USA gewinnen Ryder Cup Party, Putts und Pöbeleien

Es ist der erste Triumph seit 2008: Die USA haben den Ryder Cup gewonnen und Europa entthront. Besonders ein Spieler konnte glänzen. Für Ärger sorgten jedoch die US-Fans.

Team USA
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Team USA

Aus Chaska berichtet


Es war ein beeindruckendes Bild am Sonntagnachmittag im Hazeltine National Golf Club. Die Spieler und Teammitglieder der US-Mannschaft schritten nach ihrem 17:11-Erfolg beim 41. Ryder Cup gegen Titelverteidiger Europa freudestrahlend über die provisorische Brücke, die vom 18. Grün in rund fünf Meter Höhe hinüber zu den Kabinen führte - und einem Catwalk gleichkam. Im Hintergrund hing eine riesige US-Fahne am Klubhaus, unter ihr jubelten Tausende Fans jedem zu, der winkte und Bier oder Sekt auf sie spritzte.

Einen besangen die euphorisierten Masse sogar mit Namen: Patrick Reed. Der 26-Jährige war das Zugpferd für Mannschaft und Massen. Keiner agierte bei den Gastgebern so konstant hochklassig und verstand zugleich das Zusammenspiel mit den lautstarken Landsleuten besser als der temperamentvolle Texaner.

Reed und die Menge - das war eine sensationelle Symbiose. "Wenn du einen schlechten Schlag machst, bauen die Zuschauer dich wieder auf, wenn dir ein guter Schlag gelingt, geben sie dir Momentum", sagte Reed mit heiserer Stimme. Die vergangenen drei Tage, sagte er, seien "mit Abstand meine Besten auf dem Golfplatz" gewesen. "Einfach unglaublich."

Patrick Reed
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Patrick Reed

"Kampf der Titanen"

US-Teamkapitän Davis Love III hatte ihn im Vorfeld als "unseren aufgedrehtesten Kerl" bezeichnet. Reed verkörpert Energie, Emotionen und Entertainment. Viermal trat er an den ersten beiden Tagen zusammen mit Jordan Spieth an, vor allem dank Reed gewann das Duo 2,5 Punkte. Und so war es verständlich, dass Love III diesen Reed am Sonntag als Frontmann in die zwölf Einzel schickte. Europas Teamkapitän Darren Clarke stellte sein Ass ebenfalls an den Anfang - Rory McIlroy. Der Nordire hatte zuvor aus vier Matches drei Zähler geholt. Das BBC-Radio sprach vom "Kampf der Titanen."

In jedem anderen Turnier wäre es wohl ein ungleiches Duell gewesen. McIlroy ist ein Superstar, hat vier Majors gewonnen. Reeds beste Platzierung bei einem der vier bedeutendsten Turniere des Jahres war im Juli Rang zwölf bei den British Open. Doch der Ryder Cup wird im Lochspiel-Modus ausgetragen, die Akteure gewinnen oder verlieren pro Bahn nur einen Schlag. Zudem geht es im Einzelsport Golf mal nicht ums Ich, sondern das Wir. "Sobald ich Rot, Weiß und Blau trage und Matchplay gespielt wird, passt es einfach für mich", sagt Reed.

Sein Duell mit McIlroy wurde zum erwarteten Spektakel. Einer legte vor, der andere zog nach. Vor allem zwischen dem fünften und achten Loch spielten beide Golf der Extraklasse, nickten sich mehrere Male anerkennent zu. "Die Leute wollen sehen, wenn Spieler ihr bestens Golf zeigen, nicht, wenn sie straucheln - es war fantastisch", sagte Reed. Er hatte letztlich einen Schlag weniger und gewann. "Patrick hat das gesamte Turnier unglaublich gespielt, es gab nicht wirklich viel, was ich hätte machen können", sagte McIlroy. Er habe sein Bestes gegeben, so der ehemalige Weltranglistenerste. Aber sein Bestes war gegen diesen Reed nicht gut genug.

