+++ Schach-Kandidatenturnier live +++ Karjakin rettet Remis im russischen Duell

Fabiano Caruana hat Hikaru Nakamura in einer spannenden Partie geschlagen. In den anderen drei Partien gab es keine Sieger. Verfolgen Sie die Höhepunkte im Schach-Blog.

Live-Analyse von Bernd Schroller


Damit gilt der Eingangssatz zur diesem Live-Blog. Das Turnier bleibt sich treu. Auch heute endeten drei der vier Partien in der Punkteteilung. Durch den Sieg von Fabiano Caruana ist der Anwärterkreis auf den Turniersieg nun auf vier Kandidaten angewachsen. Aber auch den weiterhin ungeschlagenen Anish Giri auf darf man als Fünften natürlich noch nicht abschreiben.
Sergej Karjakin besteht auch die nächste Prüfung und hält das für ihn ungüstige Endspiel remis. Swidler hat am Ende keinen Gewinn weg mehr gesehen und seinem Landsmann die Punkteteilung offeriert.
51. ... g6 52. Te5 Remis
Wiederholt sich die Geschichte? Schon gestern ist Swidler nicht gelungen, ein für ihn günstiges Endspiel in den Punkt zu verwandeln. Und auch hier ist sein Ansatz nicht frei von Kritik. Schwarz kommt recht einfach zu Txe2. Das hätte Weiß verhindern können. (Grafik: Chessbase)
Doch Swidler fand in der Stellung den richtigen Verteidigungsweg. Und nach der Abwicklung in ein Endspiel mit je zwei Türmen und einem Springer fand der Sankt-Petersburger immer besser in die Partie. Stellung nach 42. ... Kh7. (Grafik: Chessbase)
Piotr Swidler vs Sergej Karjakin: Zwei Partien laufen noch, werfen wir zunächst einmal den Blick zum russischen Duell. Dort haben sich beide Spieler nach der Zeitkontrolle erst einmal neu gesammelt und den Blick in die Stellung intensiviert. Karjakin hatte lange die Initiative und als Schwarzer zwei Bauern tief in die weiße Stellung nach e3 und f4 eingepflanzt.
Lewon Aronjan vs Anish Giri: Eine weitere Partie ist bereits beendet. Das Remis zwischen Aronjan und Giri hatte sich lange angedeutet. Der zusammen mit Karjakin führende Armenier hatte schon in der Eröffnung wenig Ambitionen gezeigt, die Punkteteilung in einem Endspiel mit jeweils Turm und Läufer erfolgte kurz nach der Zeitkontrolle im 42. Zug.
Auf alle Fälle waren diese 33 Züge ein tolles Spektakel, es war eine Partie jenseits der sonst oft typischen Eröffnungsdiskussionen. Beide Spieler haben hier ihre Chance gesucht.
Oft wird Caruana nachgesagt, dass er zu zaghaft in die Partien geht und ein wenig das Risiko scheut. Mit diesem heutigen Gewinn hat er es seinen Kritikern ein Stück weit gezeigt. Der 23-Jährige behielt in der kritischen Phase um den 20. Zug ruhigen Kopf und sicherte erst einmal seine Königsstellung entscheidend ab. Die anschließende Abwicklung zum Sieg wirkte dann fast schon lässig. Es waren heute eher die ruhigen Züge, die überzeugten - 22. c3! und 23. Sd2!
Und Caruana hat allen Grund, positiv gestimmt in die zweite Turnierhälfte zu gehen. Er wirft mit seiner ersten Gewinnpartie den Ring in die Manege. Bleibt er heute der einzige Sieger, was mit Blick auf die anderen Bretter im Bereich des Möglichen liegt, schließt er bis auf einen Punkt zur Tabellenspitze auf. Damit hätten wir dann endgültig vier Kandidaten, die sich um den Turniersieg streiten.
Dieses Ende hat für beide Spieler entscheidenden Charakter. Nach der dritten Niederlage kann Nakamura jede Hoffnung auf ein persönliches Turnierwunder abschreiben. Er wird mit dem Ausgang des Wettkampfes nichts zu tun haben. Für ihn geht geht es in den kommenden Tagen noch um ein paar schöne Partien.
Das ist die Stellung, in der Hikaru Nakamura die Waffen streckte und seine dritte Turnierniederlage eingestehen musste.(Grafik: Chessbase)
Nach 33. c4 gibt Nakamura die Partie auf. Er steht völlig auf Verlust. Der Läufer auf h4 geht verloren, der Angriff gegen seinen König ist früher oder später tödlich.
