Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

+++ Blog zum Schach-Kandidatenturnier +++: Nakamura und Svidler spielen remis

Von Bernd Schroller

Die bislang längste Partie des Turniers ist beendet. Hikaru Nakamura und Peter Svidler teilen sich die Punkte. Fabiano Caruana hat sich vergeblich an einem Sieg gegen Viswanathan Anand versucht. Lesen Sie die Höhepunkte der Partien im Blog nach.

Ich verabschiede mich an dieser Stelle und wünsche einen schönen Abend. Bis Dienstag!
Morgen gönnen uns Spieler und Veranstalter einen ersten Ruhetag. Wir melden uns am Dienstag um 13 Uhr wieder. Aber zuvor können Sie am Abend bei Spiegel Online natürlich alle Partien nachspielen und sich von Großmeister Daniel King die Höhepunkte des Tages in seiner Videoanalyse präsentieren lassen.
Aus den Ergebnissen ergibt sich folgende Tabelle. Zu einem solch frühen Turnierstatus hat eine feinere Differenzierung über direkten Vergleich und den anderen Feinwertungen noch keinen Sinn. Daher habe ich die Plätze einfach erst einmal geteilt.
Auch der dritte Tag endet mit einer entschiedenen Partie und drei Punkteteilungen. Hier noch einmal die Ergebnisse in der Übersicht:

