Dritte Partie der Schach-WM Carlsen verliert den Faden, Anand stellt den Läufer falsch

Das Duell war spannend, auch wenn es erneut ein Remis gab zwischen Magnus Carlsen und Viswanathan Anand. Der Norweger kam schon früh aus dem Konzept - nur nutzte der Inder seine Chancen nicht. Der internationale Meister Jonathan Carlstedt analysiert die dritte Partie der Schach-WM.

Titelverteidiger Anand (l.), Carlsen: Der Weltmeister hatte die Kontrolle
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Titelverteidiger Anand (l.), Carlsen: Der Weltmeister hatte die Kontrolle


Endlich wird Schach gespielt! Nach den schnellen Remis in Partie eins und Partie zwei duellierten sich Viswanathan Anand und Magnus Carlsen in der dritten Partie über 52 Züge. Die Weltmeisterschaft zwischen dem indischen Titelverteidiger und dem norwegischen Herausforderer nimmt langsam Fahrt auf.

1.Sf3 d5 2.g3 g6
Bis zu dieser Stellung wiederholten die beiden Kontrahenten die erste Partie vom Samstag.

Stellungen beim dritten Zug
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Stellungen beim dritten Zug

3.c4
Der Norweger weicht nun von der Spielweise aus der ersten Partie ab.

3...dxc4
Anand lässt sich nicht lange bitten und schlägt den weißen Bauern. Anscheinend war dies nicht der Zug, den Carlsen erwartet hatte, denn nun dachte er für diese frühe Partiephase ungewöhnlich lange nach.

4.Da4+
Angriff auf den König und den schwarzen Bauern.

4...Sc6 5.Lg2 Lg7 6.Sc3 e5 7.Dxc4
Für die sogenannte Eröffnung, also den ersten Teil einer Schachpartie, gibt es drei Grundregeln:
1. Das Zentrum (die Felder in der Mitte des Schachbrettes) besetzen.
2. Die Leichtfiguren (Springer und Läufer) entwickeln.
3. Den König sichern.
Fast alle Züge, die bisher gespielt worden sind, folgen diesen drei Prinzipien.

7...Sge7 8.0-0 0-0 9.d3 h6
Der erste Zug, der den eben beschriebenen Prinzipien wirklich widerspricht. Anand zieht seinen h-Bauern einen Schritt nach vorne, damit das Feld g5, das jetzt von dem Bauern kontrolliert wird, weder von dem Springer auf f3, noch von dem Läufer auf c1 erreicht werden kann.

10.Ld2 Sd4
Statt den Springer in die Mitte zu ziehen, wäre Läufer nach e6 besser gewesen. Damit hätte Anand die letzte Leichtfigur ins Spiel gebracht.

11.Sxd4 exd4 12.Se4 c6 13.Lb4
Dc1 wäre angebracht gewesen. Also der Rückzug der Dame auf die unterste Reihe.

Stellungen beim 13. Zug
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Stellungen beim 13. Zug

13...Le6 14.Dc1 Ld5 15.a4
In dieser Stellung hat Carlsen den Faden verloren, a4 trägt nichts zur Verbesserung der Stellung bei.

15...b6 16.Lxe7 Dxe7 17.a5 Tab8 18.Te1 Tfc8
Im Mittelspiel, der zweiten Partiephase, sollten nicht nur die Leichtfiguren, sondern auch die Schwerfiguren aktiviert werden. Schwerfiguren sind die Türme und die Dame, neben dem König die wertvollsten Figuren.

19.axb6 axb6 20.Df4
Auch Weiß aktiviert die Dame, mit dem Ziel, sie über das Feld d6 gegen die schwarze Dame zu tauschen.

20...Td8
Das weiß auch Anand und überdeckt das Feld d6.

Stellungen beim 21. Zug
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Stellungen beim 21. Zug

21.h4 Kh7 22.Sd2 Le5 23.Dg4
Psychologisch ein interessanter Moment. Anand hätte hier die Möglichkeit gehabt, die Partie so zu beenden, wie es auch in den ersten beiden Partien geschehen ist: mit einer dreifachen Stellungswiederholung.

Es gibt einige ungewöhnliche Regeln im Schach, die es in anderen Sportarten nicht gibt. So kann man dem Gegner zum Beispiel während der Partie ein Unentschieden anbieten. Im Fußball undenkbar.

Eine andere Regel ist die dreifache Stellungswiederholung. Erscheint drei Mal die gleiche Stellung auf dem Brett mit dem gleichen Spieler am Zug, können die Spieler auf ein Unentschieden reklamieren. Dem muss der Schiedsrichter stattgeben.

23...h5
Anand aber will weiterspielen.

24.Dh3 Le6 25.Dh1
Die Dame steht nun auf h1 in der Ecke, ohne jegliche Wirkungskraft.

25...c5 26.Se4 Kg7 27.Sg5 b5
Die schwarzen Bauern sollen so weit wie möglich nach vorne laufen, um sich früher oder später, bei Erreichen der untersten Reihe, in eine Dame zu verwandeln.

28.e3 dxe3 29.Txe3 Ld4 30.Te2 c4 31.Sxe6+ fxe6 32.Le4 cxd3 Schwarz gewinnt einen Bauern.

33.Td2 Db4 34.Tad1 Lxb2
Auch der zweite Bauer geht an Anand, allerdings steht da auch noch auf d3 ein schwarzer Bauer. Diesen wird Carlsen sicherlich bekommen, sodass er "nur" mit einem Bauern weniger spielen muss.

