Riad - Saudi-Arabien will erstmals Frauensportvereine zulassen. Dies berichtet die saudische Zeitung "al-Watan". Sie gilt als reformorientiert und gehört einem der Prinzen. Frauensport ist seit Jahren ein kontroverses Thema in dem islamischen Königreich.
Bisher ist Frauensport in Saudi-Arabien nicht zugelassen. 2009 hatte einer der wichtigsten Scheichs, Abdullah al-Manea, Mitglied des offiziellen obersten Rats der islamischen Gelehrten des Landes, davor gewarnt, Frauen Sport machen zu lassen. "Fußball und Basketball sind Sportarten, bei denen man sich viel bewegen und springen muss." Solch exzessive Bewegungen könnten dazu führen, dass bei Mädchen das Jungfernhäutchen reiße.
Zwar gibt es Fitnessclubs für Frauen. Anders als die Gyms für Männer unterstehen sie nicht der Aufsicht des Sportministeriums, sondern des Gesundheitsministeriums und werden ausdrücklich als "Gesundheitszentren" bezeichnet.
Erbitterter Streit in Saudi-Arabien über die Sportlerinnen
Vergangenes Jahr nahmen auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees erstmals Sportlerinnen für Saudi-Arabien an den Olympischen Spielen teil, eine Läuferin und eine Judo-Kämpferin. Viele Saudis begrüßten den Schritt. Konservative dagegen beschimpften die Athletinnen auf Twitter als Prostitutierte.
Beide Sportlerinnen mussten als Vertreterinnen des islamischen Königreichs sich den saudischen Bekleidungsvorstellungen anpassen und starteten langärmlig und mit Kopftuch. Im Vorfeld gab es hitzige Debatten darum - ihr Vater drohte mit einem Boykott. Im Einklang mit saudischen Sitten mussten beide auch einen männlichen Schutzbefohlenen, ihren Vater oder Bruder, nach London mitbringen.
Im Judo startete die damals 16-jährige Wojdan Shahrkhani aus Mekka. Sie hatte wohl zu Hause trainieren können, da ihr Vater Judo-Sportler und Judo-Schiedsrichter ist. Shahrkhani war als Blaugurt deutlich weniger erfahren als ihre Schwarzgurt-Konkurrentinnen und schied bei ihrem ersten Kampf aus. Die Olympischen Spiele waren der erste Wettkampf, an dem Shahrkhani teilgenommen hatte.
Im 800-Meter-Lauf ging die saudischstämmige Sarah Attar an den Start. Sie wurde in den USA geboren und hat dort ihr ganzes Leben verbracht. Obwohl Attar als Letzte eine halbe Minute nach der Siegerin ihrer Qualifikationsrunde einlief, applaudierten Hunderte der Läuferin.
König Abdallah hatte zuletzt gegen den Widerstand der konservativen Klerikalen den saudischen Frauen ein Zugeständnis gemacht. Er nominierte im Januar 30 Frauen in den Schura-Rat, der der Regierung beratend zur Seite steht. Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie.
ras/Reuters
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