+++ Schach-Kandidatenturnier live +++ Remis zwischen Caruana und Topalov

Leichtfertig vergebener Sieg: Fabiano Caruana machte unter Zeitdruck einen Fehler, das reichte Veselin Topalov zum Remis. Sergey Karjakin hat Ex-Weltmeister Viswanathan Anand besiegt. Verfolgen Sie die Höhepunkte im Blog von Schach-Experte Bernd Schroller.


Das war es für heute. Morgen startet die fünfte Runde auch wieder um 13 Uhr. Schauen Sie gern wieder vorbei. Bis dahin!
Die Partien erwarten uns morgen in der 5. Runde.
Die Tabelle nach der vierten Runde:
Die Ergebnisse noch einmal im Überblick:

Peter Svidler - Levon Aronian 0,5:0,5
Fabiano Caruana - Veselin Topalov 0,5,0,5
Sergey Karjakin - Viswanathan Anand 1:0
Hikaru Nakamura - Anish Giri 0,5: 0,5
Auch der vierte Turniertag bringt uns drei Remisen und eine Gewinnpartie. Sergey Karjakin gewinnt auch seine zweite Weiß-Partie und führt nun mit drei Punkten das Tableau an. Der Erfolg - der Russe war am heutigen Morgen noch ohne gewonnene Turnierpartie gegen Anand - setzt ein Ausrufezeichen. Der Russe wirft seinen Ring in die Manege. Spätestens ab heute ist er einer der echten Anwärter auf die Carlsen-Herausforderung.
Auch Fabiano Caruna sieht keinen Gewinnweg mehr und willigt in die Punkteteilung ein. Nach 52. d7 Txd7 53. Txe2 ist jede Spannung aus der Stellung. Rückt der Bauer nicht vor, dann dringt der schwarze Turm nach f1 ein und erzwingt so die entscheidende Vereinfachung. (Grafik: Chessbase)
49. ... Td2 50. Tb1 e2 51. Te1 Tf8 Remis
Stellung nach 49. Tb2. (Grafik: Chessbase).
48. c5 e3 49. Tb2
Ein Weltmeister-Titel im Schach wurde gestern ja schon vergeben. Bei den Titelkämpfen der Frauen setzte sich in der ukrainischen Stadt Lviv Yifan Hou gegen gegen Titelverteidigerin Mariya Muzychuk durch. In dem auf zehn Partien angelegten Match brauchte die Chinesin nur neun Runden, um uneinholbar auf 6:3 davonzuziehen. Die 22-Jährige holt sich damit nach 2010 und 2013 bereits zum dritten Mal. Bei den Damen konnte man sich in jüngerer Vergangenzeit nicht auf einen einheitlichen Wettbewerb einigen. Muzychuk hatte ihren Titel im Vorjahr in einem K.O-Turnier gewonnen.
46. ... Td8 47. Tc6 Td1
Beide Spieler folgen aber erst einmal der vorgeschlagenen Variante.
45. ... e4 46. d6
Caruana hat in der noch laufenden Partie zwar zwei stark aussehende Freibauern im Zentrum. Die Engines sehen aber nach 45. ... e4 46. d6 Td8 47. Tc6 Td1 48. c5 e3 keinen echten Weg, wie Weiß das gewinnen kann.
Ein Nachtrag zur Karjakin-Anand-Partie sei noch erlaubt. Die obligatorische Pressekonferenz im Anschluss fiel sehr kurz aus. Ein gut gelaunter Sieger klickte sich strahlend durch die Partie, ein schlecht gelaunter Verlierer hatte dem nichts hinzuzufügen und beendete ohne echten Kommentar das Gespräch.
44 ... Te8 45. Tcxc5
Stellung nach 44. Tc6. (Grafik: Chessbase)
Fabiano Caruana vs Veselin Topalov: Bleibt uns für heute noch eine Partie die läuft. Caruana hatte die Partie eigentlich schon in der Tasche, spielte dann aber nach Erreichen der Zeitkontrolle einen schwachen Zug, der Topalov noch einmal ein wenig Hoffnung schöpfen ließ. Das Geburtstagkind konnte das Material vereinfachen und in ein Doppelturmendspiel abwickeln.
Anand fand im Mittelspiel nicht den richtigen Plan. Er entschied sich ohne größere Not für den Abrausch seines Läuferpaares. Als dann auch noch im 25. Zug die Damen vom Brett verschwanden, blieb ein Endspiel mit Turm und Springer übrig, in dem nur noch der Weiße über Initiative verfügte.
Zum ersten Mal in seiner Karriere schlägt Sergey Karjakin den Ex-Weltmeister Viswanathan Anand in einer Turnierpartie mit klassischer Bedenkzeit. Der Russe steigt damit endgültig zu einem der möglichen Anwärter auf den Turniersieg auf. Unabhängig vom Ausgang der Partie zwischen Fabiano Caruana und Veselin Topalov ist ihm die alleinige Tabellenführung nicht mehr zu nehmen.
