+++ Schach-Kandidatenturnier live +++ Caruana spielt nur remis gegen Swidler

Sehr lange suchte Fabiano Caruana nach einem Gewinnweg gegen Pjotr Swidler. Nach über sieben Stunden musste er sich mit einem Remis begnügen. Auch sein größter Konkurrent erreichte eine Punkteteilung. Lesen Sie die Partien im Live-Blog nach.

Live-Analyse von Bernd Schroller


Das war es für heute. Morgen sehen wir uns hier ein letztes Mal. Wieder um 14 Uhr. Ich wünsche einen angenehmen Abend. Bis dahin!
Eine kleine Einschränkung gibt es: Endet die Partie zwischen Karjakin und Caruana remis, Anand gewinnt aber mit Schwarz gegen Swidler, hieße der Turniersieger Caruana. In diesem Falle wären nämlich drei Spieler punktgleich und in diesen direkten Dreier-Duell hätte der Amerikaner mit 2,5 Punkten die Nase vorn.
93. Td6 Ka4 94. Kc6 Tb8 95. Td3 Tc8+ 96. Kd5 Td8+
Bis zum 116. Zug hat Caruana nun noch Zeit, dieses Endspiel zu gewinnen. Dann greift die 50-Züge-Regel, nach der eine Partie in der Punkteteilung endet, wenn innerhalb von 50 Zügen keine Figur geschlagen oder ein Bauer gezogen wird.
87. Ld6 Ka4 88. Ta6+ Kb5 89. Ta1 Kb6 90. Tc1 Kb5 91. Tc6 Ka4 92. Lc5 Kb5
Lewon Aronjan vs Sergej Karjakin: Aronjan hat seine Gewinnversuche aufgegeben, die Partie endet remis. Karjakin dürfte mit dieser Ausbeute leben können. Wie es ausschaut, dürfte er morgen mit guten Aussichten in die Schlussrunde gehen.
78. ... Kc8 79. Ke6 Kc7 80. Ta6 Tb5 81. Ta1 Kc6 82. Tc1+ Kb7 83. Kd6 Ka6 84. Tc6+ Ka5 85. Lc5 Tb7 86. Kd5 Kb5
Für Swidler geht es in diesem Turnier natürlich um nichts mehr, er muss in einer solchen Partie natürlich aufpassen, dass ihm nicht ein Aussetzer passiert. Nichts ist peinlicher als eine technische Remisstellung noch zu versemmeln. Das könnte einem glatt das gesamte Turnier versauen. In erster Linie muss er in dieser Stellung aufpassen, dass sich der König nicht in die Ecke drängen lässt.
Die Stellung nach dem 78. Zug von Weiß. (Grafik: Chessbase)
Caruana kann durch das Turmschach seinen König ins Zentrum überführen und in Richtung seines Freibauern bringen. Bis zur nächste Zeitkontrolle im 60. Zug hat er nun noch knapp zehn Minuten. Das sollte kein echtes Problem sein.
53. c4 Lc7 54. Kf3 Tf6+ 55. Ke3
Viswanathan Anand vs Anish Giri: Anand muss sich auch heute gegen die Niederlage stemmen, was ihm mit Weiß aber gelang. Giri hatte nach einer schönen Kombination im Mittelspiel Springer und Läufer gegen den Turm gegeben, dafür in der Folge aber einige Bauern erobert. Doch dann agierte der Niederländer zu passiv und Anand rettete sich dank seiner aktiven Figuren in die Punkteteilung. Für den Turniersieg dürfte dies zu wenig sein.
52 ... Le5
Über Umwege holt sich Caruana den Bauern auf g4, er möchte mit seinem König noch nicht aus der sicheren Stellung heraus. Weiß muss ein wenig auf den Bauern auf a5 Acht geben, den Schwarz zweifach (z.B. mit Te5 und Ld8) angreifen könnte. Bekommt Swidler dort vielleicht selbst seinen Freibauern, dann ist die Stellung wohl nicht mehr zu gewinnen. (Grafik: Chessbase)
Die Zeitkontrolle ist geschafft, die Züge 41 und 42 waren mehr oder weniger erzwungen. Nach dem Tausch einer ganzen Reihe von Figuren bleibt nun dieses Endspiel übrig. (Grafik: Chessbase)
38. Dxb5 Txb5 39. Ld6 Kh8 40. g4 Sf6 41. Nxf6 Txe1+ 42. Txe1 Lxf6
Swidler gibt in der Zeitnotphase seinen kleinen Vorteil weg. Nach der Auflösung des Zentrums sind auf einmal Dame und Turm angegriffen. Aber der Russe findet einen letzten Zug und erzwingt nun seinerseits einen Damentausch. Das entstehende Endspiel bietet wohl nun eher Caruana Möglichkeiten aufs Weiterspielen. (Grafik: Chessbase)
34. Tae8 35. dxe5 Sxe5 36. Sxe5 Txe5 37. Lxf4 Db5
Swidler zentralisiert seine Dame und weicht dem Tausch aus.
32. .. c4 33. Da4 Dd5 34. Tad1
Caruana hätte hier den Bauern nach 32. Sxc5 Sxc5 33. dxc5 zurückerobern können, weil die Dame dann nicht direkt schlagen darf - der Turm e6 droht die Fesselung. Doch der Bauer auf c5 ist schwach und wird dauerhaft eine schwarze Beute. Und eine Auflösung im Zentrum kommt hier sicher eher Swidler entgegen.
31. d4 Dc6 32. Db3
Swidler erobert auf h5 einen Bauern. Und Caruana verfällt ein weiteres Mal ins Nachdenken. Der Amerikaner hat bis zur Zeitkontrolle im 40. Zug inklusive der Bonussekunden noch knapp zehn Minuten - sein Gegner hat noch 15. Das ist diese sehr komplizierte Stellung, hier lauert hinter jeder Idee der mögliche Patzer. (Grafik: Chessbase)
30. ... Sxh5
Caruana möchte die h-Linie öffnen, doch Swidler hat den feinen Gegenstoß auf f4. Der Deckungsspringer des Bauern auf h5 ist angegriffenen und muss weg. Danach hat Swidler die Chance auf einen Mehrbauern.
27. ... S5f6 28. Bxe6+ Txe6 29. h5 f4 30. Se4
Beide Spieler steuern auf eine echte Zeitnotschlacht zu und Daniel King sieht die Partie an einem kritischen Punkt: „Schwarz hat die aktiven weißen Figuren zurückvertrieben, aber mit den Bauernvorstößen übernimmt er noch mehr Verantwortung für das Spiel. Die Stellung ist kritisch: Entweder Swidler hält das Bauernzentrum fest, um langfristig den Raumvorteil auszunutzen oder Caruana sprengt die Bauernmauer und bekommt einen Angriff gegen den nun nicht mehr so gut geschützten schwarzen König.“
26. Lb3 Dc7 27. h4
Auch mit dem nächsten Bauernzug nach 19. ... d5 sorgt Swidler für eine Veränderung der Stellung. Er reißt seine Königsstellung mit f5 weiter auf. Momentan hat der Läufer auf e6 die Stellung im Griff, aber vielleicht kann Caruana daraus irgendwann Kapital schlagen