Anish Giri vs. Sergey Karjakin 0,5:0,5
Viswanathan Anand vs. Fabiano Caruana 0,5:0,5
Veselin Topalov vs Levon Aronian 0:1
Hikaru Nakamura vs Peter Svidler 0,5:0,5
Hikaru Nakamura springt der schachlichen Bedeutungslosigkeit noch einmal von der Schippe. Der US-Amerikaner verhindert in einem nicht ganz leicht zu spielenden Endspiel die zweite Niederlage in Folge und bleibt so im Turnier. Das war die bislang längste Partie bei diesem Kandidatenturnier. Peter Svidler spielt auch die dritte Partie des Turniers Remis.
56. Kh2 Txf2 57. Kg3 Te2 58. Kcf3 Te1 59. Ta8 Th1 60. Ke4 Txh4 61. Kxe5 Tb4 62. Tg8+ Kh7 63. Tg1 Kh6 64. Kf5 Remis
Stellung nach 55. ... f3. Der schwarze Gewinnweg ist nicht zu sehen. Nakamura hat immer auch die Möglichkeit auf Dauerschach, denn der König hat keine echte Verstecke. (Grafik: Chessbase)
Beide Spieler haben noch mehr als zehn Minuten bis zur Zeitkontrolle im 60. Zug. Das sollte also kein echtes Problem darstellen.
53. Kg1 e5 54. Ta5 Te2 55. h4 f3
Nakamura nimmt das Angebot an und tauscht die beiden Springer. Nun haben wir ein echtes Turmendspiel mit einem Mehrbauern für Schwarz. Meine Leidenschaft für Turmendspiele ist seit der WM 2014 nicht größer geworden. Nicht meine Stärke. Also schließe ich mich mal den Worten des Großmeisters an.
52. Sxf4 gxf4
Svidler scheint einen Plan zu haben. Sonst würde er an dieser Stellung dem Springertausch nicht zustimmen. GM Daniel KIng ist da pessimistisch: "Objektiv sollte es Remis sein - das ist aber nur eine theoretische Beurteilung. Nach mehr als fünf Stunden ist eine solche Stellung gar nicht so einfach zu verteidigen..."
51. Sg2 Tb2
Das Diagramm zeigt die Stellung nach 48. …. Tc1 49. Se3+ Kg6 50. Kh2 Tb1. (Grafik: Chessbase)
Hikaru Nakamura vs Peter Svidler:Kommen wir zur letzten noch nicht beendeten Partie des Tages zurück. Schwarz hat seinen Turm von c6 nach b1 überführt. Der Bauer auf f2 ist sicher ein Ziel der Begierde. Der schwer zu vertreibende Springer auf f4 unterstützt das Vorhaben.
Für Veselin Topalov ist das Turnier nach der dritten Runde eigentlich schon beendet. Der Bulgare präsentiert sich als Schatten vergangener Tage und startet mit nur einem halben Punkt aus drei Partien. Heute hat der einstige FIDE-Weltmeister schon früh in der Eröffnung einen Bauern verloren, später einen weiteren. Levon Aronian steigt mit seinem ersten Sieg bei diesem Turnier zu den Tabellenführern Anand und Karjakin auf. Das Trio hat jeweils zwei Punkte
So kommt es dann auch. Topalov gibt die Partie nach 47. ... Tg3 48. Dh5 Dd7 49. Kh2 Tg2+ 50. Kh1 Dd5 auf. Das Matt lässt sich mit einigen Opfern noch herauszögern. Zu verhindern ist es nicht mehr. 0:1
Veselin Topalov vs Levon Aronian:Stellung nach 47. Tb1. Nun steht das Ende kurz bevor. Aronian überlegt noch, aber 47. … Tg3 sieht sehr gut aus. Das Matt liegt in der Luft. (Grafik: Chressbase)
Schwarz sollte auf dem Weg zu seinem Gewinn nicht nur möglichst viele Bauern auf dem Brett halten, sondern auch den Turmtausch vermeiden. Nur mit Springern auf dem Brett dürfte Nakamura die Stellung Remis halten.
46. ... Kxf5 47. Sf1 Sf4+ 48. Kg3
Bei einer weiteren Niederlage kann Nakamura eigentlich schon die Koffer packen. Er kämpft in diesem Endspiel also um die letzte Chance beim diesem Turnier. Es ist kaum vorstellbar, dass ihm nach einem Start mit -2 noch das Comeback gelingt. Dafür gibt es in der jüngeren Turniergeschichte der Weltklasse kein Beispiel.
Wir sehen die Stellung nach Nakamuras Zug 46. gxf5. Der Amerikaner hat weiter einen Bauern weniger. E versucht die noch vorhandenen Bauern abzutauschen. Bleibt am Ende nur noch ein Bauer auf dem Brett, kann Svidler bei der Figurenkonstellation mit Springer und Turm normalerweise nicht gewinnen, weil Nakamura dann den Springer für den Bauern opfen könnte. Doch der gerade gespielte Tausch auf f5 birgt auch ein Risiko, er vereinzelt seine verbleibenden Bauern auf f2 und h3. (Grafik: Chessbase)
