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12. Juli 2012, 16:17 Uhr

Olympische Spiele

Saudi-Arabien lässt zwei Sportlerinnen nach London

Nach langem hin und her hat Saudi-Arabien eingelenkt. Der streng-islamische Staat lässt in London erstmals zwei Frauen bei Olympischen Sommerspielen starten.  Was das IOC als Schritt zur Gleichberechtigung feiert, ist im Golf-Königreich selbst umstritten.

Hamburg - Bei den Olympischen Sommerspielen in London werden alle teilnehmenden Nationen Sportlerinnen an den Start schicken. Als letztes Land willigte am Donnerstag Saudi-Arabien ein, zwei Athletinnen antreten zu lassen. Die 800-Meter-Läuferin Sarah Attar und die Judoka Wojdan Ali Seraj Abdulrahim Shahrkhani werden das Königreich bei den Spielen repräsentieren.

Saudi-Arabien hatte sich lange dagegen gesträubt, Frauen die Starterlaubnis zu erteilen. Nach kontroversen Diskussionen mit dem Internationalen Olympischen Komitee gab Riad nun grünes Licht. "Das ist eine sehr positive Nachricht. Wir sind hocherfreut, dass wir diese beiden Sportlerinnen in einigen Wochen in London begrüßen können", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge.

Das Entgegenkommen ist jedoch allenfalls ein halbherziger Richtungswechsel der saudi-arabischen Verantwortlichen, die Frauen in ihrem Land selbst das Autofahren verbieten. Die beiden Sportlerinnen sind nämlich in den USA geboren und aufgewachsen. Die Leichtathletin Attar kommt aus Kalifornien und studiert derzeit Kunst an der Pepperdine University. Dort gehört die 17-Jährige zum Leichtathletikteam, ihre 800-Meter-Bestzeit liegt bei 2:40 Minuten, knappe 50 Sekunden über dem Weltrekord.

Um ihren Olympiatraum in den saudi-arabischen Farben verwirklichen zu können, wird sich Attar an neue Sportkleidung gewöhnen müssen. Für ihre Universität tritt sie in den USA in ärmellosen Hemden und kurzen Hosen an. In London wird sie lange Ärmel und Hosen sowie ein Kopftuch tragen müssen, um die Auflagen der sittenstrengen Saudi-Araber zu erfüllen.

Eine Sportlerin aus Katar darf die Fahne tragen

Im Königreich selbst ist die Entscheidung umstritten. Im Onlineauftritt der Zeitung "al-Riyadh" machen viele Leser ihrem Unmut Luft: "Das sind nicht länger Töchter unseres Landes," zürnt einer. Ein anderer verweist auf die Sitten und Bräuche des Landes und warnt die Sportlerinnen vor "Nacktheit und dem Bösen", das sie in London erwarte. Doch es gibt auch positive Stimmen: "Ich wünsche euch Erfolg und so Gott will, macht ihr eurem Land Ehre," schreibt ein Leser.

Neben Saudi-Arabien schicken auch Katar und Brunei erstmals Sportlerinnen zu den Olympischen Spielen. Eine Schwimmerin, eine Leichtathletin und eine Schützin werden den Golfstaat in London vertreten, der sich zwar bereits zweimal erfolglos um die Olympiaausrichtung beworben, aber noch nie Frauen zu den Spielen zugelassen hatte. Die Schützin Bahiya al-Hamad darf bei der Eröffnungsfeier gar die Flagge des Emirats tragen.

Der ost-asiatische Zwergstaat Brunei wird die 400-Meter-Hürdenläuferin Maziah Mahusin als erste Olympionikin in der Geschichte des Landes nach London schicken. Damit hat das IOC ein selbstgestecktes Ziel erreicht: Alle Teams werden auch mit Frauen bei den Spielen vertreten sein. 1996 in Atlanta waren noch 26 Länder mit reinen Männer-Mannschaften angetreten.

syd

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