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Sieg gegen Anand im neunten Spiel: Carlsen steht kurz vor dem WM-Triumph

Neunte Partie: Sechster Punkt für Herausforderer Carlsen Zur Großansicht

Neunte Partie: Sechster Punkt für Herausforderer Carlsen

Neuntes Spiel, dritter Sieg: Magnus Carlsen aus Norwegen fehlt nur noch ein halber Punkt zum Gewinn der Schach-WM. Dabei profitierte er von einem verhängnisvollen Fehler von Titelverteidiger Viswanathan Anand.

Hamburg - Der Norweger Magnus Carlsen steht kurz vor dem Gewinn der Schach-Weltmeisterschaft. Er siegte im neunten Duell der Finalserie in Chennai nach 3:20 Stunden, 28 Zügen und einem Blackout von Titelverteidiger Viswanathan Anand und liegt damit 6:3 in Führung. Zum WM-Triumph benötigt Carlsen nur noch einen halben Punkt. Schon am Freitag (10.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kann er sich den Titel sichern.

Der 22-jährige Herausforderer blieb noch zurückhaltend und analysierte seinen Sieg kritisch. "An einer Stelle habe ich mich verrechnet und musste alles oder nichts spielen. Es gab zu viele schwierige Varianten, die man berechnen musste. Deswegen habe ich versucht, so natürlich wie möglich zu ziehen. Ich hatte riesiges Glück, dass Anand am Ende gepatzt hat", sagte der Norweger.

Anand mit Weiß hatte die Partie gut begonnen und wollte unbedingt sein Comeback in die Finalserie schaffen. Der Inder eröffnete mit seinem d-Bauern. Er musste seine Spielweise ändern, denn mit dem Doppelschritt des e-Bauern und den daraus resultierenden Stellungen konnte er im Verlauf des Matches die Verteidigung Carlsens nicht brechen.

Der Norweger ließ sich auf die Nimzowitsch-Indische Verteidigung ein, und Anand wählte eine scharfe Variante. Nach der Eröffnung ergab sich eine faszinierende Stellung. Der Weltmeister trieb seine Bauern am Königsflügel voran, um den gegnerischen Monarchen anzugreifen, während Carlsen es über den Damenflügel probierte.

Anand warf alle Figuren in den Angriff und bedrohte mit seinen Schwerfiguren den schwarzen König. Im Gegenzug erlaubte er Carlsens b-Bauern, sich in eine neue Dame umzuwandeln. Bei korrektem Spiel hätte der Norweger die Dame opfern müssen, doch Anand zog im 28. Zug die falsche Figur auf die Grundreihe, um ein Schach abzuwehren. Er sah sofort sein Malheur und gab kurze Zeit später auf.

"Ich hatte keine Wahl, so wie der Wettkampf lief, und musste alles auf eine Karte setzen. Es ist natürlich dumm und irgendwie verantwortungslos, wie ich am Ende die Partie eingestellt habe", sagte der Titelverteidiger.

Für Carlsen war es die dritte Gewinnpartie im neunten Spiel der Finalserie. Schon die ersten beiden Siege hatten aus Fehlern des Weltmeisters resultiert. Im zehnten von zwölf angesetzten Spielen hat Carlsen mit Weiß seinen ersten Matchball. Aus den verbleibenden drei Partien reicht ihm ein Remis zum Triumph. Insgesamt beträgt das Preisgeld 2,55 Millionen Dollar (1,89 Millionen Euro). Bei einem WM-Sieg wäre Carlsen um gut eine Million Euro reicher.