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Rumo75 27.03.2016
1.
Der besagte Amateurschachspieler hat Carlsen nicht in einer Turnierpartie, sondern in einer Simultanvorstellung geschlagen. Diesen winzig kleinen Unterschied unerwähnt zu lassen ist einfach ärgerlich und schlechter Journalismus. Nebenbei bemerkt: Da interviewt ein Mensch mit Elo ca. 1800 einen anderen mit Elo
StefanXX 27.03.2016
2. 100%-ige Zustimmung
Zitat von Rumo75Der besagte Amateurschachspieler hat Carlsen nicht in einer Turnierpartie, sondern in einer Simultanvorstellung geschlagen. Diesen winzig kleinen Unterschied unerwähnt zu lassen ist einfach ärgerlich und schlechter Journalismus. Nebenbei bemerkt: Da interviewt ein Mensch mit Elo ca. 1800 einen anderen mit Elo
Reine Effekthascherei. Im Text an sich wird es zwar dann aufgeklärt, aber so eine wesentliche Info gehört in die Titelzeile. In einer Simultanpartie zusammen mit 70 weiteren Spielern mal das Glück zu haben und gegen Carlsen zu gewinnen ist keine große Kunst. Ja und das leidige Thema mit den Experten hier. Ich bin SPON dankbar dass Sie Schach überhaupt übertragen und Herr Schroller ist bestimmt auch ein netter Mensch und kann immer noch um einiges besser Schachspielen als ich. Aber bei aller Liebe, bei einem WM-Finale im Fussball setze ich als Co-Kommentator auch keinen Bezirksliga-Fussballspieler ein, warum macht man es hier beim Schach?
movfaltin 27.03.2016
3. Kurze Verständnisfrage
---Zitat--- 20. exd5 Sxd5 21. Ne4 ---Zitatende--- Was bedeutet S und was N? Und was ist da der Unterschied? N, weil Caruana Amerikaner ist und Englisch spricht? Müsste dann für Swidler nicht K dastehen? Habe wirklich nicht viel Ahnung von Notation. Irgendwer? Ach ja: Frohe Ostern!
Rumo75 27.03.2016
4.
Da wurde offenbar deutsche und englische Notation durcheinandergeworfen. S=Springer. N=Knight (der Bucgstabe K wird schon vom König beansprucht).
andy9258 27.03.2016
5.
...21. Ne4... ...a7 oder r7 wären für mich die etwas logischeren Rückzüge gewesen.... Im 21.Zug taucht eine Figur auf, die mit N abgekürzt wird, in der Erklärung dazu hat das Shachfeld auf einmal eine Reihe r. Für mich, der ich als Laie der Partie mühsam folge, ist diese redaktionelle Schusseligkeit eine zusätzliche Belastung!
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