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Showdown beim Schach-Kandidatenturnier: Spannend bis zum letzten Zug

Von Bernd Schroller

Schachspieler Sergej Karjakin und Fabiano Caruana (2012) Zur Großansicht
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Schachspieler Sergej Karjakin und Fabiano Caruana (2012)

Wer wird der Herausforderer von Schachweltmeister Magnus Carlsen? Beim Kandidatenturnier in Moskau läuft alles auf einen Zweikampf um den Sieg heraus. Doch ein Altmeister ist noch in Lauerstellung.

Das Kandidatenturnier in Moskau bleibt bis zum letzten Zug spannend. Rein rechnerisch können noch sechs Spieler in den Kampf um den Turniersieg eingreifen, realistisch wird der Kampf um das WM-Ticket aber zwischen Fabiano Caruana, Sergej Karjakin entscheiden, Viswanathan Anand hat noch Außenseiterchancen.

Das Trio trennt vor den abschließenden zwei Partien gerade mal ein halber Punkt. Pikant: In der abschließenden Runde am Montag stehen sich der Führende Karjakin und der Zweitplatzierte Caruana direkt gegenüber. Wer hat die besten Chancen, im November bei der WM in New York Weltmeister Magnus Carlsen herauszufordern?

Viswanathan Anand - der Außenseiter

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Viswanathan Anand

Viswanathan Anand hatte 1995 bereits seinen ersten WM-Kampf gegen Garri Kasparow in New York, im November könnte sich also der Kreis für den Inder schließen. Eine ernsthafte Chance auf den WM-Titel hätte der inzwischen 46-Jährige jedoch im dritten Aufeinandertreffen mit Magnus Carlsen in der US-Metropole nicht. Ohnehin hat er derzeit nur Außenseiterchancen. Um das Kandidatenturnier zu gewinnen, wird er wohl die beiden letzten Runden gewinnen müssen.

Kein Spieler zeigte bei diesem Wettkampf bislang so unterschiedliche Gesichter wie Anand. Der Inder führte in Moskau zum Teil meisterliche Partien vor. Seine herausragende Stärke - die ihm einst den Ruf eines universellen Spielers einbrachte - zeigte er besonders bei seinen Siegen gegen Lewon Aronjan und Karjakin. Gegen beide Spieler wählte er zunächst sehr ruhige Abwicklungen aus der Eröffnung heraus, die ihm aber jeweils einen minimalen Positionsvorteil einräumten. Daraus entwickelte er an beiden Tagen einen langfristigen Plan, der die Partie Stück für Stück zu seinen Gunsten verschob.

Sowohl Aronian als auch Karjakin mussten sich im Anschluss keine direkten Fehler vorhalten lassen, einige Ungenauigkeiten in der Stellungsbehandlung reichten aus, um von dem Ex-Weltmeister überspielt zu werden.

Anand spielte bei all seinen vier Siegpartien mit Weiß. Musste er jedoch mit den schwarzen Steinen antreten, sah es anders aus: Er verlor drei seiner sechs Schwarzpartien. Bei seinen Niederlagen wurde auch die große Schwäche des Altmeisters deutlich: seine Ungeduld. Anand mag keine Stellungen, in denen er leicht schwächer steht und er zäh um den Ausgleich ringen muss. So verteidigte er gegen Caruana seine Stellung nicht in der geforderten Genauigkeit, sondern ging im Konter unter.

Fabiano Caruana - der Favorit

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Fabiano Caruana

Als Anand 1995 sein erstes WM-Turnier spielte, war Fabiano Caruana gerade einmal drei Jahre alt. Vor dem Turnier galt der 23-Jährige vielen Experten als Favorit. Doch diese Bürde war Caruana zunächst eine Nummer zu groß: Er spielte eine durchwachsene erste Turnierhälfte und kam erst mit dem Sieg in der achten Runde gegen Hikaru Nakamura richtig in Fahrt.

Caruanas große Stärke: Er verteidigt zäh und ausdauernd. Kein Wunder also, dass er als einziger Spieler des Führungstrios noch unbesiegt ist. Und das, obwohl der US-Amerikaner dreimal am Rande einer Niederlage stand. Sein Meisterstück war sicherlich die Partie gegen Anish Giri. In der bislang längsten Partie dieses Turniers hatte Caruana schon vier Bauern weniger auf dem Brett. Er fand aber eine sehr aggressive Verteidigung, mit der er dem Gegner den Vorteil Stück für Stück wieder abknüpfte. Diese Verteidigungskunst wird ihn in Moskau zwar nicht unbedingt zum Sieg tragen, in einem möglichen Duell gegen Weltmeister Carlsen wären sie aber ganz sicher gefragt. Der Norweger ist bekannt dafür, auch nur die kleinste Initiative bis ins letzte Detail auszureizen.

