Schwimm-WM: Kinder, seid ihr schnell!

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Meilutyte, Ledecky und Co.: Sehr jung und schon sehr schnell Fotos
AFP

Ruta Meilutyte, Missy Franklin, Katie Ledecky: Bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Barcelona dominieren 16- und 18-Jährige. Schon bei den Olympischen Spielen in London zeigten die Teenager Wunderleistungen, seitdem sind sie noch schneller geworden.

Jeden Morgen um 5.30 Uhr steigt Ruta Meilutyte in den Pool des Plymouth Colleges im Südwesten Englands. Von "Britains Ocean City" wie sich die Stadt selbst bezeichnet, den berühmten Moorlandschaften und den grünen Grafschaften Cornwall und Devon bekommt die 16-Jährige relativ wenig mit. Ihre Welt besteht aus gechlortem Wasser und Poolkacheln in hellblau und dunkelblau.

Die Litauerin genießt seit ihrem zwölften Lebensjahr die Elite-Ausbildung des englischen Colleges, für 24.000 Pfund Schulgeld im Jahr wird sie seitdem auf Erfolg getrimmt. Der Aufwand zahlt sich aus, Meilutyte ist nicht nur angekommen in der Weltspitze, sie dominiert ihre Disziplinen bereits.

Am Dienstag, dem Tag der Teenager bei der Schwimm-WM in Barcelona, war sie über die 100 Meter Brust dicht dran, den Weltrekord zu brechen, den sie selbst einen Tag zuvor aufgestellt hatte. Für WM-Gold reichte ihre Zeit von 1:04,42 allemal. Weltrekord, Weltmeisterin, Olympiasiegerin - mit 16 Jahren.

"Unglaublich, wie jugendlich unser Sport ist"

"Der Weltrekord ist einer meiner Schritte, einer meiner Träume", so Meilutyte. Die Goldmedaille sei nur "die Kirsche auf der Eiscreme", strahlte sie nach ihrem Rennen mit kindlicher Freude.

Es sind jugendliche Gesichter wie ihres, die diese Schwimm-WM in Barcelona bisher prägen: Außer Meilutyte gewannen auch die US-Amerikanerinnen Missy Franklin (18) und Katie Ledecky (16) am Dienstag Gold über 100 Meter Rücken (Franklin) und 1500 Meter Freistil (Ledecky). Auch sie standen schon im vergangenen Jahr in London ganz oben auf dem Podest.

Betrug das Durchschnittsalter der Olympiasiegerinnen von Peking 2008 noch 21,54 Jahre, so waren die Frauen in London dank Franklin, Ledecky, Meilutyte und der in Barcelona überraschend geschlagenen Ye Shiwen 19,38 Jahre jung. Bei den Männern hingegen waren die Goldmedaillengewinner mit 23,31 Jahren im Schnitt gleich alt. "Es ist unglaublich, wie jugendlich unser Sport ist und dass es so weitergehen wird", sagte Franklin nach ihrem Sieg am Dienstag: "Es ist wunderbar, das zu sehen und ein Teil davon zu sein."

Mag Franklin die Entwicklung "wunderbar" finden, Zuschauer und selbst Experten wundern sich eher über die Teenager, die mitunter sogar schneller sind als die Konkurrenz vor einigen Jahren, die mit den mittlerweile verbotenen "Wunderanzügen" Weltrekorde in Serie verbesserte.

Glaubt man Ledecky und Franklin, spielen die Rahmenbedingungen in ihrem Team eine große Rolle. Mit Lia Neal (18) und Rachel Bootsma (19) haben die USA noch zwei weitere vielversprechende Nachwuchsschwimmerinen nach Barcelona geschickt, man versteht sich blendend, so die Botschaft. "Das Alter verbindet uns", sagt Neal, die mit Franklin bereits seit einigen Jahren befreundet ist. "Dann habe ich mir mit Katie (Ledecky, Anm. d. Red.) während des Trainingslagers das Zimmer geteilt. Das hat uns alle auch noch enger zusammengebracht", schwärmt Neal von der leistungssteigernden Stimmung.