Stellungen beim 35. Zug
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Stellungen beim 35. Zug

35.Df3
Hier haben wir eine der Situationen, die Anand genauer spielen muss, um am Ende der zwölf Partien Weltmeister zu bleiben. Anstatt seinen Läufer etwas passiv nach f6 zu stellen, hätte er ihn zentral auf dem Feld d4 positionieren sollen.

35...Lf6 36.Txd3 Txd3 37.Txd3 Td8
Nach dem Turmtausch verflacht die Partie zum Unentschieden. Stattdessen wäre wieder die Zentralisierung des Läufers nach d4 angebracht gewesen.

38.Txd8 Lxd8 39.Ld3
Schwarz hat zwar immer noch einen Bauern mehr, allerdings gibt er diesen gleich zurück. Außerdem gelten Endspiele, die dritte und letzte Phase einer Schachpartie, in denen die Läufer auf unterschiedlichen Felderfarben unterwegs sind, als sehr "remisverdächtig". Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Endspiel unentschieden ausgeht, ist also sehr hoch.

39...Dd4 40.Lxb5 Df6 41.Db7+ Le7 42.Kg2 g5 43.hxg5 Dxg5 44.Lc4 h4 45.Dc7 hxg3 46.Dxg3 e5 47.Kf3 Dxg3+ 48.fxg3 Lc5 49.Ke4 Ld4 50.Kf5 Lf2 51.Kxe5 Lxg3+
...und die Punkte wurden geteilt. Jeder Spieler hat neben seinem König nur noch einen Läufer zur Verfügung. Eine Situation, die man praktisch nicht mehr verlieren kann.

"Ich bin einfach froh, dass ich überlebt habe", sagte der Herausforderer Magnus Carlsen nach der Partie. Klar ist, man muss auch kritische Situationen überstehen, um Weltmeister zu werden. Das gilt bisher aber nur für Carlsen. Anand hatte bisher immer die Kontrolle über jede Partie und kann morgen mit den weißen Steinen weiter Druck machen.

insgesamt 60 Beiträge
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Seite 1
chuckal 12.11.2013
1. völlig überschätzt
Zitat von sysopDPAErneut gab es zwischen Viswanathan Anand und Magnus Carlsen ein Remis, doch das Duell war spannend. Carlsen kam schon früh aus dem Konzept, Anand nutzte seine Chancen aber nicht. Der internationale Meister Jonathan Carlstedt analysiert die dritte Partie der Schach-WM. http://www.spiegel.de/sport/sonst/schach-analyse-der-dritten-wm-partie-zwischen-carlsen-und-anand-a-933206.html
dass anand nix kann, außer öde remis-stellungen zu produzieren, hat er mit Läufer f6 gezeigt....Mann Mann Mann. Und Carlsen??? Naja, kann eben auch nicht so viel....zug 31 bis 47 sind doch an Belanglosigkeit nicht zu überbieten....
WhereIsMyMoney 12.11.2013
2.
Ich bin nicht der große Kenner, aber ich habe den Eindruck als wäre Carslen so eine Art Supercomputer und Anand eher ein Überlebenskünstler, also die menschlichere Variante. Meine Symphatien gelten Anand und in den ersten 3 Spielen war er der bessere Spieler denke ich.
WhereIsMyMoney 12.11.2013
3.
Zitat von chuckaldass anand nix kann, außer öde remis-stellungen zu produzieren, hat er mit Läufer f6 gezeigt....Mann Mann Mann. Und Carlsen??? Naja, kann eben auch nicht so viel....zug 31 bis 47 sind doch an Belanglosigkeit nicht zu überbieten....
Hahaha, vielleicht sollten Sie mal gegen die beiden antreten. Dass es sehr defensiv zugeht, ist nun mal die Natur des Spiels. Aber Anand hat etwas gefunden, denke ich. Spätestens in Spiel 5 wird es einen Sieger geben.
c218605 12.11.2013
4. Lasst das bitte Helmut machen!
Zitat von sysopDPAErneut gab es zwischen Viswanathan Anand und Magnus Carlsen ein Remis, doch das Duell war spannend. Carlsen kam schon früh aus dem Konzept, Anand nutzte seine Chancen aber nicht. Der internationale Meister Jonathan Carlstedt analysiert die dritte Partie der Schach-WM. http://www.spiegel.de/sport/sonst/schach-analyse-der-dritten-wm-partie-zwischen-carlsen-und-anand-a-933206.html
Helmut Pfleger kam ohne diese Standardphrasen eines Fussdballreporters aus, ging es doch um Strategie und Varianten und nicht um das Erstellen von Psychogrammen!
blogvormkopf 12.11.2013
5. Bitte etwas mehr Niveau
Zitat von sysopDPAErneut gab es zwischen Viswanathan Anand und Magnus Carlsen ein Remis, doch das Duell war spannend. Carlsen kam schon früh aus dem Konzept, Anand nutzte seine Chancen aber nicht. Der internationale Meister Jonathan Carlstedt analysiert die dritte Partie der Schach-WM. http://www.spiegel.de/sport/sonst/schach-analyse-der-dritten-wm-partie-zwischen-carlsen-und-anand-a-933206.html
Ich finde es ja gut, das Spon diesen Wettkampf so ausführlich und aktuell begleitet. Aber bitte: Etwas mehr Niveau in der Analyse. Ich denke, man muss das nicht auf dem Niveau von Anfängern machen, ein paar Vorkenntnisse kann man schon voraussetzen. Die Grundregeln muss man da nun wirklich nicht erklären.
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