Lisicki und Bartoli im Vergleich Auf den Aufschlag kommt es an

Die BBC hat Sabine Lisicki bereits zum "Liebling des Centre Court" ausgerufen. Ihr Spiel macht sie zur Favoritin. Doch was erwartet die Deutsche heute im Finale? Ein Vergleich der Stärken und Schwächen von Lisicki und ihrer Gegnerin Marion Bartoli.

Sabine Lisicki: Starker Aufschlag, ausbaufähige Returns
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Sabine Lisicki: Starker Aufschlag, ausbaufähige Returns

Von Philipp Joubert, London


Marion Bartoli und Sabine Lisicki zählten vor Wimbledon nicht zu den großen Favoritinnen. Aber beide haben während der vergangenen zwei Wochen gezeigt, warum sie zu den effektivsten Rasenspielerinnen der Welt gehören. Lisicki weiß, was sie im Finale erwartet: "Marion spielt aggressives Tennis", sagte sie nach ihrem Halbfinalsieg. Was kann Bartoli besonders gut, wie kann Lisicki sie schlagen?

Aufschlag

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Nicht nur besitzt Sabine Lisicki einen der schnellsten je gemessenen Aufschläge im Damentennis, vor allem weiß sie ihn effektiv einzusetzen. Das unerreichbare Ass durch die Mitte oder der Slice-Aufschlag um den Court für einen einfachen Gewinnschlag zu öffnen: Lisicki hat die Aufschläge einer guten Rasenspielerin.

Übers Jahr gesehen liegt sie in den meisten Aufschlagsstatistiken weit vorne und auch in Wimbledon hat sie die meisten Asse geschlagen. Vor allem kann sich Lisicki mit ihrer soliden Technik drauf verlassen, dass der erste Aufschlag in den wichtigen Momenten kommt, zum Beispiel bei Breakball gegen sich. Für das Turnier sehen Bartolis Statistiken ähnlich gut aus. Aber die Französin hat ein großes Problem: die Anzahl der Doppelfehler. Nur im Halbfinale gegen Kirsten Flipkens schlug sie mehr Asse als Doppelfehler.

Returnspiel

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Was Bartoli bei ihrem Aufschlag fehlt, macht sie mit ihrem Returnspiel wieder gut. Niemand auf der Tour returniert so aggressiv wie sie. Beim zweiten Aufschlag ihrer Gegnerin steht sie regelmäßig einen halben Meter im Feld, nimmt den Ball sehr früh und übt so großen Druck auf die Gegnerin aus. Bartoli hat bisher beeindruckende 57 Prozent ihrer Breakchancen genutzt.

Lisickis Return ist konventioneller. Zwar schlägt auch sie Winner und wird vor allem den zweiten Aufschlag von Bartoli attackieren, aber das wichtigste ist, den Ball tief ins Feld zu spielen, um Bartoli die Möglichkeit zum direkten Angriff zu verwehren.

Grundschläge

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Marion Bartolis Spielstil wird vielen deutschen Tennisfans bekannt vorkommen. Wie ihr Vorbild Monica Seles benutzt die Französin sowohl für die Rückhand als auch die Vorhand beide Hände. Ihre Trainingsmethoden sind unkonventionell, ihre Schläge aggressiv und flach, oft benutzt sie Winkel, um die Gegnerin weiter unter Druck zu setzen.

Lisicki kann sich vor allem auf ihre Vorhand verlassen, mit der sie aus dem Nichts den Punkt beenden kann. Sie ist eine der wenigen Spielerinnen, die Kraft und Finesse vereinen. Ihre Stoppbälle sind gefürchtet. Im letzten Aufeinandertreffen von Lisicki und Bartoli in Wimbledon 2011 nutzte die Deutsche den Stopp ein ums andere Mal, um Bartoli den Rhythmus zu nehmen.

Beinarbeit

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Beide Spielerinnen haben das für den Rasen so wichtige Antizipationsvermögen und bewegen sich aggressiv in den Ball. Während Lisicki sich mittlerweile sehr effektiv auf dem Court bewegt, hat Bartoli eine Schwäche, die Lisicki ausnutzen wird: Die Französin benutzt beide Hände für ihre Grundschläge, so fehlt ihr die Reichweite, wenn sie mit gutem Winkelspiel in Bedrängnis gebracht wird.

Mentales

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Hier hat Lisicki große Fortschritte gemacht, nicht nur was die Nerven angeht. Während ihres Viertelfinales lobte Martina Navratilova die Berlinerin immer wieder für ihren kühlen Kopf und den gut durchdachten Spielplan in kritischen Situationen. Lisicki hat neben großen Siegen in der Vergangenheit auch schmerzvolle Niederlagen erlebt, oft aus aussichtsreicher Position. Das sollte ihr diesmal nicht passieren. Aber die große Unbekannte ist, wie sie mit dem Druck ihres ersten großen Finales umgeht.

