+++ Schach-Kandidatenturnier live +++ Remis zwischen Caruana und Topalov

Leichtfertig vergebener Sieg: Fabiano Caruana machte unter Zeitdruck einen Fehler, das reichte Veselin Topalov zum Remis. Sergey Karjakin hat Ex-Weltmeister Viswanathan Anand besiegt. Verfolgen Sie die Höhepunkte im Blog von Schach-Experte Bernd Schroller.


Das war es für heute. Morgen startet die fünfte Runde auch wieder um 13 Uhr. Schauen Sie gern wieder vorbei. Bis dahin!
Die Tabelle nach der vierten Runde:
Die Ergebnisse noch einmal im Überblick:

Peter Svidler - Levon Aronian 0,5:0,5
Fabiano Caruana - Veselin Topalov 0,5,0,5
Sergey Karjakin - Viswanathan Anand 1:0
Hikaru Nakamura - Anish Giri 0,5: 0,5
Beide Spieler folgen aber erst einmal der vorgeschlagenen Variante.
45. ... e4 46. d6
Caruana hat in der noch laufenden Partie zwar zwei stark aussehende Freibauern im Zentrum. Die Engines sehen aber nach 45. ... e4 46. d6 Td8 47. Tc6 Td1 48. c5 e3 keinen echten Weg, wie Weiß das gewinnen kann.
Ein Nachtrag zur Karjakin-Anand-Partie sei noch erlaubt. Die obligatorische Pressekonferenz im Anschluss fiel sehr kurz aus. Ein gut gelaunter Sieger klickte sich strahlend durch die Partie, ein schlecht gelaunter Verlierer hatte dem nichts hinzuzufügen und beendete ohne echten Kommentar das Gespräch.
44 ... Te8 45. Tcxc5
Stellung nach 44. Tc6. (Grafik: Chessbase)
Fabiano Caruana vs Veselin Topalov: Bleibt uns für heute noch eine Partie die läuft. Caruana hatte die Partie eigentlich schon in der Tasche, spielte dann aber nach Erreichen der Zeitkontrolle einen schwachen Zug, der Topalov noch einmal ein wenig Hoffnung schöpfen ließ. Das Geburtstagkind konnte das Material vereinfachen und in ein Doppelturmendspiel abwickeln.
Anand fand im Mittelspiel nicht den richtigen Plan. Er entschied sich ohne größere Not für den Abrausch seines Läuferpaares. Als dann auch noch im 25. Zug die Damen vom Brett verschwanden, blieb ein Endspiel mit Turm und Springer übrig, in dem nur noch der Weiße über Initiative verfügte.
Zum ersten Mal in seiner Karriere schlägt Sergey Karjakin den Ex-Weltmeister Viswanathan Anand in einer Turnierpartie mit klassischer Bedenkzeit. Der Russe steigt damit endgültig zu einem der möglichen Anwärter auf den Turniersieg auf. Unabhängig vom Ausgang der Partie zwischen Fabiano Caruana und Veselin Topalov ist ihm die alleinige Tabellenführung nicht mehr zu nehmen.
Am Ende geht es sehr schnell, Anand bricht unter dem Druck der Drohungen zusammen. Der Bauer auf d5 hängt. Außerdem droht mit 44. Txe7+ Kxe7 45. Sxd5 entscheidender Materialgewinn. (Grafik: Chessbase)
41. ... Tb6 42. Td7 a6 43. Sc3 1:0
Für Endspiele aller Art gibt es eine ganze Menge Merk- und Lernsätze. Einen davon ruft Daniel King in Erinnerung: "Bisher hat Karjakin keinen entscheidenden Vorteil, aber die Zeichen für ihn sind sehr gut. Schwarz hat zwei Schwächen: die Bauern auf a7 und d5 . Und ein klassisches Prinzip bei Endspielen lautet :Das genügt zum Sieg."
Karjakin hätte mit 41. Sd6+ einen Bauern gewinnen können. Aber ob das Turmendspiel nach 41. ... Sxd6 42. Txd6 zum Gewinn reicht, ist unklar.
40. Tc6 Se7 41. Td6
Karjakin wiederholt nun erst einmal die Züge. Ganz sicher nicht, um in ein Remis einzuwilligen. Er will die Zeitkontrolle schaffen und dann mit der zusätzlichen Stunde auf der Uhr ein ernsthaften Gewinnweg finden.
37. a4 Tb7 38. Tc6 Se7 39. Ta6 Sc8
Peter Svidler vs. Levon Aronian: Wie schon am Sonntag konnte Peter Svidler einen Mehrbauern im Endspiel nicht in einen Sieg verwandeln. Das Turmendspiel gegen Aronian endet mit einem Remis. Damit ist das zweite Spiel des Tages beendet.
Das Diagramm zeigt sehr schön den weißen Vorteil auf. Turm und Springer greifen aktiv die schwarze Stellung. Die beiden schwarzen Figuren müssen sich ausschließlich um Verteidigungsaufgaben kümmern. Der weiße König kann gleich im Zentrum in das Spiel eingreifen, Anands bleibt in der Ecke auf f7 gefangen. (Grafik: Chessbase)
35 ... Se7 36. Sb5 Sc8
