+++ Schach-Kandidatenturnier live +++ Anand und Aronian spielen Remis

"Vishy" Anand feierte am ersten Tag des Kandidatenturniers zur Schach-WM als Einziger einen Sieg. An Tag zwei schaffte der Inder ein Remis gegen den starken Levon Aronjan. Hier im Ticker gibt es alle Höhepunkte.

Live-Analyse von Bernd Schroller


In gut zwei Stunden können Sie die heutigen Partien bei Spiegel Online nachspielen. Am Abend folgt dann noch die spannende Videoanalyse der Höhepunkte von Großmeister Daniel King. Ansonsten sehen wir uns morgen ab 13 Uhr wieder. Dann beginnt die dritte Runde des Kandidatenturniers. Bis dahin!
Ein böser Patzer von Hikaru Nakamura sorgte heute für den einzige Entscheidung des Tages. Sergey Karjakin, der von diesem Fehler profitierte schließt damit zu Viswanathan Anand auf. Beide führen das Klassement mit 1,5 Punkten an. Das hat nach zwei von 14 Runden natürlich nur eine bedingte Aussagekraft.
Die Ergebnisse der zweiten Runde im Überblick:

Peter Svidler – Veselin Topalov 0,5:0,5

Levon Aronian – Viswanathan Anand 0,5:0,5

Fabiano Caruana - Anish Giri 0,5:0,5

Sergey Karjakin – Hikaru Nakamura 1:0
Fabiano Caruana vs. Anish Giri: Caruana konnte die Spannung und damit seinen kleinen Vorteil in der Zeitnotphase nicht mehr aufrecht erhalten. Kurz nach dem Erreichen der Zeitkontrolle einigen sich beide Spieler im 42. Zug auf das Remis.
Sergey Karjakin vs Hikaru Nakamura: Ein paar Züge spielt Nakamura zwar noch, doch dann gibt der Amerikaner die Partie auf. Das ist damit die erste Niederlage eines Turnierfavoriten. Karjakin könnte mit diesem Sieg nun einer werden.
Nachdem Nakamura mit der Dame auf d3 geschlagen hatte, kann Karjakin nur ganz einfach Tc7 spielen. Er droht mit seiner Dame auf f7 mattzusetzen. Das kann Schwarz zwar unterbinden. Dann muss er aber seinen Läufer auf b7 aufgeben. Da steht eine böse Schlappe ins Haus. (Grafik: Chessbase)
Sergey Karjakin vs Hikaru Nakamura: Lange Zeit stand Nakamura zwar unter Druck, doch der Amerikaner hoffte auf eine für ihn günstige Abwicklung ins Endspiel und übersah - nachdem er gerade eine Reihe von Figuren getauscht hatte - den fast schon tödlichen weißen Angriff.
Stellung nach 30. … Tad8 31. Txa7 Sxf5 32. gxf5 d3 33. Ta1 g6. (Grafik: Chessbase)
30. Sf5 - Caruana hat aber ein ganz praktisches Problem. Er hat bis zur Zeitkontrolle im 40. Zug weniger als zwei Minuten auf der Uhr. Er bekommt aber für jeden gespielte Zug immer eine Gutschrift von 30 Sekunden. Doch hier sieht auch Großmeister Daniel King die Gründe, warum der Amerikaner das Material vereinfacht hat: "Caruana stand sehr, sehr gut - aber er hat zu wenig Zeit. Der Damentausch war eine praktische Entscheidung, er will die Partie vereinfachen. Ich glaube, Giri wird das Remis trotz der etwas schlechteren Stellung halten."
27. ... Tfe8 28. Db5 Dxb5 29. Txb5 d4 - Giri steht ein wenig gedrückt, alle seine Figuren müssen nach dem Damentausch Verteidigungsaufgaben übernehmen. Die weiße Stellung wirkt dynamisch. Noch sehen die Schachprogramme die Stellung im Ausgleich. Eine reine Verteidigungsstellung ist aber immer etwas unangenehm zu spielen.
Stellung im 27. Zug. Caruana hat mit 27. Txc5 seinen geopferten Bauern zunächst zurück erobert. (Grafik: Chessbase)
Fabiano Caruana vs. Anish Giri: Das ist eine sehr interessante Partie. Nachdem Weiß im 14. Zug die theoretischen Fade verlassen und eine Neuerung präsentiert hat, entwickelte sich eine spannende Partie mit einem vorgerückten Freibauern auf e6. Caruana opferte zudem einen Bauern, bekam dafür aber ganz gutes Angriffsspiel.
Nach den beiden Remis-Schlüssen warten nun in den verbleibenden zwei Spielen auf die Entscheidung.
Die Schlussstellung. Im 31. Zug einigten sich Levon Aronian und Viswanathan Anand auf das Remis. (Grafik: Chessbase)