Erster US-Sieg seit 2008

"Ich wollte gegen Rory ran, weil ich wusste, dass er unglaublich spielt", sagte Reed. Er liebe nun mal die Herausforderung, gegen die besten Profis des Gegners anzutreten. Sein Sieg hatte die erhoffte Wirkung auf Fans und Mitspieler. Ebenso mitreißend war das Match zwischen Phil Mickelson und Sergio García Fernández. Der alternde US-Star spielte zehn Birdies, somit die beste Runde seiner Ryder-Cup-Karriere - musste sich aber dennoch mit dem erfahrenen Spanier den Punkt teilen.

Teamkapitän Davis Love III (l.), Vize Jim Furyk
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Teamkapitän Davis Love III (l.), Vize Jim Furyk

Ein ganz starkes Debüt gab Thomas Pieters - einer von sechs Neulingen. Der Belgier gewann vier seiner fünf Matches. Auch Henrik Stenson, Justin Rose und Rafael Cabrera Bello überzeugten. An der Spitze war Europa ebenbürtig, in der Breite jedoch nicht. Von den unteren sechs Duellen gewannen die USA fünf - der zuvor enttäuschende Martin Kaymer holte den einzigen Punkt. Doch als er am 18. Grün seinen letzten Ball spielte, hatten die Amerikaner längst gewonnen. Während die Europäer ohne die Trophäe heimflogen, feierten die Gastgeber ausgelassen ihren ersten Sieg seit 2008.

Diese 41. Auflage des Ryder Cups wird jedoch nicht nur wegen des spektakulären Sports in Erinnerung bleiben, sie steht auch für verbale Fehltritte einiger Fans. Vor allem McIlroy musste sich teilweise üble Beschimpfungen anhören. Als er am Samstag einen Pöbler konfrontierte, wurde dieser der Anlage verwiesen. Um derartige Vorfälle am Schlusstag zu verhindern, hatte die PGA "null Toleranz" gegenüber Störern angekündigt.

Auf der abschließenden Pressekonferenz hoben Europas Spieler hervor, dass es sich "um einige wenige Idioten" handele. McIlroy ergänzte, dass die Leute "ruhig Spaß haben sollten" und konnte sich sogar in ihre Lage versetzen. Mit einem Lächeln sagte er, dass einige bereits morgens beim ersten Abschlag um 7:35 Uhr Bier getrunken hätten. "Wir spielen bis 17 Uhr. Ich weiß, dass ich dann auch fertig wäre. Und ich weiß nicht, was ich dann alles sagen würde."

US-Golffans
AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
gloriavictoria 03.10.2016
1. US-Fans
Ich finde es irgendwie klasse, wie selbstbewusst und von allem drumherum unbeeindruckt die Amis Stimmung für sich machen und sich selbst feiern. Der durchschnittliche Amerikaner pocht lieber auf "Speak Englisch or die" und macht sich über sportliche Gegner lustig (Los Angeles 1984) als sich irgendwo unterzuordenen! In Deutschland würde der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie in solchen Fällen sofort Alarm schlagen und einen schweren Schaden für die deutsche Exportwirtchaft wittern!
benutzername_optional 03.10.2016
2. Naja
Zitat von gloriavictoriaIch finde es irgendwie klasse, wie selbstbewusst und von allem drumherum unbeeindruckt die Amis Stimmung für sich machen und sich selbst feiern. Der durchschnittliche Amerikaner pocht lieber auf "Speak Englisch or die" und macht sich über sportliche Gegner lustig (Los Angeles 1984) als sich irgendwo unterzuordenen! In Deutschland würde der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie in solchen Fällen sofort Alarm schlagen und einen schweren Schaden für die deutsche Exportwirtchaft wittern!
Was die Amis da abgehalten haben war schon grob unsportlich, hat mich sehr oft an die Brasilianer während Olympia erinnert.
qewr 03.10.2016
3.
Matchplay statt Medalplay ist die Lösung für Golf an olympischen Spielen!
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