23. Sd2
Daniel King ist gegenüber der schwarzen Stellung mehr und mehr skeptisch: "Der Rückzug des Läufers ist ein Eingeständnis von Nakamura dass er die Initiative verloren hat. Caruana hat einige vielversprechenden Züge hier zur Verfügung: d4, b4, oder Dxa2...."
22. ... Lf8
Caruana bringt wirklich erst einmal das Feld b4 unter seine Kontrolle. Die Dame könnte auf a2 auch den Bauern zurückgewinnen und – das hier hier wohl wichtiger- in der Diagonalen a2-g8 einen Blick in Richtung des schwarzen Königs werfen. (Grafik: Chessbase)
22. c3
Mit 22. d4 geht Weiß direkt in die Offensive. 22. Sd2, Ld2 oder auch c3 wären zunächst eher Züge, die sich noch einmal um die Konsolidierung am Damenflügel kümmern und das Feld b4 unter Kontrolle bringen. Das wäre natürlich auch eine Option.
Das ist jetzt ein ganz wichtiger psychologischer Zeitpunkt für Caruana. Er wird spüren, dass der schwarze Angriff ins Leere läuft. Und er weiß, dass er nun selbst über Angriffsressourcen verfügt. Hier besteht nun also die Chance, mit einem Sieg endlich ernsthaft in das Turnier einzusteigen. Aber nach bereits sieben gespielten Partien ist auch ein gewisser Druck vorhanden.
Für Großmeister Daniel King gerät Nakamuras Angriff ins Stocken: „Caruana nutzt eine kluge Verteidigungsidee: die gegnerischen Bauern schützen den eigenen König. Es ist nicht ganz klar wie Schwarz den Angriff verstärkt. Jetzt ist Weiß auf der anderen Seite des Bretts dran.“
21. b3 Sa6
Auf der Suche nach einem Kompromiss? Nakamura beseitigt unter Aufgabe seines Läufer zunächst den Springer und entlastet die Drohung gegen das Feld g7. Dann kümmert er sich aber wieder um seinen Angriff und zieht den zweiten a-Bauern vor.
19. ... Lxf5 20. exf5 a3
Nakamura entscheidet sich für das Schlagen auf a2, der Königszug ist erzwungen. Schwarz könnte jetzt mit 19. ... a3 20. b4 Sa4 die Springergabel auf c3 drohen. (Grafik: Chessbase)
18. ... bxa2+ 19. Ka1
Zeit wird in dieser Partie ganz sicher eine Rolle spielen. Nun überlegt Nakamura wieder sehr lang über die Fortsetzung nach. Die Uhr zeigt schon weniger als 40 Minuten an. Hinzurechnen muss man natürlich immer die 30 Bonussekunden, die es für jeden gespielten Zug gibt. Früher war es übersichtlicher. Da hat jeder Spieler für die ersten 40 Züge zwei Stunden Zeit gehabt und war dann selbst für die Einteilung verantwortlich. Die Bonussekunden-Regel verhindert nun aber ein 'Fallen des Blättchens', man kann also nicht mehr wirklich durch Zeitüberschreitung verlieren. Man muss seinen Zug dann halt immer innerhalb der 30 Sekunden aufs Brett bringen.
Auch unser Experte Daniel King will sich in dieser Stellung noch nicht so recht festlegen: „Ein faszinierendes Duell zwischen den beiden amerikanischen Rivalen. Von der Persönlichkeit her ist Caruana sachlicher als sein heutiger Gegner. Auf der anderen Seite des Bretts sitzt Nakamura ein echter Zocker, ein Straßenkämpfer. Die Stellung ist so kompliziert, man kann nur sagen 'unklar'.“
Auch Nakamura muss nun zwischen offensiven und defensiven Plänen abwägen. 18. .... Lxf5 oder g6 würde ein wenig Druck aus der g-Linie nehmen, Weiß aber auch noch einmal die Möglichkeit geben, das Herausschlagen auf a2 zu verhindern.
Die Visiere bleiben unten, auch Caruana verfolgt seine Angriffspläne auf der g-Linie. Sein Springer auf f5 und sein Turm auf g1 nehmen das Feld g7 ins Visier. Das könnte Schwarz zur Aufgabe seines weißfeldrigen Läufers auf e6 zwingen, der ja so stark in Richtung a2 schaut.
18. Thg1
Die Vorzeichen haben sch bewandelt. Nachdem Nakamura im 14. Zug lange nachdachte, zieht er nun den gewählten Plan sehr schnell durch. Er scheint sich seiner Sache sicher zu sein. Caruana schaut nun sehr viel länger in die Stellung. Diesen Partieverlauf hatte er im Vorwege ganz sicher so nicht vorbereitet.
