+++ Schach-Kandidatenturnier live +++ Remis nach fast sieben Stunden

Anand verliert, aber Caruana fast auch: Nach einem turbulenten Tag beim Kandidatenturnier zur Schach-WM hat nun Sergej Karjakin die besten Karten. Verfolgen Sie die Partien im Live-Blog.

Live-Analyse von Bernd Schroller


Caruana verteidigt mit dem Remis die Tabellenführung. Er muss die Klassementspitze nun aber nicht mehr mit Anand teilen, der heute verlor und damit seine Chance auf eine weitere WM verspielte, sondern mit Sergej Karjakin. Der Russe ist nach seinem zweiten Sieg gegen Topalov nun wieder gleichauf mit Caruana.
Die genauere Analyse der Partie wird sich sicherlich mit der Phase zwischen dem 45. und 60. Zug auseinandersetzen müssen. Dort konnte Aronjan seinen Druck verschärfen und am Königsflügel mit 45. ... g4 die Stellung aufreißen Alternativ stand noch ein Turmopfer auf d3 im Raum. In jedem Falle war eine lange sehr ausgeglichene Stellung von einem zum nächsten Moment mehr als unklar. Caruana verteidigte die kritische Stellung aber gut und konnte die Niederlage so abwenden.
In dieser Stellung neutralisieren sich beide Seiten weitgehend. Der schwarze König muss sich weiter um die weißen Bauern kümmern und kommt nicht Richtung g2. (Grafik: Chessbase)
Die Könige ziehen noch ein wenig hin und her. Doch dann erfolgt der Friedensschluss. Die Partie hat in der fünften Stunde noch einmal ordentlich Fahrt aufgenommen.
56. .... Dg2 57. Dg3+ Dxg3 58. fxg3 Tf2+ 59. Kc3 Kf6 60. d4 Kg5
Aronjan wiederholt zweimal die Stellung und zieht dann den Bauern vor. Er will sich mit seiner vorteilhaften Stellung nun sicher über die Zeitkontrolle retten und dann weitersehen. (Grafik: Chessbase)
53. Kd2 Dg2 54. Ke2 Dg4+ 55. Kd2 h2 56. Th1
Caruana hat noch mehr als zehn Minuten für die sieben Züge bis zur Zeitkontrolle. Er muss abwägen, ob der König nach d2 geht und den h-Bauern aus den Augen verliert oder er mit f3 die zweite Reihe schwächt.
51. ... h3 52. De3 Dg4+
Aronjans Zeit ist schon wieder bei weniger als fünf Minuten angekommen. Die Stellung ist brandgefährlich, mit Dame und Turm kann man immer wieder auch in den tödlichen Konter laufen. Aber bislang spielt der Armenier seine unglaubliche Endspielstärke aus. Wie kaum ein anderer kann er Gewinnwege finden.
49 .... Tf6 50. Dxc3 Dxg2 51. Dd4
Der Klassementführer taumelt nun, sein König steht ohne den Schutz der Schwerfiguren im Zentrum. Wenn Aronjan nun 49. ... Tf6 findet, dann droht er mächtig am Königsflügel. Er kann sich zum einen mit Dg2 einen Freibauern schaffen, zum anderen ist aber auch f2 unter Beschuss. Da ist sie, die zweite Schwäche! (Grafik: Chessbase)
47 ... Td6 48. Dxb4 Dg5+ 49. Ke2
Aronjan folgt der ursprünglichen Idee am Königsflügel, beide spielen nun sehr schnell weitere Züge.
45. ... g4 46. hxg4 Dxg4+ 47. Ke3
Aber das ist nun wohl der kritische Moment in dieser Partie. Aronjan überlegt und wägt das Risiko ab. Er könnte mit 45. ... g4 auch sehr viel konservativer fortsetzen und das Endspiel auf der Suche nach der zweiten Schwäche weiterführen
Nicht ganz! Der schwarze Bauer steht auf g5 und so hat Weiß nach 47. cxd3 Dxd3+ 48. Kg1 Dc4 49. Db1 c2 50. Dc1 den Konter in Richtung des Königs, der dann ungeschützt steht. Aronjan in der aktuellen Stellung könnte immer noch opfern auf d3, aber Caruana hat dann die Chance auf das Dauerschach.
Ist das nun nicht die gleiche Stellung wie im 38. Zug? Geht nun erneut das Opfer 45. ... Dd2+ 46. Kf1 Txd3?
44. Ta8 Df4 45. Ta1
Der weiße Turm gibt die Grundreihe auf und Aronjan streut einfach mal eine Mattidee ein. Die Dame kann nun für f4-d2-d1 den gegnerischen König tödlich bedrohen. Doch wenn der Turm auf die erste Reihe zurückkehrt, ist alles wieder im Lot. Aber auch hier wird deutlich: Schwarz droht und Weiß muss zumeist reagieren.



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Rumo75 25.03.2016
1. Caruana
Caruana sollte natürlich versuchen, eine seiner beiden verbliebenen Weißpartien zu gewinnen, gegen einen angeschlagenen Aronian und gegen Peter Svidler, der einfach der schwächere Spieler ist. Aber er "muss" gar nichts. Um ihn zu überholen, muss entweder Anand oder Karjakin 2 Punkte aus den letzten 3 Runden holen. Anand hat zweimal Schwarz und einmal Weiß gegen Giri, also ein zu diesem Zweck denkbar schweres Restprogramm. Karjakin hat eine Weißchance gegen Topalov, und letzte Runde noch eine gegen Caruana selbst. Wenn also Caruana die letzten drei Partien remisiert, und Karjakin am Sonntag nicht Topalov schlägt, ist Caruana mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Turniersieger und nächster Herausforderer von Carlsen.
chaiselongue 25.03.2016
2. Spannung
Nicht ganz richtig. Caruana und Anand liegen gleich auf. Wenn Caruana nur remis spielt, reicht Anand auch eine Gewinnpartie.
io_gbg 25.03.2016
3.
Ab 14:41 (der genannte "Zug 18" ist tatsächlich Zug 20) ist bis 15:24 die Zählung der Züge falsch. Bitte, Redaktion, passt doch besser auf. Gestern waren auch Fehler drin.
Rumo75 25.03.2016
4.
Nein, sie liegen eben nicht gleichauf. Caruana hat den direkten Vergleich gegen Anand gewonnen, und damit den besseren Tiebreaker. Sofern Caruana nicht mehr verliert, benötigt Anand also entweder einen Schwarzsieg, oder einen Weißsieg gegen Giri. Dass das passiert ist möglich, aber eher unwahrscheinlich.
widower+2 25.03.2016
5. ?
Die letzte Grafik hat wieder einmal nichts mit der aktuellen Stellung auf dem Brett zu tun.
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