+++ Schach-Kandidatenturnier live +++ Remis im Spitzenspiel, nur Nakamura siegt

Das Top-Duell endet mit einer Punkteteilung: Nach 30 Zügen war zwischen den Spitzenreitern Sergej Karjakin und Lewon Aronjan Schluss. Ein Ex-Weltmeister bleibt in Lauerstellung. Verfolgen Sie die Höhepunkte im Schach-Blog.

Live-Analyse von Bernd Schroller


Das war es für heute. Morgen beginnt die Rückrunde. Ich bin pünktlich um 13 Uhr wieder hier zur Stelle. Bis dahin!
Auch Caruana kann mit dem Turnier bislang nur bedingt zufrieden sein. Der 23-Jährige ist in der Hinrunde ohne Sieg geblieben und verharrt im Niemandsland der Tabelle. Ein wenig hängt ihm auch noch die ausgelassene Gewinnstellung gegen Topalow aus der vierten Runde nach. Ich hatte im Vorwege stark mit ihm gerechnet. Doch auch der Amerikaner muss vermutlich erst einmal mit dem speziellen Druck dieser Veranstaltung zurecht kommen.
Der Sankt-Petersburger wird sich ganz sicher über dieses Remis ärgern. Mit einem Mehrbauern im Mittelspiel hatte er beste Chancen auf ein Comeback nach seiner Niederlage am Donnerstag gegen Anand. Nun muss er mit einer negativen Bilanz in die zweite Turnierhälfte.
Piotr Swidler schlägt mit 45. Lxe4 den schwarzen Springer und offeriert ein Remisangebot. Das nimmt Fabiano Caruana umgehend an. Damit ist auch die letzte Partie des Tages beendet.
Auf der Suche nach dem nächsten Fehlzug. Stellung nach 44. g5. Die Engine sieht die Stellung im Ausgleich. Keiner der Freibauern kann sich am Ende durchsetzen. (Grafik: Chessbase)
43. ... c3 44. Tc7
Doch Swidler schlägt das Geschenk aus. Beide Seiten lassen nun bessere Züge liegen.
42. Ld5+ Kh8 43. d6
Das sieht nicht nach der stärksten Fortsetzung für Schwarz aus, denn dieser Bauer geht nach 41. Ld5+ einfach verloren.
41. Kxb6 c4
Das ist die Stellung nach Erreichen der ersten Zeitkontrolle. Caruana hat 40. ... Te3 gespielt. (Grafik: Chessbase)
Piotr Swidler vs Fabiano Caruana: Im nun noch verbleibenden Spiel haben die beiden Kontrahenten die Zeitnotphase überstanden. Es ist eine Stellung übrig geblieben, in der Swidler seinen Mehrbauern zwar verspielt hat. Der Freibauer auf e5 wirkt aber mächtig.
Wesselin Topalow gibt die Stellung in völlig aussichtsloser Position auf. Hikaru Nakamura hingegen erlebt eine kleine Auferstehung. Auf seine bittere Niederlage gegen Aronjan antwortet er postwendend mit einem Sieg. Für ein echtes Comeback braucht er nun aber natürlich die Serie. Das Diagramm zeigt die Schlussstellung der Partie. (Grafik: Chessbase)
36. ... Dd7 37. Tg5 Se4 38. Txd1 Dxd1 39. Df4 1:0
Nakamura erobert weiteres Material - er hat mittlerweile einen ganzen Turm mehr. Der Amerikaner hat die Drohungen gegen die eigene Königsstellung zudem sicher im Griff, der Gewinn rückt näher.
32. ... Kh7 33. Kh2 Sf6 34. Le3 Tb8 35. Dxb8 Txd1 36. Tb1
Das ist die Stellung nach. 32. Te5. (Grafik: Chessbase)
Hikaru Nakamura - Wesselin Topalow Topalow will nach seinen zwei Niederlagen in den ersten vier Runden nun seinen Spaß. Gestern überraschte er mit seinem ungewöhnlichen Eröffnungszug 3. h4. Heute hat der Taktikfuchs im Mittelspiel eine Figur geopfert, die ihm einen guten Angriff gegen den weißen König ermöglicht. Doch Nakamura verteidigt zäh und hat durch das Mehrmaterial die Chance auf den ersten Sieg.
Damit laufen nun noch zwei Partien, denen wir uns nun zuwenden werden. Im Gegensatz zu den bereits beendeten Partien können wir hier mit einem Gewinn rechnen.
Im Schachtraining wird immer wieder betont, dass man eingeschlagene Pläne nicht ohne Not aufgeben soll. Das gilt heute wohl auch für Aronjan, der seine Möglichkeiten am Damenflügel noch nicht entscheidend ausgereizt hatte. Mit 20. ... e5 oder ... b4 lagen gute Züge auf der Hand,
Beide Spieler wirken im Nachklapp nicht unzufrieden mit dem Ergebnis. Aronjan muss aber eingestehen, dass er die entstehende Stellung nach 20. ... f4 nicht richtig eingeschätzt und am Brett keine Verstärkung seiner Stellung mehr gefunden hat.
30 Züge waren gespielt, die Stellung bot wenig Potenzial zum Weiterspielen. Die Punkteteilung überrascht nicht mehr wirklich. Sergej Karjakin und Lewon Aronjan führen das Klassement zur Halbzeit des Turniers nun mit 4,5 Punkten weiter an. Dritter bleibt Viswanathan Anand mit einem halben Punkt Rückstand.
31. Tbe1 Remis
Nach dem Damentausch dürfte der baldige Remisschluss nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aronjan bietet den nächsten Abtausch an. (Grafik: Chessbase)
27. ... Td6 28. Db8+ Df8 29. Dxf8+ Kxf8 30. Te3 Lc6
Die weiße Dame sorgt weiter für Beschäftigung und befragt nun den Turm auf a6. Über allem schwebt zumindest auch die Idee des Damentausches, denn nach 26 ... Td6 27. Db8 muss Aronjan Df8 spielen. Das entstehende Doppelturmendspiel dürfte Weiß die etwas besseren Chancen bieten.
27. Db7
Mit dem Damenzug deckt Schwarz nicht nur den eigenen Läufer, sein Turm droht nun auch gegen den Bauern auf f2.
26. .... Df7
Aronjan schaut nun schon sehr lange in die Stellung. Er wird weniger über konkrete Züge grübeln, sondern vielmehr die generellen Pläne dieser Stellung überprüfen. Er nähert sich der knappen Bedenkzeit seines Gegenübers an. Wenn es hier kein baldiges Remis gibt, dürfte es ganz sicher auf eine Zeitnotphase hinauslaufen.
Wenn Karjakin die schwarzen Angriffsbemühungen neutralisiert, hat er vermutlich die etwas gesündere Bauernstruktur. Die Computerengines sehen die Stellungen im völligen Ausgleich. Sprich: Laut der mitlaufenden Rechner hat Aronjan seine Initiative verspielt. Man wird sich die Stellung im 20. Zug anschauen müssen, 20. ... f4 scheint verfrüht gewesen zu sein.
Beide Spieler haben in Folge des Läufertausches auf f4 zwei Bauern erobert. Das Materialverhältnis ist also weiter gleich. Doch der Charakter der Stellung hat sich gewandelt. Aronjan hat von seinen Möglichkeiten am Damenflügel Abstand genommen und in Richtung des weißen Königs umgeschwenkt. Es wird sich zeigen, ob seine Versuche genauso ins Leere gehen wie die von Karjakin. Die Idee ist sicherlich, den Turm auf die g-Linie zu bringen und mit dem Läufer nach h3 zu kommen. Doch Weiß hat viele Verteidigungsmöglichkeiten.
25. .... Dh5 Dc7
Karakin bietet die Dame zum Tausch. Stellung nach 25. Dg3 (Grafik: Chessbase)
24. De3 Dxh4 25. Dg3
Nun geht es relativ schnell. Aronjan öffnet die f-Linie. Die Partie bekommt nun einen anderen Charakter. Schwarz greift am Königsflügel an und gibt dafür seine Bauernstellung am Damenflügel preis
20. ... f4 21. Lxf4 Lxf4 22. gxf4 Dxf4 23. Dxc5 Tf5
Karjakin muss sich nun um seine Bauern am Damenflügel kümmern. Die schwarze Dame schielt nach b2, der Deckungsläufer des Bauern soll sich entwickeln. Karjakin will ihn vermutlich gegen den starken schwarzen Läufer auf d6 tauschen.
20. Tb1
Anish Giri vs. Viswanathan Anand: Das hatte sich schon eine ganze Weile angekündigt. Nach früh vollzogenem Gerneralabtausch fast aller Figuren blieb ein Endspiel übrig, dass keinem der beiden Spieler mehr eine Gewinnmöglichkeit bot und so im Remis endete. Nach seinem Sieg gestern hat Anand damit eine entspannte Schwarzpartie über die Runden gebracht. Das erinnert verdächtig an das Kandidatenturnier 2014.

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