+++ Schach-Kandidatenturnier live +++ Remis nach fast sieben Stunden

Anand verliert, aber Caruana fast auch: Nach einem turbulenten Tag beim Kandidatenturnier zur Schach-WM hat nun Sergej Karjakin die besten Karten. Verfolgen Sie die Partien im Live-Blog.

Live-Analyse von Bernd Schroller


Morgen ist Ruhetag. Den haben sich die Spieler nach den drei sehr aufregenden Runden auch verdient. Ich bin gespannt, welchen der vielen interessanten Momente des Tages sich Daniel King für seine spätere Videoanalyse herausgesucht hat. Am Sonntag lesen wir uns erst um 14 Uhr. Da in Russland die Uhren am letzten März-Wochenende nicht mehr umgestellt werden, in Deutschland aber schon, beginnen wir eine Stunde später. Bis dahin!
Piotr Swidler vs Anish Giri: Irgendwann hat auch Anish Giri das Einsehen, dass er trotz des Mehrbauern keine Chance mehr hat, die Partie noch zu gewinnen. Das längste Spiel des Tages endet nach 6 Stunden und 45 Minuten ebenfalls remis.
Daher wird Caruana ganz sicher versuchen, morgen mit Weiß gegen Piotr Swidler den ganzen Punkt zu holen und so vielleicht mit einem Vorteil ins Endspiel zu gehen. Karjakin hat in der Vorschlussrunde gegen Aronjan Schwarz.
Das könnte am Ende also ein echtes Enspiel werden, da die Spielansetzung für die 14. und letzte Runde das Duell zwischen Sergey Karjakin und Fabiano Caruana vorsieht. Gehen beide Spieler punktgleich in die finale Runde, dann reicht dem Russen mit Weiß ein Remis, weil dann die Anzahl der Gewinnpartien den Ausschlag gibt.
Caruana verteidigt mit dem Remis die Tabellenführung. Er muss die Klassementspitze nun aber nicht mehr mit Anand teilen, der heute verlor und damit seine Chance auf eine weitere WM verspielte, sondern mit Sergej Karjakin. Der Russe ist nach seinem zweiten Sieg gegen Topalov nun wieder gleichauf mit Caruana.
Die genauere Analyse der Partie wird sich sicherlich mit der Phase zwischen dem 45. und 60. Zug auseinandersetzen müssen. Dort konnte Aronjan seinen Druck verschärfen und am Königsflügel mit 45. ... g4 die Stellung aufreißen Alternativ stand noch ein Turmopfer auf d3 im Raum. In jedem Falle war eine lange sehr ausgeglichene Stellung von einem zum nächsten Moment mehr als unklar. Caruana verteidigte die kritische Stellung aber gut und konnte die Niederlage so abwenden.
In dieser Stellung neutralisieren sich beide Seiten weitgehend. Der schwarze König muss sich weiter um die weißen Bauern kümmern und kommt nicht Richtung g2. (Grafik: Chessbase)
Die Könige ziehen noch ein wenig hin und her. Doch dann erfolgt der Friedensschluss. Die Partie hat in der fünften Stunde noch einmal ordentlich Fahrt aufgenommen.
66. Kb4 Ke5 67. Kb5 remis
Schon gegen Anish Giri musste Caruana in die siebte Stunde gehen. Auch gegen den Niederländer musste er sich bei zeitweise vier Minusbauern gegen die Niederlage stemmen. Am Ende reklamierte er erfolgreich die dreifache Stellungswiederholung und sicherte sich so den halben Punkt.
64. Kxb4 Txc2 65. Kb5 Kd6
Auch die vierte Partie zwischen Piotr Swidler und Anish Giri läuft noch und befindet sich in der siebten Stunde. Auch da sind wir in einem Turmendspiel angekommen, in dem Giri über einen Mehrbauern verfügt.
Beide Spieler haben nun für den Rest des Abends noch einmal eine Viertelstunde Bedenkzeit bekommen. Bei den 30 Bonussekunden pro Zug bleibt es natürlich, so dass sich ein solches Spiel schon noch etwas hinziehen kann.
61. d5 Kf6 62. g4 Ke5 63. g5 b4+
Daniel King gibt uns eine Prognose, die sich ja auch ein wenig mit meiner Einschätzung deckt: „Aronian spielt beeindruckend stark. Trotz Zeitnot findet er eine Reihe von gefährlichen Zügen. Caruana hat entsprechend gut verteidigt und die Partie sollte nun remis ausgehen. Der schwarze König kann den h-Bauer nicht unterstützen, da der weiße d-Bauer zu gefährlich wird.“ (Grafik: Chessbase)
Nach dem Vormarsch des h-Bauern und Dg2 war der Damentausch für Weiß zwangsläufig. Nach der Zeitkontrolle ist nun ein Turmendspiel übrig geblieben, in dem Weiß auf seine Bauern im Zentrum hoffen darf. Sie werden den schwarzen König beschäftigen müssen, damit dieser nicht seinem Turm zur Seite springen kann.
56. .... Dg2 57. Dg3+ Dxg3 58. fxg3 Tf2+ 59. Kc3 Kf6 60. d4 Kg5
Aronjan wiederholt zweimal die Stellung und zieht dann den Bauern vor. Er will sich mit seiner vorteilhaften Stellung nun sicher über die Zeitkontrolle retten und dann weitersehen. (Grafik: Chessbase)



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Rumo75 25.03.2016
1. Caruana
Caruana sollte natürlich versuchen, eine seiner beiden verbliebenen Weißpartien zu gewinnen, gegen einen angeschlagenen Aronian und gegen Peter Svidler, der einfach der schwächere Spieler ist. Aber er "muss" gar nichts. Um ihn zu überholen, muss entweder Anand oder Karjakin 2 Punkte aus den letzten 3 Runden holen. Anand hat zweimal Schwarz und einmal Weiß gegen Giri, also ein zu diesem Zweck denkbar schweres Restprogramm. Karjakin hat eine Weißchance gegen Topalov, und letzte Runde noch eine gegen Caruana selbst. Wenn also Caruana die letzten drei Partien remisiert, und Karjakin am Sonntag nicht Topalov schlägt, ist Caruana mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Turniersieger und nächster Herausforderer von Carlsen.
chaiselongue 25.03.2016
2. Spannung
Nicht ganz richtig. Caruana und Anand liegen gleich auf. Wenn Caruana nur remis spielt, reicht Anand auch eine Gewinnpartie.
io_gbg 25.03.2016
3.
Ab 14:41 (der genannte "Zug 18" ist tatsächlich Zug 20) ist bis 15:24 die Zählung der Züge falsch. Bitte, Redaktion, passt doch besser auf. Gestern waren auch Fehler drin.
Rumo75 25.03.2016
4.
Nein, sie liegen eben nicht gleichauf. Caruana hat den direkten Vergleich gegen Anand gewonnen, und damit den besseren Tiebreaker. Sofern Caruana nicht mehr verliert, benötigt Anand also entweder einen Schwarzsieg, oder einen Weißsieg gegen Giri. Dass das passiert ist möglich, aber eher unwahrscheinlich.
widower+2 25.03.2016
5. ?
Die letzte Grafik hat wieder einmal nichts mit der aktuellen Stellung auf dem Brett zu tun.
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