Schach-WM Längste Partie - Anand trotzt Carlsen Remis ab

Die siebte Partie der Schachweltmeisterschaft war schnell im Endspiel - und wurde die längste. Viswanathan Anand behielt die Nerven, ließ Titelverteidiger Magnus Carlsen keine Gewinnchance. Mit dem Remis verhindert der Herausforderer eine Vorentscheidung.

Weltmeister Carlsen (r.), Anand: Remis in Spiel sieben
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Weltmeister Carlsen (r.), Anand: Remis in Spiel sieben


Hamburg - Bloß nicht verlieren: Für Viswanathan Anand ging es in der siebten Partie der Schachweltmeisterschaft im russischen Sotschi bereits darum, eine Vorentscheidung zugunsten von Magnus Carlsen zu verhindern.

Der Inder hielt der Drucksituation stand und holte ein Unentschieden - nach 122 Zügen und 6 Stunden und 22 Minuten. Es war damit eines der längsten Duelle der WM-Geschichte. Vor der achten Partie am Dienstag steht es zwischen dem Weltmeister und seinem Herausforderer 4:3.

Carlsen spielte mit Weiß und wählte in der Spanischen Eröffnung die Berliner Variante. Schnell hatten die Kontrahenten die Eröffnungsphase abgehandelt, das Endspiel wurde dann zum längsten des bisherigen Turniers.

Der Inder spielt in der nächsten Partie am Dienstag (13 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit Weiß. Zum WM-Sieg sind 6,5 Punkte nötig.


Hier können Sie die Höhepunkte des Spiels im Liveticker nachlesen.

chp



insgesamt 10 Beiträge
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widower+2 17.11.2014
1. Unwürdig!
Ein eines Weltmeisters unwürdiges Schauspiel. Es war schon stundenlang klar, dass Carlsen kaum gewinnen konnte. Als Carlsen keinen Bauern mehr auf dem Brett hatte, war es eindeutig, dass er nicht mehr gewinnen konnte. Er hätte aber durchaus noch verlieren können. Carlsen wollte hier einzig und allein möglichst viel Kraft aus Anand pressen, um für die folgende Partie einen noch größeren Konditionsvorteil zu haben. Hoffentlich bekommt er dafür die Quittung.
gumbofroehn 17.11.2014
2. Wieso unwürdig?
Zitat von widower+2Ein eines Weltmeisters unwürdiges Schauspiel. Es war schon stundenlang klar, dass Carlsen kaum gewinnen konnte. Als Carlsen keinen Bauern mehr auf dem Brett hatte, war es eindeutig, dass er nicht mehr gewinnen konnte. Er hätte aber durchaus noch verlieren können. Carlsen wollte hier einzig und allein möglichst viel Kraft aus Anand pressen, um für die folgende Partie einen noch größeren Konditionsvorteil zu haben. Hoffentlich bekommt er dafür die Quittung.
Ist er etwa handgreiflich gegen Anand geworden? Wenn Schach ein Sport ist (was ja immer wieder gerne bezweifelt wird), ist es einhundertprozentig legitim, dem Gegner im Rahmen der Regeln physisch zuzusetzen.
jackie_ma 17.11.2014
3. Unsportlich!
Ich als "Schach-Normalo" würde mir natürlich niemals anmaßen das Spiel eines Magnus Carlsen zu berurteilen. Wenn jemand bei so einer Partie noch eine Gewinnstellung aufs Brett hätte zaubern können dann er. Für mich sah es heute aber einfach so aus als hätte er dieses (für mich) schon ziemlich lange glasklares Remis nur hinausgezögert um Anand für den weiteren Verlauf des Turniers konditionnel zu schwächen. Ich mag mir gar nicht vorstellen was für einen Brummschädel beide morgen haben werden nach so einer Partie. Bei zwanzig Jahren Altersunterschied dürfte es aber klar sein, wer eine solche Partie besser wegsteckt. Ich finde einfach, dass Carlsen es einfach überhaupt nicht nötig hat sich so zu verhalten. Natürlich spielt Anand besser als noch vor einem Jahr, trotzdem ist es deshalb nicht nötig auf solche Tricks zurückzugreifen, gerade nicht als Weltmeister. Natürlich geht es auch um viel Geld und Prestige und vielleicht schaue ich auch zu sehr durch meine rosarote Fair-Play-Brille, aber für mich hätte ein Sieg Carlsens heute, eventuell auch durch einen Fehler Anands, einen faden Beigeschmack gehabt. Deshalb Gratulation an Vishy, dass er sich davon (zumindest heute) nicht hat beeindrucken lassen und viel Glück im weiterem Turnier. Hoffentlich hat diese Partie keinen zu großen Einfluss auf den weiteren Verlauf. Möge der bessere Spieler gewinnen und nicht der mit der besseren Kondition.
noalk 17.11.2014
4. Das! ist Schach
Eines Weltmeisters unwürdig? Wieso? Ich fand die Partie spannend, jeder der beiden hätte einen Fehler machen können. Keiner hat. Ich hatte den Eindruck, Carlsen wollte Anand gegen Ende in die Zeitfalle laufen lassen. Auch das ist legitim. Und letztlich saßen beide gleichlang am Brett.
Herbert Bader 17.11.2014
5. Weltmeister-unwürdig
Zitat von widower+2Ein eines Weltmeisters unwürdiges Schauspiel. Es war schon stundenlang klar, dass Carlsen kaum gewinnen konnte. Als Carlsen keinen Bauern mehr auf dem Brett hatte, war es eindeutig, dass er nicht mehr gewinnen konnte. Er hätte aber durchaus noch verlieren können. Carlsen wollte hier einzig und allein möglichst viel Kraft aus Anand pressen, um für die folgende Partie einen noch größeren Konditionsvorteil zu haben. Hoffentlich bekommt er dafür die Quittung.
Wissen Sie denn, wann wer Remis angeboten hatte? Vielleicht wollte ja Anand nicht ... Carlsen hat es bereits am Samstag verpasst, besondere Fairness zu zeigen. Nach der Erkenntnis der beidseitigen Schachblindheit wäre es ihm gut angestanden, trotz besserer Stellung die Partie unentschieden zu geben - selbst wenn er dadurch letztlich die Weltmeisterschaft verloren hätte. Denn soviel kann die erfolgreiche Titelverteidigung gar nicht wert sein, wie durch besonderes Fairplay in die Geschichte einzugehen. Die Überschrift des Artikels ist m.E. nicht gelungen. Sie suggeriert ein Vorrecht Carlsens auf den Sieg. Anand hat aus eigener Initiative eine Figur geopfert und konnte auf seine Erfahrung bauen, dass die verbleibende Figurenkonstellation zu halten sei - auch wenn die Computer, die im Endspiel bekanntlich immer noch Schwächen haben, etwas anderes sagten. Insofern war Anands Läuferopfer ein Gewinn fürs Schach, aber auch, weil damit die gerade so moderne, aber meist langweilige Berliner Variante der Spanischen Eröffnung eine interessante Wendung nahm.
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