Kandidatenturnier zur Schach-WM Diese acht Genies wollen König Carlsen herausfordern

Ein Wunderkind, ein Börsenspekulant, ein Ex-Champion: In Moskau spielen acht Schach-Profis den Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen aus. Wer ist Favorit, wer Außenseiter? Der Check.

Von André Schulz


Fabiano Caruana
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Fabiano Caruana

Fabiano Caruana (23), USA
Elo-Punktzahl:
2794
Weltrangliste: Platz 3
Stärken: Gute Rechenfähigkeit, Eröffnungsvorbereitung, Kampfgeist Schwächen: Bisweilen nicht aggressiv genug und zu Remis-freudig

Caruana wurde am 30. Juli 1992 als Nachzügler in eine Familie italienischer Einwanderer in Miami im US-Bundesstaat Florida geboren. Laut eigener Aussage entdeckte er im Alter von zehn Jahren auf seinem Mobiltelefon ein Schachprogramm und begann, sich dafür zu interessieren. Zwei Jahre später spielte er bereits regelmäßig bei Jugendturnieren mit.

Im Alter von 14 Jahren wurde er der jüngste Großmeister der Geschichte sowohl der USA als auch Italiens. 2007 gewann Caruana ebenfalls als jüngster Spieler die italienischen Meisterschaften. Im Oktober 2014 erreichte er eine Elo-Zahl von 2844, die dritthöchste der Geschichte, hinter Carlsen und Kasparow. Kürzlich wechselte Caruana, der die US- und die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, zurück in den US-amerikanischen Verband.

Caruana qualifizierte sich mit seinem geteilten Turniersieg bei der Grand-Prix-Serie 2015 für dieses Kandidatenturnier. Neben dem Schach hält sich Caruana mit Schwimmen, Joggen und Fußballspielen fit. In seiner Jugend war Caruana eher ein Angriffsspieler, entwickelte im Zuge seines Aufstiegs zur Weltspitze aber einen eher universellen Stil. Er besitzt ausgezeichnete Eröffnungskenntnisse, große Ausdauer und Zähigkeit.

Prognose: Kämpft um den Turniersieg mit.

Anish Giri
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Anish Giri

Anish Giri (22), Niederlande
Elo-Punktzahl:
2793
Weltrangliste: Platz 4
Stärken: Ausgefeiltes Eröffnungsrepertoire, große Zähigkeit, auch in der Verteidigung
Schwächen: Hat bisher erst wenige große Turniere gewonnen. Riskiert zu wenig und spielt zu oft remis.

Anish Giri wurde am 18. Juni 1994 in Sankt Petersburg geboren. Seine Mutter ist Russin, sein Vater stammt aus Nepal. 2002 lebte die Familie zeitweise in Japan, 2008 siedelte sie schließlich in die Niederlande um und nahm die niederländische Staatsbürgerschaft an. Neben Holländisch, Russisch und Englisch spricht Giri etwas Nepali und Japanisch. Schach lernte Giri im Alter von sechs Jahren in Sankt Petersburg.

Seine ersten veröffentlichten Partien stammen aus dem Jahr 2005. In diesem Jahr wurde er U12-Meister von Russland. Den Großmeistertitel erhielt Giri im Alter von 14 Jahren und sieben Monaten. Von 2011 bis 2014 war Giri weltbester Junior, viermal wurde er inzwischen Niederländischer Landesmeister. In der Saison 2008/2009 spielte Giri erstmals für Turm Emsdetten in der Deutschen Schach-Bundesliga. In der vergangenen Saison wechselte er zur SG Solingen.

Nach zwei vergeblichen Anläufen hat Giri nun dank seines hohen Elo-Schnitts im vergangenen Jahr zum ersten Mal die Qualifikation zum Kandidatenturnier geschafft. Giri pflegt einen universellen und sehr sicheren Stil. Auch schwierige Positionen verteidigt er zäh und mit viel Ausdauer. Wenn es eine Schwäche gibt, ist es seine mangelnde Risikobereitschaft.

Prognose: Einer der Favoriten auf den Turniersieg.

Hikaru Nakamura
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Hikaru Nakamura

Hikaru Nakamura (28), USA
Elo-Punktzahl:
2790
Weltrangliste: Platz 5
Stärken: Unternehmungslustiger, dynamischer Stil
Schwächen: Bisweilen fehlende Objektivität. Neigt dazu, die eigenen Möglichkeiten zu überschätzen. Arbeitet ohne ständigen Trainer.

Hikaru Nakamura ist Sohn eines Japaners und einer US-Amerikanerin. Geboren wurde er am 9. Dezember 1987 in Hirakata, Japan. Als Nakamura zwei Jahre alt war, zog die Familie in die USA um. Schach lernte er von seinem Stiefvater Sunil Weeramantry, einem Internationalen Meister, im Alter von sieben Jahren. Mit neun Jahren verließ er die Schule und erhielt Privatunterricht.

Nach einer Reihe von Erfolgen bei nationalen und internationalen Jugendturnieren wurde Nakamura im Alter von 15 Jahren der Titel eines Großmeisters verliehen, womit er den damaligen Rekord von Bobby Fischer als jüngster US-Großmeister aus dem Jahr 1958 gebrochen hatte. Viermal gewann er bisher die US-Landesmeisterschaften.