Für den deutschen Chefbundestrainer Henning Lambertz spielt allerdings etwas anderes eine entscheidende Rolle: hartes Training, und davon jede Menge. "Wir müssen mehr und intensiver trainieren, damit wir da oben mitspielen können", forderte Lambertz am vierten der acht WM-Wettkampftage unter dem Eindruck des erneut schlechten Abschneidens seiner Athleten.

Vorteile in der Wasserlage

Der Erfolg der US-Amerikaner sei vor allem auf den immensen Einsatz am Fundament der Schwimmer zurückzuführen. "Aus meiner Sicht fehlt uns das Basistraining. Wenn wir das hätten, wären wir in der Lage, den Top-Bereichen die Leistungen zwei-, dreimal im Jahr abrufen zu können".

Die Gleichung scheint also ganz einfach: Teamgeist + Trainingsdisziplin = Bestzeiten. Allerdings kam in der Vergangenheit allzu oft die Variable Doping hinzu. Ledeckys musste sich schon in London, mit kaum getrocknetem Haar, nach ihrem ersten Erfolg den Nachfragen stellen. "Da ist absolut nichts dran", sagte sie, "ich habe einfach viel gearbeitet. Dieses Jahr und das Jahr davor auch." Und das Jahr danach auch, wie sie bei den aktuellen Wettkämpfen wieder betont.

Tatsächlich haben die so erfolgreichen Teenager ihre Zeiten Schritt für Schritt verbessert. Leistungsexplosionen wie einst bei den chinesischen Schwimmerinnen, die später fast komplett positiv getestet wurden, sucht man ebenso vergebens wie optische Ähnlichkeiten. Breite Schultern und Muskelberge haben weder Meilutyte, Ledecky noch Franklin zu bieten.

Der Mainzer Sportmediziner Perikles Simon sagte dem SPIEGEL schon im vergangenen Jahr, der eher zierliche Körperbau der jungen Generation sei durchaus ein Vorteil, die optimale Wasserlage werde dadurch begünstigt. Mädchen hätten vor der Spätpubertät die besten Proportionen. Bei den Olympischen Spielen äußerte sich selbst US-Coach John Leonard, der sonst mit Doping-Spekulationen in Richtung der Konkurrenz nicht gerade zurückhaltend ist, bewundert über Meilutyte: "Sie ist einfach nur sehr gut und sehr schnell."

Die Wunderschwimmerin selbst will ihre Leistungen lieber nicht analysieren. "Ich denke einfach es ist großartig, dass junge Schwimmer aufrücken", sagt sie: "Die älteren Schwimmer lassen uns Lücken für unsere Träume."

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insgesamt 32 Beiträge
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1. und...
o_grallert 31.07.2013
...sind hier alle sauber? Jeder nur ein Kreuz!
2. Soll ich jetzt wieder einen Sport schauen,
lefs 31.07.2013
dessen günstigste Voraussetzung die Frühpubertät darstellt. Kein Doping, dafür aber Kinderkram? Nee Danke, ich habe besseres zu tun...
3. grundlage
solaris111 31.07.2013
Die Grundlage für diese "Erfolge" ist und bleibt wie überall im Leistungssport sehr gezieltes und fundiertes Doping.Das sind die Ursachen und wer was anderes glaubt,der glaubt an den Weihnachtsmann
4.
piece.of.cake 31.07.2013
Ist doch ganz normal, diese Muskelmasse bei einer 16-jährigen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.. gedopt wird schliesslich nur im Radsport ;-)
5. Man könnte auch fragen,
heinz4444 31.07.2013
wieso es im Schwimmsport,gerade bei den Superschwimmern,keine auffälligen Dopingproben gibt? Da scheint vielleicht doch der Schwimmsportverband stärker zu sein,als der Radsportverband. Das es sauber zugeht,kann man vielleicht noch Einem erklären,der sich die Hose mit der Kneifzange zumacht. Wenn ich als Beispiel an das lange Gesicht und den extremen Köperbau eines gewissen Ex-Superstars denke,wieso fällt mir dazu spontan das Wort "Wachstumshormone" ein?
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