Es folgten noch ein paar schnelle Züge, doch nach dem Damentausch bleibt ein Endspiel übrig, dass auch theoretisch nicht mehr zu gewinnen ist. Schwarz hat zwar einen Bauern mehr, doch der ist aufgrund der ungleichfarbigen Läufer nicht entscheidend.
28. ... Txc4 29. Tb8 Tc8 30 Db6 Txb8 31. Dxb8 Remis
Stellung nach 28. c4. (Grafik: Chessbase)
27. ... a6 28. c4
Anand muss sich nun entscheiden, ob er den Bauer zum Beispiel mit Dd7 deckt und die bedrohte Figur selbst vorzieht. Auf a6 könnte der Bauer im Anschluss vom eigenen weißfeldrigen Läufer gedeckt werden
Aronian verschafft seinem König das Luftloch auf h2. Nur so kann sein Turm auf b1 auch aktiv in das Geschehen eingreifen. Anand wird sich nun wohl um seinen bedrohten Bauern auf a7 kümmern. Ich halte die Punkteteilung um den 30. Zug weiter für das wahrscheinlichste Szenario.
26. ... Tc8 27. h3
Vor dem 30. Zug dürfen sich beide Spieler nicht auf die Punkteteilung einigen. Die Stellung gibt aber nicht sonderlich viel her. Aronian hat den Bauern auf a7 zunächst ausgeschlagen. Der Freibauer auf der a-Linie käme vermutlich nicht wirklich ins Rollen. Das wäre aber vermutlich die einzige Option, die Weiß hier noch hätte, um auf Gewinn spielen zu können.
23. ... Sxc4 24. Lxc4 Lxe3 25. Dx3 Txc4 26. Tb1
Stellung nach 23. Sxc4. (Diagramm: Chessbase)
22. Txd8 Dxd8 23. Sxc4
Auch unserer Experte Daniel King sieht die Stellung von Anand als ausgeglichen an. Der englische Großmeister: "Vishy hat eine schwierige Eröffnung überstanden. Ihm ist es aber gelungen, das wichtige Feld d1 zu kontrollieren und damit die offene d-Linie zu bekämpfen. Das Manöver La6-b5-a4 war schön."
21. ... Tfd8
Hängt nun der Bauer auf c4? Vermutlich nicht, denn nach 21. ... Tfd8 22. Sxc4 Sxc4 23. Txd8 Dxd8 24. Lxc4 kann Schwarz mit Lxe3 den Bauern sofort zurückerobern, weil der Läufer auf c4 hängt.
21. Td2
Ein Vergleich drängt sich bei Anand auch noch auf. Auch vor zwei Jahren kam er mit eher durchschnittlichen Ergebnissen zum Kandidatenturnier in Sibirien. Auch dieses Mal lief es vor dem Turnier nicht berauschend. Beim Turnier ins Gibraltar verlor der 46-Jährige gleich in zwei aufeinanderfolgender Runden gegen Gegner mit einer ELO von 2500. Das passiert der absoluten Weltspitze nur sehr selten. Anand beendete das Turnier nicht einmal unter den besten 30.
20. ... Dg5
20. Se5. Aronian ignoniert zunächst die Drohung gegen seinen eigenen Turm und greift seinerseits die schwarze Dame an. Zusätzlich schaut der Springer auch nach c4. Der schwarze Bauer ist nun zweifach bedroht, aber nur einfach gedeckt. (Grafik: Chessbase)
Aber auch ohne Damentausch hat Anand seine Stellung weiter konsolidiert. Der Inder hat seinen Läufer umgruppiert und erschwert so die weiße Turmverdopplung auf der d-Linie.
19. ... La4
Peter Svidler vs. Veselin Topalov: Topalov ist es in der Berliner Verteidigung des Spaniers relativ schnell gelungen, fast das gesamte Figurenmaterial vom Brett zu tauschen. Am Ende blieb eine Stellung mit ähnlicher Bauernstruktur übrig, beide Spieler einigten sich schnell auf das Remis.
18. ... Lb5 19. De1
Diesen Damentausch musste Aronian ausschlagen. Nach 18. Dxg6 hxg6 ist jede Spannung aus der Partie. Schwarz dürfte in der Folge relativ einfach in eine Remisstellung abwickeln. Und damit könnte Anand nach seinem gestrigen Sieg natürlich sehr gut leben.
17. Sf3 Dg6 18. Dd2
Der Rest ist bekannt. Anand gewann nicht nur die Partie der ersten Runde, sondern ließ nach einem Remis in der zweiten Runde gegen Veselin Topalov noch einen weiteren ganzen Punkt gegen Shakhriyar Mamedyarov folgen. Diesen Vorsprung konnte die Konkurrenz dann nicht mehr aufholen. Der gerade geschlagene Weltmeister durften den neuen gleich wieder herausfordern.
16. ... Dg5
Da beide Spieler schon länger als eine Dekade in der Weltspitze vertreten sind, haben sie sich natürlich schon sehr oft duelliert. Vor fast genau zwei Jahren trafen Anand und Aronian beim Kandidatenturnier in Khanty-Mansiysk aufeinander. Der ehemalige Weltmeister wurde vor dem Turnier nicht sehr hoch gehandelt, der Armenier galt als Favorit. Mit einem starken Vortrag der Spanischen Eröffnung gewann Anand dann aber die Partie der ersten Runde.
