+++ Schach-Kandidatenturnier live +++ Caruana spielt nur remis gegen Swidler

Sehr lange suchte Fabiano Caruana nach einem Gewinnweg gegen Pjotr Swidler. Nach über sieben Stunden musste er sich mit einem Remis begnügen. Auch sein größter Konkurrent erreichte eine Punkteteilung. Lesen Sie die Partien im Live-Blog nach.

Live-Analyse von Bernd Schroller


Das war es für heute. Morgen sehen wir uns hier ein letztes Mal. Wieder um 14 Uhr. Ich wünsche einen angenehmen Abend. Bis dahin!
Eine kleine Einschränkung gibt es: Endet die Partie zwischen Karjakin und Caruana remis, Anand gewinnt aber mit Schwarz gegen Swidler, hieße der Turniersieger Caruana. In diesem Falle wären nämlich drei Spieler punktgleich und in diesen direkten Dreier-Duell hätte der Amerikaner mit 2,5 Punkten die Nase vorn.
Nach der längsten Partie dieses Turniers sind die Vorraussetzungen für morgen klar. Nur noch Sergej Karjakin und Fabiano Caruana können morgen den Turniersieg holen. Im Duell dieser beiden Spieler muss der Amerikaner mit Schwarz gewinnen, weil bei Punktgleichheit die die Anzahl der Gewinnpartien für den Russen spricht.
Da bin ich fast selbst durcheinander geraten. Piotr Swidler schafft die 50 Züge und so endet die Partie in der Punkteteilung.
114. Le3 Te6 115. Tb3 Tc6+ 116. Kd5 remis
Swidler hat sich wieder etwas aus dem Mattnetz gezogen und muss jetzt noch drei Züge mit zum Remis schaffen.
105. Lf2 Rg5 106. Th7 Tg4+ 107. Ld4 Tg5 108. Th8 Tb5 109. Ta8+ Ta5 110. Tb8 Th5 111. Lf6 Ka5 112. Lc3+ Ka6 113. Ld4 Th6
Die Endspieldatenbanken sprechen übrigens gar nicht eine klare Sprache. Die dort zu findenden Partie mit einem solchen Materialverhältnis endet überraschend oft mit einem Sieg für den Spieler mit Läufer und Turm.
Caruana hat hier nun ein Mattnetz gegen den König auf der a-Linie aufgebaut. Schwarz muss das Matt nun mit seinem Turm abwehren. Noch hält die Stellung. (Grafik: Chessbase)
97. Ld6 Tc8 98. Ta3+ Kb5 99. Tb3+ Ka4 100. Tb4+ Ka5 101. Lc5 Rh8 102. Tb7 Ka4 103. Kc4 Th4+ 104. Ld4 Th5
Caruana hat jetzt noch einmal eine kritische Stellung erreicht, in der Swidler noch einmal ein wenig zittern muss.
93. Td6 Ka4 94. Kc6 Tb8 95. Td3 Tc8+ 96. Kd5 Td8+
Bis zum 116. Zug hat Caruana nun noch Zeit, dieses Endspiel zu gewinnen. Dann greift die 50-Züge-Regel, nach der eine Partie in der Punkteteilung endet, wenn innerhalb von 50 Zügen keine Figur geschlagen oder ein Bauer gezogen wird.
87. Ld6 Ka4 88. Ta6+ Kb5 89. Ta1 Kb6 90. Tc1 Kb5 91. Tc6 Ka4 92. Lc5 Kb5
Lewon Aronjan vs Sergej Karjakin: Aronjan hat seine Gewinnversuche aufgegeben, die Partie endet remis. Karjakin dürfte mit dieser Ausbeute leben können. Wie es ausschaut, dürfte er morgen mit guten Aussichten in die Schlussrunde gehen.
78. ... Kc8 79. Ke6 Kc7 80. Ta6 Tb5 81. Ta1 Kc6 82. Tc1+ Kb7 83. Kd6 Ka6 84. Tc6+ Ka5 85. Lc5 Tb7 86. Kd5 Kb5
Für Swidler geht es in diesem Turnier natürlich um nichts mehr, er muss in einer solchen Partie natürlich aufpassen, dass ihm nicht ein Aussetzer passiert. Nichts ist peinlicher als eine technische Remisstellung noch zu versemmeln. Das könnte einem glatt das gesamte Turnier versauen. In erster Linie muss er in dieser Stellung aufpassen, dass sich der König nicht in die Ecke drängen lässt.
Die Stellung nach dem 78. Zug von Weiß. (Grafik: Chessbase)
72. Lc5 Kc7 73. Tg6 Kd7 74. Th6 Kc7 75. Tc6+ Kd7 76. Lb6 Ke8 77. Ld4 Kd7 78. Td6+
Die Züge werden nun recht flott runtergespielt. Nach dem 60 Zug haben beide Seiten noch einmal 15 zusätzliche Minuten bekommen, jeder gespielte Zug bringt 30 weitere Sekunden.
68 ... Kc8 69. Kd4 Tb6 70. Kd5 Tb7 71. Tg8+ Kd7 72. Tc5
Bei der letzten Weltmeisterschaft quälte Magnus Carlsen in der zweitlängsten Partie der WM-Geschichte Anand über geschlagene 122 Züge mit einer ähnlichen Materialverteilung. Der Norweger hatte anstelle eines Läufers nur den Springer. Es ist klar, dass Caruana in der heutigen Partie keine Möglichkeit auslassen will, sich einen Vorteil für die Schlussrunde zu verschaffen. Aber andererseits muss er auch noch Kräfte für morgen aufsparen. Er weiß aber natürlich auch, dass Karjakin ein Brett weiter auch noch "arbeiten" muss.
64. c5 Kb7 65. Tg6 Lxa5 66. Lxa5 Txc5 67. Lb4 Tc6 68. Ld6
Swidler kann in dieser Stellung seinen Läufer für die beiden Bauern geben. Das entstehende Endspiel mit Turm und Läufer gegen Turm ist eigentlich nicht zu gewinnen. Natürlich kann es Caruana 50 Züge lang versuchen, er muss aber auf einen Fehler des Gegners hoffen (Grafik: Chessbase)
62. Txa6 Kc8 63. Kd3 Th5
Swidler gibt seine beiden Bauern, er hat damit aber für Daniel King den direkten Weg ins Remis gefunden: "Sehr schlau von Swidler verteidigt! Er gibt den a-Bauer, aber dann kann der
weiße Turm nicht entkommen, ohne einen Bauer zu verlieren."
59 ... Txf2 60 Txg6 Tf3+ 61. Kc2 Tf5
In der anderen noch laufenden Partie rückt ein Remis in größere Nähe. Zwar hat Aronian eine Figur mehr auf dem Brett und versucht es weiter, doch Karjakin sollte die Stellung dank seines schwarzen Freibauerns auf a2 remis halten. Könnte also Caruana seinen Vorteil gegen Swidler realisieren, dann würde er als alleinig Führender in die Schlussrunde gehen und ihm würde dann die Punkteteilung zum Turniersieg reichen
57. Ke3 Te6+ 58. Kd3 Tf6 59. Tg5