Der König bleibt erst einmal im Hintergrund. Karjakin sucht die Initiative mit seinem aktiven Springer.
(Grafik: Chessbase)
33. ... Sg8 34. Se6+ Kf7 35. Sd4
Die beiden Damen verschwinden vom Brett. Übrig bleibt eine Stellung, in der die Schwächen auf Seiten von Anand liegen. Weiß hat zwei aktive Figuren, Schwarz muss sich um seinen isolierten Bauern auf d5 sorgen. (Grafik: Chessbase)
25.De5 Dxe5 26.Sxe5 Txc1 27.Txc1 g6 28.Tc5 Kg7 29.Ta5 Kf6
Karjakin gruppiert den Springer nach d3 um und greift die schwarzen Bauern im Zentrum an. Auch hier entscheidet sich Anand wie bei seinen Läufern für das sofortige Tauschangebot und damit letztlich die Auflösung seiner Zentrumsoption. 24. ... Tbc7 hätte die Stellungsspannung erst einmal aufrechterhalten.
24. Sd3 c4 25. bxc4 Txc4
Anand muss auf eine konkrete Drohung reagieren. Es drohte die Springergabel 24. Sc4.
23. ... Tb7
Daniel King glaubt, dass Weiß sich in dieser Stellung leichter spielen kann: „Ich glaube, Karjakin fühlt sich etwas bequemer in dieser Stellung: Der Bauer h4 ist nun gut gedeckt und seine Bauernstruktur am Königsflügel relativ fest. Vishy hat sehr viel Verantwortung angenommen, also die Bauern auf c5, d5 und f5 vorgezogen - das öffnet die Diagonale zum König auf g8. Objektiv ist das wahrscheinlich eine ausgeglichene Stellung, aber sie ist für Weiß leichter zu spielen.“
21. Tac1 Dd6 22. Se5
In dieser Partie wird die Zeit ganz sicher eine Rolle spielen. Beide Spieler haben erst die Hälfte der erforderlichen Züge bis zur ersten Zeitkontrolle gespielt und nur noch etwas mehr als 30 Minuten auf der Uhr.
20. ... Tb6. Nach dem Abtausch der beiden Läuferpaare ergibt sich die folgende Stellung. (Grafik: Chessbase)
Der 18. Zug von Anand überrascht. Er gibt seinen eigentlich starken weißfeldrigen Läufer ohne Not her. Dabei hat Karjakin am Königsflügel echte Schwächen auf den Feldern f3 und h3.
18. ... La6 19. Lxa6 Txa6 20. Dc3
Unser Experte Daniel King hat sich schon in die mögliche fernere Zukunft dieser Partie vertieft:“ Im Moment geht der Kampf um die zwei schwarzen Zentrumsbauern natürlich vor, aber langfristig sehe ich die beiden Königsstellungen als kritisch. In dieser Stellung wünscht man sich als Weißer den Bauer h4 zurück nach h2 oder h3 und als Schwarzer den Bauern f5 auf seinem Ausgangsfeld f7. Leider verbieten dies natürlich die Schachregeln. Also: die Unsicherheit der beiden Königsstellungen wird eine Rolle in Strategie spielen.“
Der Zug unterbindet kurzfristige schwarze Pläne, mit dem Vorstoß auf f4 den weißen Verteidigungsbauern auf e3 zu befragen.
17. Lxf6 Txf6 18. g3
Der Bauer auf h4 wirkt etwas komisch. Ihn hat Karjakin im neunten Zug vorgezogen und so als theoretische Neuerung aufs Brett gebracht. Der König hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht rochiert, ein Angriff am Königsflügel lag in der Luft. Der scheint nach der 15. 0-0 erst einmal nicht an der Tagesordnung.
Nakamura wird nach seinen schwierigen Partien in der zweiten und dritten Runde vielleicht ganz froh sein, mal wieder eine Partie schnell in seinem Sinne abgewickelt zu haben. Manchmal geht es auch schlicht darum, wieder ins Gefühl zu kommen, eine Partie nach Wunsch unter Kontrolle zu haben. Der 28-Jährige hat nun aber schon drei Weiß-Partien hinter sich. In den verbleibenden zehn Runden muss er noch sechs Mal mit Schwarz antreten und hat nur noch vier Weiß-Chancen - ganz sicher kein Vorteil.
Beide Spieler warten damit weiter auf den ersten Sieg bei diesem Turnier. Für Anish Giri - dem ja eh ein wenig der Ruf nachhängt, sehr schnell ins Remis einzuwilligen - war es bereits die vierte Punkteteilung. Der Niederländer hatte am Sonntag gegen Karjakin schon eine sehr offene Königssztellung, die schnell im Dauerschach endete.
26. ... Tf8 27. Sd5 Dxb2 28. Se7+ Kg7 29. Sf5+ Kg6 30. Se7+ Kg7 31. Sf5+ Kg6 32. Se7+ Remis



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laurelnetz 15.03.2016
1. ...in Blog von Schach-Experte...?
vielleicht mal in Buch von deutsche Grammatik nachschauen?
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