Hikaru Nakamura vs Peter Svidler: Auch in der anderen noch offenen Partie ist die Zeitkontrolle geschafft. Beide Spieler schauen nun wieder etwas tiefer in die Stellung. Bis zum 60. Zug gibt es nun zusätzliche 50 Minuten Zeit. Jeder gespielte Zug wird mit weiteren 30 Sekunden belohnt. Die nächste Zeitnotphase würde so gegen 19 Uhr MEZ anstehen.
Veselin Topalov vs Levon Aronian: Aronian muss zwar ein wenig mit seiner Zeit kämpfen. Er lässt sich den Vorteil aber nicht mehr nehmen. Schwarz hat Topalovs Angriffe abgewehrt. Er hat weiter zwei sehr gesunde Mehrbauern, die zum Sieg reichen werden. Stellung nach 39. …. Tf6. (Grafik: Chessbase)
Großmeister Daniel King glaubte lange an die Stellung des Ex-Weltmeisters: "Anand hat eine Vereinfachung der Stellung erlaubt. Offensichtlich war er von der Verteidigung Caruanas überzeugt. Ich hatte mehr erwartet!"
Und so kommt es dann auch. Praktisch das gesamte Material verschwindet vom Brett. Es bleibt ein nicht mehr zu gewinnendes Turmendspiel auf Brett übrig. Mit Erreichen der Zeitkontrolle einigen sich beide Spieler auf das Remis. (Grafik: Chessbase)
35. ... Lxe4 36. Lxe4 Sx4 37. Sxe4 Txe4 38. Txe4 Txe4 39. Txd6 Dxh4 40. Dxh4 Remis
Der eigene Bauer auf e4 ist nun noch nur drei Mal gedeckt, aber vierfach von Schwarz angegriffen. Nun droht der komplette Figurentausch.
35. Dg3
Caruana hat in Zeitnot seine Dame hinter die eigenen Reihen auf ihr eigenes Ausgangsfeld geführt. Stellung nach 34. ... Dd8. (Grafik: Chessbase)
30. a4 Dc5 31. Df4 Te5 32. T1d3 T8e6 33. Kh2 Db6 34. Td2 Dd8
Hikaru Nakamura vs Peter Svidler:Wir hatten vor einiger Zeit hier ein Diagramm einer sehr wilden Stellung eingestreut. Nakamura war mit der Dame in der gegnerische Stellung eingedrungen. Svidler hatte aber die richtige Verteidigung parat und konnte in ein für ihn günstiges Endspiel abwickeln. Mit Springer und Turm verfügt der Russe über einen Mehrbauern. Nakamura muss sich also auch heute gegen eine Niederlage stemmen.
29. ... a5
Diesen Läuferzug verstehe ich nicht so ganz. Selbst wenn der Bauernvorstoß nach f4 vielleicht gerade etwas zu riskant ist und sich Anand in Geduld üben kann, hätte ich mir hier aktivere Züge - zum Beispiel am Damenflügel - vorgestellt. Aber Großmeister Daniel King ist von Anand überzeugt: "Er hat die Stellung im Griff. Sie ist sehr gefährlich - besonders wenn Caruana in Zeitnot kommt. Der Amerikaner hat nur noch neun Minuten für zehn Züge."
28. ... Tde8 29. Lf3
Zurück zu unser Partie, wo Caruana langsam aber sicher die Zeit davonläuft.
Veselin Topalov vs Levon Aronian: Unser Experte Daniel King ist die restlichen Bretter abgeschritten und sieht eine weitere Partie ganz kurz vor einer Entscheidung: „Topalov hat einen einfachen taktischen Einschlag in der Eröffnung übersehen. Der nun gestartete Versuch, etwas Angriff für die zwei verlorenen Bauern zu bekommen, ist reine Verzweiflung.“
Caruana opfert am Königsflügel seinen h-Bauern und reißt die Stellung auf. Außerdem fehlt Anand nun eine Deckungsfigur für den Plan, einen Bauern nach f4 vorzuziehen. (Grafik: Chessbase)
28. ... h4 29. gxh4.
Veselin Topalov vs Levon Aronian: Dem einstigen FIDE-Weltmeister Topalov droht die nächste Schlappe. Der hat als Weißer schon zwei Bauern weniger. Seine Angriffsversuche am Königsflügel wirken nicht sonderlich gefährlich.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Rumo75 13.03.2016
Die Erklärung für den "passiven Läuferzug" 29.Lf3 dürfte sein, dass nun 29...Sh5 mit 30.Td5 beantwortet werden kann. Und dass Weiß nun gelegentlich die Option hat, den passiven (!) Läufer über g4 zu aktivieren (!). "Irgendwas am Damenflügel" ist ein lustiger Gegenvorschlag, Hatte SPON nicht zuletzt beim WM-Kampf Carlsen-Anand einen IM, der die Partien kommentiert hat? Warum jetzt einen Spieler mit Rating 1800 dafür engagieren, der, das ist nicht böse gemeint, nun wirklich nicht die Kenntnisse haben kann, um das worüber er schreibt auch nur ansatzweise zu verstehen?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH