Schwergewichts-WM: Huck unterliegt nach umstrittenem Urteil

Marco Huck war ganz nah dran: In seinem ersten Schwergewichtskampf hat der Deutsche den Weltmeistertitel nur knapp verpasst. Sein Gegner Alexander Powetkin aus Russland hatte den Schlägen Hucks am Ende nur wenig entgegenzusetzen und rettete den Vorsprung nach Punkten über die Zeit.

WBA-Titelkampf: Powetkin taumelt zur Titelverteidigung Fotos
Getty Images

Hamburg - Vor dem Kampf hatten fast alle Boxkenner auf Alexander Powetkin, den Titelverteidiger aus Russland, gesetzt. Schließlich war es der allererste Schwergewichtskampf für Marco Huck, der Deutsche galt als Großmaul, als Sprücheklopfer, sein russischer Gegner als der weit erfahrenere und versiertere Boxer. Aber der Deutsche hat alle Zweifler überrascht. Huck legte von Runde zu Runde gegen Powetkin zu, landete vor den 6000 Zuschauern in Stuttgart zahlreiche schwere Treffer und lag am Ende nach Punkten knapp zurück. Powetkin rettete seinen WBA-Titel über die Runden. Huck wäre der erste deutsche Schwergewichts-Champion seit Max Schmeling gewesen.

Der Deutsche zeigte sich nach dem Urteil der drei Punktrichter (112:116, 113:114, 114:114) schwer enttäuscht: "Ich kann diesen Spruch nicht nachvollziehen. Mein Gegner konnte am Ende noch nicht mal mehr stehen und wird hier zum Sieger erklärt." Auch das Stuttgarter Publikum quittierte den Richterspruch mit einem Pfeifkonzert. "Vielleicht habe ich meinen Gegner unterschätzt", sagte der alte und neue Weltmeister aus Russland, der nach dem Fight komplett ausgepumpt wirkte.

Huck bleibt sein Weltmeistertitel im Cruisergewicht. Der Deutsche kassierte somit die zweite Niederlage im 36. Profikampf. Bei Powetkin steht die makellose Bilanz von 24 Siegen in 24 Kämpfen zu Buche.

Auch Chisora saß im Publikum

Der 32-jährige Russe hatte die ersten drei Runden beherrscht, ab der vierten Runde übernahm jedoch der Deutsche das Kommando. Huck landete einige harte Schläge an Powetkins Kopf, der Weltmeister wirkte ab dann deutlich beeindruckt von seinem 27-jährigen Herausforderer. Immer wieder duckte sich Powetkin ab, wenn Huck ausholte. Der Ringrichter ließ dem Russen dies durchgehen, was vor allem Hucks Coach Ulrich Wegener nach dem Fight empörte: "Wir hatten Powetkin so kurz vor dem K.o.. Der Ringrichter hat ihn gerettet."

Ähnlich beurteilten auch die ehemaligen Box-Größen Henry Maske und Regina Halmich den Kampfausgang. "Wenn es hier überhaupt einen Verlierer gab, dann war es der Ringrichter", so Halmich. Box-Champion Artur Abraham, der den Fight im Publikum verfolgte, rief Huck zu: "Du bist der wahre Gewinner." Unter den Zuschauern war auch der britische Profiboxer Dereck Chisora, der erst in der Vorwoche Vitali Klitschko unterlegen war und sich anschließend bei der Pressekonferenz eine wüste Prügelei mit seinem Landsmann David Haye geleistet hatte. Diesmal hielt sich Chisora zurück, vom Publikum wurde er dennoch ausgepfiffen.

Vor dem Fight hatte eine an Huck adressierte Morddrohung für Aufsehen gesorgt. In dem Schreiben wurden der gebürtige Serbe, seine Familie und sein Trainer Ulli Wegner bedroht. Als Reaktion darauf erhöhte der Sauerland-Boxstall die Sicherheitsmaßnahmen.

aha

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insgesamt 13 Beiträge
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1. So geht Boxen!
myanus 25.02.2012
Ein spannender Kampf, aber Wegner hat einfach Recht. Das ewige Wegtauchen von Powetkin hat genervt und hätte abgestellt werden müssen. Huck wurde der Sieg geklaut. Huck sollte im Schwergewicht bleiben, noch mehr Erfahrung sammeln und dann die langweiligen Klitschkos weghauen.
2.
awun 26.02.2012
Jetzt bin ich mal gespannt wo die Leute sind, die immer behaupten, in Deutschland kann kein Nicht-Deutscher gewinnen. Vermutlich ignorieren sie den Kampf mal eben, weil er ja nicht in ihr Weltbild passt. Ich hab nicht mit gewertet, aber im Gefühl denke hätte ich Huck als Sieger gesehen. Ab der Hälfte kam bis auf wenige ausnahmen (z.B. Runde 11) kein Treffer mehr von Povetkin richtig ins Ziel. In der zweiten Hälfte hat Huck die Mehrzahl an harten/Wirkungstreffer gesetzt. Dann kommt auch noch das einziehen des Kampfes von Povetkin hinzu (worüber ich mich innerhalb des Kampfes auch schon ärgerte). Für mich kann einer, der das in solcher Häufigkeit (3-x Mal je Runde) macht nicht der Gewinner sein. War ein bisschen die Haye Taktik mit der er gegen Klitschko gekämpft hat. Immer schon tief mit dem Kopf und so tun als ob der andere einen runter drückt. Hat nur die Flugeinlage gefehlt ;-)
3. hmm
SaintTschu 26.02.2012
Povetkin hat verdient gewonnen. Er war immer aktiv und hat die ganze Zeit angegriffen, landete mehr Treffer hatte aber Probleme mit der Kondition. Er hat wohl den Gegner unterschätzt. Als Herausforderer muss man mehr tun, wenn man den Titel mitnehmen möchte, deswegen versteh ich die ganze Aufregung nicht.
4.
bärchen07 26.02.2012
Zitat von sysopGetty ImagesMarco Huck war ganz nah dran: In seinem ersten Schwergewichtskampf hat der Deutsche den Weltmeistertitel nur knapp verpasst. Sein Gegner Alexander Powetkin aus Russland hatte den Schlägen Hucks am Ende nur wenig entgegenzusetzen und rettete den Vorsprung nach Punkten über die Zeit. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,817611,00.html
Mir fehlen etwas die Worte. Für mich war Marco vorn oder hätte zumindest ein Untentschieden verdient. Ich will gar nicht meine wirklichen Gedanken und Gefühle hier wiedergeben.
5. Ist doch schön, den Betrug im Box-"Sport" einmal ...
Anthrophilus 26.02.2012
Zitat von sysopGetty ImagesMarco Huck war ganz nah dran: In seinem ersten Schwergewichtskampf hat der Deutsche den Weltmeistertitel nur knapp verpasst. Sein Gegner Alexander Powetkin aus Russland hatte den Schlägen Hucks am Ende nur wenig entgegenzusetzen und rettete den Vorsprung nach Punkten über die Zeit. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,817611,00.html
... so hautnah mitzuerleben: Ein Ringrichter, der klare Regelverstöße beim Russen ignoriert, Punktrichter, die nach Vorliebe oder anderen Interessen urteilen, ein "Siege", der sich kaum noch auf den Beinen halten kann, während Marco Huck vergleichsweise sicher auf den Beinen durch den Ring geht.
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