Schwimm-EM Blackout bei der Wende - Olympiasiegerin scheidet aus

Pernille Blume war über 100 Meter Freistil richtig schnell unterwegs, doch dann unterlief der Dänin bei der Hälfte des Rennens ein unglaublicher Fehler. Sarah Köhler gewann die nächste Medaille für Deutschland.

Pernille Blume
PATRICK B KRAEMER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Pernille Blume


Seit acht Jahren schwimmt Pernille Blume in der Weltspitze mit. Die Dänin wurde 2016 über 50 Meter Freistil Olympiasiegerin und im Anschluss zu Dänemarks Sportlerin des Jahres gewählt. Erfahren genug sollte Blume sein, doch bei den Schwimm-Europameisterschaften in Glasgow unterlief der 24-Jährigen ein kaum zu erklärender Blackout.

Blume trat im Halbfinale über 100 Meter Freistil an, eine Finalteilnahme galt unter normalen Umständen als sicher. Und Blume ging das Rennen extrem schnell an, die ersten 50 Meter schwamm sie in 23,98 Sekunden, das war die mit Abstand beste Zeit aller 16 Halbfinalistinnen. Doch dann schlug sie am Beckenrand an, statt eine Wende für die zweiten 50 Meter zu vollziehen.

Dieses Manöver kostete Blume einige Sekunden, am Ende wurde sie in 54,71 Sekunden Sechste ihres Laufs und verpasste das Finale. Die Schwedin Sarah Sjöström, Weltschwimmerin des Jahres 2017, schwamm die schnellste Zeit und gilt im Finale als Favoritin - in Abwesenheit von Blume. "Ich kann nicht sagen, was da passiert ist", sagte die Dänin anschließend im ZDF-Interview.

Köhler holt Silber mit Deutschem Rekord

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) freute sich über die EM-Medaillen Nummer fünf und sechs - in beiden Fällen war Sarah Köhler beteiligt. Köhler gewann zunächst über die lange Distanz Silber und legte eine Stunde später mit der Kraulstaffel nach.

Die 24-Jährige musste sich über 1500 Meter Freistil in deutscher Rekordzeit von 15:57,85 Minuten lediglich der italienischen 800-Meter-Europameisterin Simona Quadarella geschlagen geben. Rang drei ging an die erst 16 Jahre alte Ungarin Ajna Késely. Am vergangenen Samstag hatte sich Köhler als Mitfavoritin über 800 Meter Freistil noch mit Platz vier begnügen müssen. In der Staffel folgte gemeinsam mit Reva Foos, Isabel Gose und Annika Bruhn Bronze über 4 mal 200 Meter.

"Ich bin sehr, sehr zufrieden, dass es Bestzeit geworden ist", sagte Köhler im ZDF nach dem Rekord über 1500 Meter, den sie um zwei Sekunden unterbot. Ihre Niederlage über 800 Meter Freistil habe sie gut verarbeitet, die Goldmedaille ihres Freundes Florian Wellbrock zusätzlich motiviert: "Es hätte nichts gebracht, in Selbstmitleid zu zerfließen. Flo hat mich angespornt, ich wollte nachlegen."

krä/sid



insgesamt 4 Beiträge
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peterpahn 07.08.2018
1. Sehr tragisch! Ich vermute, sie wollte nicht anschlagen ...
Sehr tragisch! Ich vermute, sie wollte nicht anschlagen, sondern sie hat in der letzen Millisekunde vor der Wand gespürt, dass sie die (Roll-)Wende verpasst hatte, Blackout. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als mit der Hand an der Wand abzubremsen; sie wusste, dass es vorbei ist, ist aber noch mit einer Kippwende zuende geschwommen - sehr sehr bitter.
kunzite 08.08.2018
2. Großartig! Aber!
Großartig! Der Gewinn der Silbermedaille durch Sarah Köhler bei den 1.500 m Freistil. Und dies auch noch mit deutschen Rekord! Aber! Leider ist das Video über das Finale, welches auf tagesschau.de angesehen werden kann, nur ein Kurzbericht. Dagegen ist der 3. Vorlauf über 800 m Freistil der Herren in voller Länge als Video vorhanden. Ein Skandal!
rooonbeau 08.08.2018
3. Schade, aber mir erschließt sich nicht
was jetzt genau vorgefallen ist. Hätte man ruhig anschaulicher betexten können. Sie hat keine übliche Wende gemacht bei der man sich mit den Beinen vom Rand abstößt, sondern ist ganz normal bis zum Rand geschwommen, mit der Hand abgeschlagen und wieder zurück, was ein paar sek. Kostet, richtig?
peterpahn 08.08.2018
4. @rooonbeau
RIchtig, die Dänin hat keine Rollwende gemacht, wie es beim Freistil- Rückenschwimmen erlaubt ist, d.h. sie hat gewendet wie beim Dephin- oder Brustschwimmen mit einer sog. Kippwende. Die Kippwende ist aber langsamer als die Rollwende. Die Dänin hatte einfach einen Blackout, denn sie wird niemals bewusst und geplant von der Roll- auf eine Kippwende gewechselt haben. Denn in einem 100 Meter Rennen vergibt sich selbst der beste Schwimmer alle Siegchancen, wenn er als einziger Schwimmer viel zu langsam aus der Wand kommt.
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