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Seite 1
Rumo75 27.03.2016
1.
Der besagte Amateurschachspieler hat Carlsen nicht in einer Turnierpartie, sondern in einer Simultanvorstellung geschlagen. Diesen winzig kleinen Unterschied unerwähnt zu lassen ist einfach ärgerlich und schlechter Journalismus. Nebenbei bemerkt: Da interviewt ein Mensch mit Elo ca. 1800 einen anderen mit Elo
StefanXX 27.03.2016
2. 100%-ige Zustimmung
Zitat von Rumo75Der besagte Amateurschachspieler hat Carlsen nicht in einer Turnierpartie, sondern in einer Simultanvorstellung geschlagen. Diesen winzig kleinen Unterschied unerwähnt zu lassen ist einfach ärgerlich und schlechter Journalismus. Nebenbei bemerkt: Da interviewt ein Mensch mit Elo ca. 1800 einen anderen mit Elo
Reine Effekthascherei. Im Text an sich wird es zwar dann aufgeklärt, aber so eine wesentliche Info gehört in die Titelzeile. In einer Simultanpartie zusammen mit 70 weiteren Spielern mal das Glück zu haben und gegen Carlsen zu gewinnen ist keine große Kunst. Ja und das leidige Thema mit den Experten hier. Ich bin SPON dankbar dass Sie Schach überhaupt übertragen und Herr Schroller ist bestimmt auch ein netter Mensch und kann immer noch um einiges besser Schachspielen als ich. Aber bei aller Liebe, bei einem WM-Finale im Fussball setze ich als Co-Kommentator auch keinen Bezirksliga-Fussballspieler ein, warum macht man es hier beim Schach?
movfaltin 27.03.2016
3. Kurze Verständnisfrage
---Zitat--- 20. exd5 Sxd5 21. Ne4 ---Zitatende--- Was bedeutet S und was N? Und was ist da der Unterschied? N, weil Caruana Amerikaner ist und Englisch spricht? Müsste dann für Swidler nicht K dastehen? Habe wirklich nicht viel Ahnung von Notation. Irgendwer? Ach ja: Frohe Ostern!
Rumo75 27.03.2016
4.
Da wurde offenbar deutsche und englische Notation durcheinandergeworfen. S=Springer. N=Knight (der Bucgstabe K wird schon vom König beansprucht).
andy9258 27.03.2016
5.
...21. Ne4... ...a7 oder r7 wären für mich die etwas logischeren Rückzüge gewesen.... Im 21.Zug taucht eine Figur auf, die mit N abgekürzt wird, in der Erklärung dazu hat das Shachfeld auf einmal eine Reihe r. Für mich, der ich als Laie der Partie mühsam folge, ist diese redaktionelle Schusseligkeit eine zusätzliche Belastung!
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