Bartoli weiß, dass dieses Match ihre vermutlich einzige Chance auf einen Grand-Slam-Sieg ist. Sie wird das Match kaum durch eigene Fehler hergeben.

Wer gewinnt?

Die gute Nachricht für Sabine Lisicki: Das Match liegt in ihrer Hand. Der Aufschlag der Deutschen ist der herausragende Schlag des Turniers. Sollte sie hier keine Schwächen zeigen, gewinnt sie. Was Lisicki sich nicht leisten kann, sind Aussetzer wie gegen Radwanska oder Williams, als sie mehrere Spiele am Stück hergab. Bartoli hat die Erfahrung, Konstanz und vor allem die Furchtlosigkeit, um eine solche Gelegenheit zu nutzen.

insgesamt 16 Beiträge
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Robin_of_Locksley 06.07.2013
1. Auf die Nerven kommt es an
Ich habe das Spiel gegen Radwanska anders gesehen als die meisten Kommentatoren. Sabine hat nicht gut gespielt. Sie hat vielleicht das beste Repertoire aller Spielerinnen auf der Tour. Was ihr fehlt, ist die Konstanz. Im 2. Satz und Anfang des 3.Satzes hat sie sehr schlecht gespielt. Es steht mir nicht zu das zu kritisieren, weil ich gar nicht nachfuehlen kann, wie es nervlich zu verarbeiten ist, wenn man auf dem Center Court in Wimbledon spielt. Der Aufschlag ist ne Wucht, ebenso die Vorhand und der ab und zu eingestreute Dropshot. In den benannten Spielabschnitten, fehlte ihr völlig die Fähigkeit, blitzschnell die richtige Entscheidung zu treffen. Sie wirkte überhastet, hoch adrenalisiert. Radwanska war dagegen abgeklärt und unglaublich konstant. Das machte auch das Spiel letztlich so eng. Sabine riskierte viel, verlor viel, aber sie gewann schliesslich, weil sie in der entscheidenden Phase des Spiels ihre Nerven wiederfand. Ich habe ein wenig ihren Entwicklung verfolgt, und ich bin heute genauso wie vor ihrer Verletzung der Meinung, dass sie jede Spielerin schlagen kann, nicht nur auf Rasen. Ich kenne keine Spielerin, die sie fürchten muss. Es wird heute nicht einfach. Ich hoffe, dass sie bei diesem aeußeren Druck und der immensen Erwartungshaltung, ihre Nerven behält. Sie kann fast alles, spielt aber oft den falschen Ball. Ich schätze sie sehr, denn sie ist nicht nur eine Weltklassespielerin, sondern auch intelligent, bescheiden und sympathisch. Viel Erfolg, Sabine!
quarkspitz 06.07.2013
2. Das Spiel muss nicht übertragen werden
Der Grund sind die überzogenen Forderungen von Sky. Ich finde es absolut richtig, dass die ARD der Gier der Herren von Sky nicht folgt und damit das Endspiel nicht überträgt. Es gibt Grenzen und so wichtig ist das Endspiel auch nicht. Ich betrachte die gigantischen Forderungen für Sportübertragungen sowieso mit Skepsis. Müssen demnächst Milliarden für Fußball bezahlt werden?
Peter-Lublewski 06.07.2013
3. Bumbum
Na, ist Euch die Bezeichnung "BumBumBine" doch zu albern geworden?
tim2013 06.07.2013
4. sieg
im Prinzip müsste lissicki klar gewinnen,denn bartolis Spiel is zumeist passiv und in der Regel unscheinbar.allerdings ist es gerade dieses unscheinbare was sie heute so gefährlich macht.es bleibt ebenso abzuwarten wie such der Druck der offentlichkeit auf lisicki auswirkt...trotzdem müsste lisicki gewinnen
Ostwestfale 06.07.2013
5.
Zitat von Peter-LublewskiNa, ist Euch die Bezeichnung "BumBumBine" doch zu albern geworden?
Warum, diese Bezeichnung liegt doch sehr Nahe angesichts des Mega-Aufschlags von Lisicki. übrigens ist der Spitzname schon zwei Jahre alt, denn sie kam ja alles andere als aus dem Nichts, sondern war in Wimbledon auch in der Vergangenheit sehr stark. Hoffentlich hat sie einen guten Start.Wenn sie gut ins Match reinkommt, könnte das ein Selbstläufer werden. Und gegen Bartoli muss sie nicht so extrem viel riskieren wie gegen Radwanska, denn die Französin macht deutlicb mehr Fehler als Radwanska. Dafür spielt sie allerdings auch aggressiver und wird Lisicki ihrerseits unter Druck setzen
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