Am Ende geht es sehr schnell, Anand bricht unter dem Druck der Drohungen zusammen. Der Bauer auf d5 hängt. Außerdem droht mit 44. Txe7+ Kxe7 45. Sxd5 entscheidender Materialgewinn. (Grafik: Chessbase)
41. ... Tb6 42. Td7 a6 43. Sc3 1:0
Für Endspiele aller Art gibt es eine ganze Menge Merk- und Lernsätze. Einen davon ruft Daniel King in Erinnerung: "Bisher hat Karjakin keinen entscheidenden Vorteil, aber die Zeichen für ihn sind sehr gut. Schwarz hat zwei Schwächen: die Bauern auf a7 und d5 . Und ein klassisches Prinzip bei Endspielen lautet :Das genügt zum Sieg."
Karjakin hätte mit 41. Sd6+ einen Bauern gewinnen können. Aber ob das Turmendspiel nach 41. ... Sxd6 42. Txd6 zum Gewinn reicht, ist unklar.
40. Tc6 Se7 41. Td6
Karjakin wiederholt nun erst einmal die Züge. Ganz sicher nicht, um in ein Remis einzuwilligen. Er will die Zeitkontrolle schaffen und dann mit der zusätzlichen Stunde auf der Uhr ein ernsthaften Gewinnweg finden.
37. a4 Tb7 38. Tc6 Se7 39. Ta6 Sc8
Peter Svidler vs. Levon Aronian: Wie schon am Sonntag konnte Peter Svidler einen Mehrbauern im Endspiel nicht in einen Sieg verwandeln. Das Turmendspiel gegen Aronian endet mit einem Remis. Damit ist das zweite Spiel des Tages beendet.
Das Diagramm zeigt sehr schön den weißen Vorteil auf. Turm und Springer greifen aktiv die schwarze Stellung. Die beiden schwarzen Figuren müssen sich ausschließlich um Verteidigungsaufgaben kümmern. Der weiße König kann gleich im Zentrum in das Spiel eingreifen, Anands bleibt in der Ecke auf f7 gefangen. (Grafik: Chessbase)
35 ... Se7 36. Sb5 Sc8
Der König bleibt erst einmal im Hintergrund. Karjakin sucht die Initiative mit seinem aktiven Springer.
(Grafik: Chessbase)
33. ... Sg8 34. Se6+ Kf7 35. Sd4
Beide Spieler haben bis zur Zeitkontrolle im 40. Zug noch etwas mehr als zehn Minuten und 30 Bonussekunden, die jeder gespielte Zug einbringt. Das ist zwar nicht komfortabel, aber auch nicht ernsthaft kritisch.
31. ... Kg7 32. Sf4 Td7 33. Kf1
Der weiße Turm schnürt den gegnerischen König vom Weg ins Zentrum ab. Dort wird der eigene König nun über g2, f3 und f4 nun hinkommen und entscheidend in das Geschehen eingreifen.
30. Sd3 Tc7 31. Ta6+
Daniel King sucht den Vergleich zur Runde am Sonntag: " Das Endspiel ist unangenehm für Schwarz. Wir haben in der dritten Runde schon in der Partie Nakamura-Svidler so etwas Ähnliches gesehen. Der Amerikaner musste sich sechs Stunden verteidigen und hat schließlich mit großer Mühe das Remis gemacht. Hat der 46 Jährige das 'Sitzfleisch' für die Stellung?"
Die beiden Damen verschwinden vom Brett. Übrig bleibt eine Stellung, in der die Schwächen auf Seiten von Anand liegen. Weiß hat zwei aktive Figuren, Schwarz muss sich um seinen isolierten Bauern auf d5 sorgen. (Grafik: Chessbase)
25.De5 Dxe5 26.Sxe5 Txc1 27.Txc1 g6 28.Tc5 Kg7 29.Ta5 Kf6
Karjakin gruppiert den Springer nach d3 um und greift die schwarzen Bauern im Zentrum an. Auch hier entscheidet sich Anand wie bei seinen Läufern für das sofortige Tauschangebot und damit letztlich die Auflösung seiner Zentrumsoption. 24. ... Tbc7 hätte die Stellungsspannung erst einmal aufrechterhalten.
24. Sd3 c4 25. bxc4 Txc4
Anand muss auf eine konkrete Drohung reagieren. Es drohte die Springergabel 24. Sc4.
23. ... Tb7



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laurelnetz 15.03.2016
1. ...in Blog von Schach-Experte...?
vielleicht mal in Buch von deutsche Grammatik nachschauen?
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