Sergej Karjakin - die große Überraschung

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Sergej Karjakin

Sergej Karjakin ist sicherlich die größte Überraschung bei diesem Turnier. Er ist im Vorwege als Außenseiter ins Rennen gegangen und hat nun die größten Chancen auf die Herausforderung von Carlsen. In der Weltrangliste ist der 26-Jährige nur 13. - und damit hinter sechs anderen Teilnehmern des Kandidatenturniers.

Nach seinen Siegen gegen Nakamura und Anand behielt Karjakin die Ruhe und sammelte von Remis zu Remis Punkte ein. Er musste sich die Tabellenführung zwar meist teilen, doch die Konkurrenten warfen sich durch Niederlagen immer wieder selbst zurück. Selbst die Rückrundenpleite gegen Anand brachte Karjakin nicht aus der Bahn. Gleich in der anschließenden Runde am Freitag gelang ihm mit einem eindrucksvollen Königsangriff gegen Wesselin Topalow das direkte Comeback.

Geht der auf der Krim geborene Russe punktgleich in das finale Duell mit Caruana, dann hat er das Regelwerk und die Figurenfarbe auf seiner Seite. Bei Punktgleichheit entscheiden zunächst der direkte Vergleich und dann die Anzahl der Gewinnpartien. Dieses Kriterium spricht für Karjakin. Er darf zudem die letzte Partie mit Weiß spielen. Von den 14 Gewinnpartien dieses Turniers gingen nur zwei an die Schwarzspieler.

Hier finden Sie die aktuelle Tabelle des Schach-Kandidatenturniers. Klicken Sie auf das Bild, um alle Runden angezeigt zu bekommen:

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Karjakin
The Restless 27.03.2016
... war immerhin schon Zweiter beim letzten Kandidatenturnier. So sehr Außenseiter war er meiner Meinung nach gar nicht.
2. Giri
LucianBF 27.03.2016
...war für mich einer der Favoriten. Abschreiben sollte man ihn noch nicht, da er wenn er denn mal siegt gleich in Schlagdistanz zu Karjakin und Caruana ist. Gehe dennoch aus von einem Turniersieg von Caruana
3. Sonntag, 27.3.16
recitator 27.03.2016
Ist heute keine Live-Berichterstattung? Wäre sehr schade, denn jetzt wird es doch richtig spannend!
4. Live-Berichterstattung
schollefish 27.03.2016
Nein. Montag geht es weiter. Ich denke, der einzig ernstzunehmende Gegner für Magnus Carlsen ist Caruana. Anand ist nervlich nicht in der Lage zu bestehen und Karjakin fehlt auch die Konstanz.
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Schach-Glossar
  • Corbis
    Schach ist ein strategisches Brettspiel, bei dem zwei Spieler abwechselnd ihre Figuren auf dem Spielbrett bewegen. Weiß beginnt immer, es besteht Zugpflicht. Mit jeder Figur kann eine des Gegners geschlagen werden.

  • Jeder Spieler hat 16 Figuren, die nur nach bestimmten Regeln gezogen werden dürfen. Der König kann horizontal, vertikal oder diagonal auf das angrenzende Feld ziehen. Die Dame kann horizontal, vertikal oder diagonal beliebig weit ziehen, darf dabei jedoch keine anderen Figuren überspringen. Der Läufer kann diagonal beliebig weit ziehen, darf dabei jedoch keine anderen Figuren überspringen.

  • Der Springer zieht in beliebiger Richtung über zwei Felder: Erst vertikal oder horizontal, dann diagonal; oder erst diagonal und dann vertikal oder horizontal. Das erste Feld darf dabei besetzt sein. Der Turm kann horizontal und vertikal beliebig weit ziehen, darf aber keine anderen Figuren überspringen. Die acht Bauern dürfen immer einen Schritt nach vorne ziehen, wenn das Feld leer ist. Sie schlagen vorwärts diagonal.

Es gewinnt der Spieler, der den gegnerischen König schachmatt setzt. Das bedeutet, der König wird in jedem Fall geschlagen, egal, wie der bedrohte Spieler eine seiner Figuren zieht. Eine weitere Möglichkeit zum Spielgewinn ist die Aufgabe des Gegners. Dies ist während des Spiels jederzeit möglich.


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