Nakamura spielte in jungen Jahren viel im Internet und gilt als einer der weltbesten Bullet-Spieler (Blitzschach mit einer Minute Bedenkzeit für die ganze Partie). Im Jahr 2009 etablierte sich Nakamura mit einer Elo-Zahl von über 2700 in der Riege der "Supergroßmeister". 2015 erreichte Nakamura eine Elo-Zahl von über 2800 und war im Oktober 2015 hinter Carlsen die Nummer zwei in der Welt. Seine Preisgelder investiert Nakamura an der Börse. Neben dem Schach spielte er gerne Poker und Tennis. Für das Kandidatenturnier qualifizierte sich Nakamura als Zweiter der letzten Fide-Grand-Prix-Turnierserie.

Prognose: Wenn er psychologisch eine gute Einstellung findet, kann er gewinnen. Es kann aber auch völlig schief gehen.

Viswanathan Anand
Getty Images

Viswanathan Anand

Viswanathan Anand (46), Indien
Elo-Punktzahl:
2761
Weltrangliste: Platz 12
Stärken: Großes Eröffnungsrepertoire, ausgezeichnete Technik, gutes Stellungsurteil, pragmatischer Zugang zur Partie. Erkennt früh, wenn eine Partie kippt und führt sie rechtzeitig zum Remis. Große Erfahrung.
Schwächen: Ältester Spieler im Feld, hat schon alles erreicht

Viswanathan Anand, Jahrgang 1969, lebt in Chennai, wohin er als kleines Kind gezogen war. Schach lernte Anand im Alter von sechs Jahren von seiner Mutter. Mit 16 Jahren wurde er indischer Landesmeister, 1987 war er der erste indische Juniorenweltmeister. Mit seinem Turniersieg in Reggio Emilia 1991 wurde Anand auch in Europa schlagartig bekannt und verblüffte die Schachwelt mit der unglaublichen Geschwindigkeit, mit der er seine Züge ausführte.

1993 qualifizierte Anand sich erstmals für die Kandidaten-Wettkämpfe, schied aber gegen Karpow aus. Gegen Garry Kasparow unterlag er 1995 beim WM-Kampf im World Trade Center. 2007 holte er sich den Titel in Mexiko. In Wettkämpfen verteidigte Anand den Titel 2008 gegen Wladimir Kramnik, 2010 gegen Wesselin Topalow und 2012 gegen Boris Gelfand. 2013 unterlag er seinem Herausforderer Magnus Carlsen. Im letzten Kandidatenturnier 2014 qualifizierte Anand sich als Herausforderer, unterlag Carlsen aber erneut.

Anands Hobby ist die Astronomie. In Indien hat er Schach zum Nationalsport gemacht und wird als Volksheld verehrt. Nach seiner völlig missglückten Turnierteilname beim Tradewise Gibraltar Chess Festival ist Anand in der Weltrangliste zwar auf den ungewohnten zwölften Platz abgerutscht, wird sich aber sicher bald wieder verbessern.

Prognose: Wenn er gut startet, ist alles möglich.

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
kugelsicher 10.03.2016
1. Kramnik
Schon schade, dass die Nummer 2 der Welt nicht dabei ist. Erfolgreich war er in 2015 schon, erfüllt aber nicht die merkwürdigen Teilnahme Kriterien für das Turnier. OK, irgendeine Regel muss geben, aber wäre er dann nicht der Mann gewesen, den man eine Wildcard hätte verpassen müssen?
future-trunks 10.03.2016
2.
er war halt das gesamte jahr 2015 eher so knapp in den Top 10 und hat erst am Ende wieder den zweiten Platz eingenommen. Aber da wird er sich am meisten drüber ärgern, dass er 2015 so ein durchwachsenes jahr hatte. Kandidatenturnier in Moskau und er ist nicht dabei. hätte auch auf wild Card gesetzt, aber der Sponsor ist nunmal Armenier.
pmeierspiegel 10.03.2016
3.
wer heutzutage schon alles genie sein soll.? die großen glanzvollen zeiten des schach sind vorbei , heute bevölkern diverse jüngelchen die arena. ihr schachverständnis ist limitiert , sie spielen auswendig gelernte zugabfolgen runter, gestählt im computerschachzeitalter... gegen die großen namen der früheren schachgeschichte sind sie schachliche amateure. kein vergleich zu capablanca , fischer, tal, aljechin, lasker und diverse schachgrößen vergangener zeiten...
pmeierspiegel 10.03.2016
4.
wer heutzutage schon alles genie sein soll.? die großen glanzvollen zeiten des schach sind vorbei , heute bevölkern diverse jüngelchen die arena. ihr schachverständnis ist limitiert , sie spielen auswendig gelernte zugabfolgen runter, gestählt im computerschachzeitalter... gegen die großen namen der früheren schachgeschichte sind sie schachliche amateure. kein vergleich zu capablanca , fischer, tal, aljechin, lasker und diverse schachgrößen vergangener zeiten...
kugelsicher 10.03.2016
5.
Zitat von pmeierspiegelwer heutzutage schon alles genie sein soll.? die großen glanzvollen zeiten des schach sind vorbei , heute bevölkern diverse jüngelchen die arena. ihr schachverständnis ist limitiert , sie spielen auswendig gelernte zugabfolgen runter, gestählt im computerschachzeitalter... gegen die großen namen der früheren schachgeschichte sind sie schachliche amateure. kein vergleich zu capablanca , fischer, tal, aljechin, lasker und diverse schachgrößen vergangener zeiten...
Nur dass all die von ihnen genannten krachend gegen einen Carlsen verlieren würden. Fortschritt ist für manche schwer auszuhalten. Früher war alles besser.
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