Prognose zum Schach-Kandidatenturnier Offener Meisterkampf

Das Schach-Kandidatenturnier in Berlin hat keinen klaren Favoriten. Die besten Chancen haben die Spieler aus Armenien und Aserbaidschan. Aber auch ein Altmeister könnte noch einmal mitmischen.

Russlands Wladimir Kramnik
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Russlands Wladimir Kramnik

Von André Schulz


Der Ausgang des Schach-Kandidatenturniers in Berlin ist offener denn je. Jeder der acht Spieler ist in der Lage, das am Samstag beginnende Event zu gewinnen. Die bessere Vorbereitung, Tagesform, Nervenstärke, Ausdauer und auch Glück können entscheidende Faktoren sein. Mit Hilfe einer kleinen Spielerei kann man aber eine Vorhersage wagen.

Die acht Kandidaten haben bei früheren Turnieren schon gegeneinander gespielt, einige sogar schon sehr oft. Nimmt man jetzt die jeweils aktuellsten Partien (möglichst mit Turnierbedenkzeit) zweier Spieler mit vertauschten Farben kann man aus allen Begegnungen, die es in Berlin geben wird, ein virtuelles Turnier formen - ein vorab simuliertes Kandidatenturnier.

Der Ausgang würde demnach folgendermaßen aussehen: Armeniens Levon Aronian und der Aserbaidschaner Scharyiar Mamedyarov würden nach Auswertung der zuletzt gespielten Partien das Turnier punktgleich gewinnen. Als erste Zweitwertung wird beim Kandidatenturnier der direkte Vergleich genommen. Da Aronian hier vorne liegt, wäre er der nächste Herausforderer von Magnus Carlsen.

Was kann Kramnik noch leisten?

Ob dieses Szenario so eintreffen wird, ist ungewiss. Mamedyarow präsentierte sich im vergangenen Jahr in der besten Form. Der Aserbaidschaner ist derzeit hinter Carlsen die Nummer zwei in der Weltrangliste, Aronian ist Fünfter, nachdem er Ende des Jahres wieder etwas nachgelassen hatte.

Zwischen Mamedyarow und Aronian stehen Wladimir Kramnik und Wesley So. Kramnik ist der einzige Spieler im Feld, der den Weltmeistertitel schon einmal gewonnen hat. Er entthronte 2000 Garri Kasparow, verteidigte den Titel 2004 gegen Peter Leko und 2006 gegen Weselin Topalow, verlor ihn dann aber 2007 in einem Turnier an den Inder Viswanathan Anand. Mit seinen 42 Jahren ist Kramnik allerdings nun der älteste Spieler des Turniers. Kramniks Schachverständnis ist gigantisch. Bei ihm stellt sich aber die Frage, ob seine Energie reicht, sich gegen die jüngeren Spieler in einem solch langen Turnier zu behaupten.

Der Philippine Wesley So, der für die USA antritt, war in der Vergangenheit in entscheidenden Momenten nicht beständig genug, um den entscheidenden Sprung zu machen. Fabiano Caruana war schon vor zwei Jahren beim Kandidatenturnier in Moskau einer der Favoriten auf den Sieg, doch dann verlor er die entscheidende Partie gegen Sergei Karjakin.

Karjakin wird gerne unterschätzt. Am Ende war er es aber, der gegen Carlsen spielte - und erst im Stichkampf verlor. Er geht als Weltranglistendreizehnter in das Turnier. Einen Platz vor ihm liegt sein Landsmann Alexander Grischtschuk, der mit seinem aggressiven Spiel Leben in das Turnier bringen wird. Grischtschuk teilt sich allerdings seine Bedenkzeit oft schlecht ein.

Mit Ding Liren hat erstmals ein Chinese die Chance sich in Kandidatenkämpfen als Herausforderer zu qualifizieren. 2014 gelang dem chinesischen Team der Sieg bei der Schacholympiade. 2015 und 2017 gewannen die Chinesen die Mannschafts-Weltmeisterschaft. Ding Liren war jeweils einer der Leistungsträger.



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