Stellung nach 16. Tfd1. (Grafik: Chessbase)
Das ist nun eine Stellung mit beidseitigen Chancen. Es wird im Übergang zum Mittelspiel nun darum gehen, wer die Kontrolle über die beiden offenen Linien (b und d) bekommt. Die Engines sehen Aronian minimal im Vorteil. Das ist in dieser Partiephase dann aber zumeist noch der Vorteil des Anzugs. Der isolierte schwarze Bauer auf c4 ist leichter anzugreifen als sein weißes Pendant auf c3.
11. ... La6 12. Sc3 c5 13. dxc5 Sxc3 14. bxc3 Lxc5 15. O-O Tc8
Nach Aronians Springerrückzug nach d2 im achten Zug musste Anand kurz in die Stellung schauen. Das ist in der Turnierpraxis bislang nur ganz selten gespielt worden. Stellung nach 11. Le2. (Grafik: Chessbase)
7. ... Lb4+ 8. Sd2 Sd5 9. Lg3 S7b6 10. Dc2 O-O 11. Le2
Anand packt eine etwas überraschende Variante aus. Der Bauernvorstoß nach b5 wird eher selten gespielt. Hauptvarianten sind hier eher 7. ... a6, 7. ... Sb6 oder 7. ... Sd5.
6. e3 b5 7. Sxb5
Wir haben das angenommene Damengambit mit der Läuferentwicklung nach f4 auf dem Brett. Das ist natürlich alles schon tausendfach gespielt. (Grafik: Chessbase)
1. ... Sf6 2. c4 e6 3. Sf3 d5 4 . Sc3 Sbd7 5. Lf4 cxd4
Levon Aronian geht der Spanischen Eröffnung aus dem Weg und eröffnet mit dem Damenbauern. 1. d4
Die Spieler sitzen bereit, die zweite Runde kann gleich beginnen.
Auch heute habe ich mich für eine Partie entschieden, die ich zunächst verfolgen werde. Nach seinen Sieg gestern begleiten wir Viswanathan Anand durch seine Schwarz-Partie gegen Levon Aronian. Wenn auf dem anderen Brettern etwas Entscheidendes passiert oder wir eine Fortsetzung der unsterblichen Partie erleben, habe ich das hoffentlich im Blick und berichte.
Heute haben wir es mit diesen vier Partien zu tun. (Grafik: Chessbase)
Ich hatte mich an dieser Stelle etwas intensiver mit der Partie zwischen Hikaro Nakamura und Fabiano Caruana beschäftigt. Caruana wählte in der Englischen Eröffnung eine Nebenvariante, die eigentlich eher dem Naturell seines gestrigen Gegners lag. Der konnte sich im Übergang von der Eröffnung zum Mittelspiel auch einen Vorteil erarbeiteten, der aber am Ende versandete.
Die anderen drei Partien endeten Remis. Hier noch einmal die Ergebnisse in der Übersicht. (Grafik: Chessbase)
Stellung nach 39. T1e7. Anand gruppierte in der Folge seinen Springer nach e4 um. Topalov konnte den Mattangriff nur unter Materialverlust abwehren und gab die Partie schließlich im 49. Zug auf.
Doch Anand fand in der Folge einige gute Verteidigungszüge und konnte so die Stellung zu seinen Gunsten drehen. In der etwas hektischen Zeitnotphase ließ er Möglichkeiten ungenutzt, seinen Vorteil in einen vorzeitigen Sieg zu verwandeln. Am Ende fand er mit seinen Türmen den entscheidenden Eintrittspunkt in die schwarze Stellung.
Anand hatte sich mit seiner Damen die beiden Bauern auf b7 und a6 einverleibt. Topalov nimmt mit Dame und Läufer das Feld f2 ins Visier. Stellung nach 23. … Dh4. (Grafik: Chessbase)
Der einstmalige FIDE-Weltmeister hatte in der Berliner Verteidigung der Spanischen Eröffnung auf dem Damenflügel Bauern geopfert und ein Angriffsspiel gegen die weiße Königsstellung gestartet. Die weiße Stellung war kritisch, wie das folgende Diagramm zeigt.
Der Altmeister hat es gestern mal wieder allen gezeigt. Viswanathan Anand gewann zum Turnierauftakt. In einer sehr scharf gespielten Partie hatte aber nicht nur der vergangene Carlsen-Herausforderer seine Chance, auch Veselin Topalov durfte im Mittelspiel auf einen Königsangriff hoffen.
Herzlich willkommen in Moskau beim Kandidatenturnier zur Schach-WM! Um 13 Uhr beginnt die zweite Runde.



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