleiben, damit wir unseren Lauf weiter ausbauen können. Ich erwarte mindestens ein 2,5:1,5", hatte Europas Kapitän Colin Montgomerie nach dem Zwischenstand gesagt. Bis zur Unterbrechung hatte sein Team auf dem tief aufgeweichten Gelände dank der "Euro, Euro"-Rufe der 45.000 Zuschauer die USA beeindruckt.
"Lee hat uns am Leben gehalten"
Dabei hatten unter anderem Kaymer und Partner Westwood das Duo Phil Mickelson/Dustin Johnson nach fünf Löchern mit zwei auf (zwei Lochgewinne mehr) im Griff. Allerdings hatte Kaymer bei seiner Ryder Cup-Premiere nach seinem ersten gewonnen Punkt gleich auf dem ersten Grün bei zwei Abschlägen ins Wasser Nerven gezeigt.
"Lee hat uns am Leben gehalten und war klar der dominierende Spieler. Ich hoffe, dass ich meine Form von meinem ersten Major-Sieg so schnell wie möglich wiederfinde. Ich hätte so gerne gleich weitergespielt. Das ist unser Europa-Wetter", sagte US-PGA-Championsieger Kaymer in der unfreiwilligen Pause im Clubhaus.
Der 25-Jährige beschäftigte sich auch zwischendurch mit Golf - auf einer Spielekonsole mit "Tiger Woods 2011". "Das macht zwar auch Spaß, aber wir wollen raus, das ist europäisches Wetter", sagte Kaymer ungeduldig. Schließlich will er den Amerikanern den 2008 in Louisville/Kentucky eroberten Pokal wieder abnehmen. "Wir wollen den Cup zurück. Das ist es, warum wir hier sind", sagte Kaymer. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.
Die Spielbahnen glichen riesigen Seenplatten
Denn als die Teams um 17 Uhr Ortszeit wieder auf den Platz kamen, wendete sich das Blatt. Schlag um Schlag holten die Amerikaner auf. Nur Kaymer und Westwood hielten bis zum zwölften Loch ihren Vorteil. Dagegen drehte die Paare Tiger Woods/Steve Stricker und Stewart Cink/Matt Kuchar mächtig auf. Erst mit dem zweiten Birdie von Ian Poulter rettete der Engländer mit seinem Landsmann Ross Fisher am zehnten Loch das Remis.
Cink dominierte mit insgesamt fünf Birdies die Partie gegen die Nordiren Rory McIlroy und Graeme McDowell und brachte die USA am elften Grün in Führung. Auch Luke Donald und Padraig Harrington ließen sich von dem US-Rookie-Doppel Bubba Watson/Jeff Overton am achten Loch überholen.
Die ganze Nacht bis zum Freitagnachmittag hatte es fast ununterbrochen geregnet. Die Spielbahnen am River Usk glichen riesigen Seenplatten. Die Bälle konnten nicht mehr den Regeln entsprechend gespielt werden. Die Helfer kamen gegen die Wassermassen selbst mit schwerstem Gerät wie Pumpen nicht an. Das Personal versuchte im Morast, mit Besen die Fairways und Bunker trocken zu legen.
Seit der Premiere 1927 ist der Prestigekampf der Kontinente immer nach drei Tagen am Sonntag beendet worden. Sollte der Wettbewerb am Montag abgebrochen werden müssen, würde das Ergebnis zum Zeitpunkt des Abbruchs gewertet. 28 Duelle, davon zwölf Einzel, sind vorgesehen.
wit/dpa/sid
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