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Schach-Drama: Klo-Affäre gefährdet WM-Fortsetzung

Bauern und Könige waren in den vergangenen Tagen bei der Schach-WM zwischen Wladimir Kramnik und Weselin Topalow kein Thema mehr. Stattdessen hagelte es Proteste und Klo-Diskussionen. Immerhin die brisante Toilettenfrage haben die Kontrahenten nun geklärt - dafür musste sogar Wladimir Putin zurückstehen.

Elista - Kramnik darf weiterhin seinen eigenen Ruheraum nebst Toilette benutzen, wie es ihm im Vertrag zugesichert worden war. Allerdings werden diese nun vor jeder Begegnung einer besonders gründlichen Inspektion unterzogen. Nach der vierten Partie hatte sein Gegner Topalow protestiert, Kramnik würde zwischen den Zügen zu oft auf die Toilette gehen und Manipulationsvorwürfe geäußert. Der Weltverband setzte dann fest, dass beide Spieler die selbe Toilette benutzen müssen. Kramnik trat daraufhin aus Protest nicht zur fünften Partie am Freitag an. Wegen des Eklats wurde auch gestern und heute nicht gespielt.

Weltmeister Kramnik: Vertraglich zugesicherte Einzelnutzung
AP

Weltmeister Kramnik: Vertraglich zugesicherte Einzelnutzung

Immer noch offen ist allerdings die Wertung der fünften Partie, die zunächst für Topalow gewertet wurde, nachdem Kramnik nicht angetreten war. Wenn der Weltverband nicht anders entscheidet, steht es 3:2 für Kramnik. Das will das Lager des Russen nicht akzeptieren. Sein Manager Carsten Hensel unterstrich mit einem offenen Brief die Meinung seines Schützlings. Der Protest des Bulgaren wäre zu spät eingereicht worden, zudem dürfe der WM-Vertrag nicht nachträglich verhandelt werden.

Nach Angaben der Agentur "Chess Base" schlagen sich viele Großmeister auf die Seite Kramniks. Sie halten den Protest Topalows für ein Störmanöver, vor allem seinem Manager Silvio Danailow wird die Rolle des "Schwarzen Peters" zugeschoben. Dieser hatte mit dem Abbruch der WM gedroht, falls die fünfte Partie nicht für seinen Schützling gewertet würde.

Mittendrin im Gerangel steckt Kirsan Iljumschinow, Präsident des Weltschachbundes FIDE. Der wollte eigentlich mit dem Duell der beiden Weltmeister die seit 13 Jahren zerstrittene Schach-Welt vereinigen. Nun muss er all seine Kraft darauf verwenden, die beiden Kontrahenten überhaupt zum Weitermachen zu überreden. Dafür unterbrach er am Wochenende für eine der zahlreichen Verhandlungen sogar ein Gespräch mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin.

bri/dpa

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