17. g5 b3
Schwarz möchte nun mit b3 die Stellung am Damenflügel aufreißen. Weiß kann dies ignonieren und selbst aktiv werden. 17. Thg1, h4 oder g5 wären hier die möglichen Züge. Oder Caruana nimmt die schwarzen Drohungen ernst und verteidigt sie zunächst. Dann wäre 17. Tc1 eine Idee zur Absicherung seiner Königsstellung.
16. ... b4
Die Zeichen bleiben auf Angriff. Nakamura gruppiert seine Figuren weiter in Richtung des weißen Königs. Die Engines sehen in diesem Vorgehen keinen Fehler, sie bewerten die Stellung im Ausgleich. Es könnte aber ein Ritt auf der Rasierklinge werden. Entscheiden sich beide Seiten zur Attacke, dann kann ein verschenktes Tempi vielleicht schon über den Ausgang der Partie entscheiden. (Grafik: Chessbase)
14. ... Sc5 15. g4 Le6 16. Kb1
Nakamura bietet mit Schwarz im Spanier die in der Weltspitze oft gespielte Berliner Verteidigung an, Caruana wählt mit 5. Lxc6 eine frühe Abtauschvariante des Läufers. Etwas seltener ist dann De2 im siebten Zug. So haben wir nun eine Stellung mit Rochaden zu beiden Flügeln hin. (Grafik: Chessbase)
1 ... e5 2. Sf3 Nc6 3. Lb5 Sf6 4. d3 Lc5 5. Lxc6 dxc6 6. Sbd2 O-O 7. De2 Te8 8. Sc4 Sd7 9. Ld2 Ld6 10. O-O-O
Caruana eröffnet mit dem Königsbauern. Beide Spieler haben in der Vergangenheit schon sehr oft sowohl den Spanier als auch den Sizilianer diskutiert.
1. e4
Die vier Partien sind freigegeben.
Die erste Turnierhälfte ist gespielt. Wir fangen praktisch wieder von vorne ein. Und ich widme mich heute als SChwerpunktb zunächst genau wie in der ersten Runde der Partie zwischen Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura. Doch die Voraussetzungen sind heute andere als vor Wochenfrist, als ich die beiden Amerikaner als Favoriten ins Rennen schickte. Der Lack ist aber ein wenig ab. Caruana ist mit sieben Remisen relativ glanzlos durch die erste Turnierhälfte geschlichen, Nakamura verlor vor seinem gestrigen Sieg zwei Mal selbstverschuldet.
Hier suchte Aronjan mit 20. … f4 sein Glück am Königsflügel auf der sich öffnenden f-Linie. In der Analyse wirkt 20. … b4 als der stärkere Plan. (Grafik: Chessbase)



insgesamt 6 Beiträge
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wir sind ein berliner 20.03.2016
1.
Ein verschenktes Tempo. Ein Tempo, zwei Tempi.
Albert_Spangler 20.03.2016
2. Notation
Die Kommentare sind ok, aber die Notation ist schlampig, Sf3 Nc6 und Tg1, ja welcher denn?
jackoconnor 20.03.2016
3. Schach...
und Fussball sind für mich die wirklich spannendsten Sportarten. Schön, dass Spon sich dem in entsprechender Häufigkeit widmet. Passiert wirklich nichts interessanteres in der Welt?
immoprivat 20.03.2016
4. kleiner Fehler in Notation
"Der Computer wirft uns jetzt schon einen sehr einfachen Gewinnweg aus. Die Engines sind in diesen Stellungen ohne Gnade. 31. Txh7 Kxh7 32. Dh5+ Kg8 33. Dxe8 Sxe8 34. Sxf6 gewinnt einen ganzen Läufer. (Grafik: Chessbase)" Der Springer muss noch die investierte Dame schlagen und kann dann selbst geschlagen werden, und außerdem müsste es wohl so notiert sein, da Schwarz gar keinen Springer mehr hat, um im 33. zu schlagen: 33. Dxe8+ Dxe8 34. Sxf6+ und bspw Kf7 35. Sxe8 Kxe8 ... oder?
widower+2 20.03.2016
5. Und dann noch diese schiefen Sprachbilder
Vorhin waren die "Visiere weiterhin unten", obwohl ein Kampf mit offenem Visier gemeint war, und nun das: "Er wirft mit seiner ersten Gewinnpartie den Ring in die Manege." Gemeint ist offensichtlich, dass er seinen Hut in den Ring wirft.
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