buc/sid

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insgesamt 74 Beiträge
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1.
HaioForler 21.11.2013
Und jetzt komme ich nochmals auf mein Posting von vor 3 Tagen im Schach-Thread zurück: diese 9. Partie war für mich der endgültige Beweis dafür, daß die Theorie vom älteren, und deshalb konditionsbenachteiligten Anand nicht stimmen kann: 1) Diese Partie dauerte gerade mal 28 Züge 2) Diese Partie dauerte gerade einmal 3einhalb Stunden 3) Diese Partie fand nach einer Tages-Pause statt. Von einem gerade einmal 45-jährigen kann man wohl körperlich verlangen, daß er 28. Züge konzentriert mitspielen kann. Diese Partie dauerte eben nicht 65 Züge wie manch andere. Nein; Carlsen hat einfach tiefer und weiter gedacht, und Anand kann gegen ihn selbst bessere Stellungen nicht in einen Sieg ummünzen. Das ist die schnöde, nüchterne Wahrheit.
2. Im Grunde beruhigend...
lonicerus 21.11.2013
...dass auch ein Weltmeister derart grobe Schnitzer auf das Brett zaubert. Richtiges Feld, falsche Figur und schon ist aus dem Remis eine Niederlage geworden. Das zeigt, unter welchem Druck Anand vor der Partie stand. Er hat offensiv gespielt, wollte tatsächlich gewinnen. Aber es hätte wohl doch nur zu Remis geführt, weil Carlsen einfach keine Fehler macht und auch bei drohedem Matt seine eigene Offensive nicht aus den Augen verliert. Ein durchaus würdiger neuer Weltmeister. Sollte Anand das wider Erwarten doch noch drehen können, so wird diese WM in die Geschichte eingehen.
3.
WhereIsMyMoney 21.11.2013
Oh mein Gott. Anand kann einem Leid tun. Die Entscheidung auf direktes Schachmatt zu gehen und dafür seine ganzen Minuten zu opfern war wohl der entscheidende Fehler. Sf1 war dann nur noch die Krönung. Ich bin sicher, hätte Anand einfach weitergespielt nachdem er 30 Minuten Vorsprung hatte, hätte er einen Sieg geholt. Carlsen wäre unter Zeitdruck gekommen. Anand wollte wohl Spektakel und zeigen dass er es nachwievor drauf hat. Sf1 war dann natürlich die Katstrophe, aber nachdem er seine Zeit verschenkt hatte wäre er zu diesem Zeitpunkt im Spiel sowieso nicht über ein Unentschieden hinaus gekommen.
4. Planlos
jeschos 21.11.2013
Ich blicke nicht dahinter warum Anand hier aufgegeben hat. Kann mir einer die mögliche folgende Notation aufzeigen?!
5.
okokberlin 21.11.2013
sehr schlechte WM, katastrophale fehler von anand. die beiden endspiele waren leicht remis und anand verliert sie durch simple fehler und heute die "krönung" - so ein leichter fehler , das erwartet man von normalen schach"patzern" aber nicht von spitzenspielern. alles in allem eine große enttäuschung. anand wird als der schlechteste wm in die schachannalen eingehen, es sei denn er kommt nochmal furios zurück.
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Schach-WM: Carlsen vs. Anand

Schach-Glossar
  • Corbis
    Schach ist ein strategisches Brettspiel, bei dem zwei Spieler abwechselnd ihre Figuren auf dem Spielbrett bewegen. Weiß beginnt immer, es besteht Zugpflicht. Mit jeder Figur kann eine des Gegners geschlagen werden.

  • Jeder Spieler hat 16 Figuren, die nur nach bestimmten Regeln gezogen werden dürfen. Der König kann horizontal, vertikal oder diagonal auf das angrenzende Feld ziehen. Die Dame kann horizontal, vertikal oder diagonal beliebig weit ziehen, darf dabei jedoch keine anderen Figuren überspringen. Der Läufer kann diagonal beliebig weit ziehen, darf dabei jedoch keine anderen Figuren überspringen.

  • Der Springer zieht in beliebiger Richtung über zwei Felder: Erst vertikal oder horizontal, dann diagonal; oder erst diagonal und dann vertikal oder horizontal. Das erste Feld darf dabei besetzt sein. Der Turm kann horizontal und vertikal beliebig weit ziehen, darf aber keine anderen Figuren überspringen. Die acht Bauern dürfen immer einen Schritt nach vorne ziehen, wenn das Feld leer ist. Sie schlagen vorwärts diagonal.

Es gewinnt der Spieler, der den gegnerischen König schachmatt setzt. Das bedeutet, der König wird in jedem Fall geschlagen, egal, wie der bedrohte Spieler eine seiner Figuren zieht. Eine weitere Möglichkeit zum Spielgewinn ist die Aufgabe des Gegners. Dies ist während des Spiels jederzeit möglich.

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