Hamburg - Der Weltschwimmverband Fina hat mit Verspätung seinen Abschlussbericht zum Tod des Amerikaners Francis Crippen veröffentlicht. Ungenügende Überwachung und mangelnde Sicherheitsmaßnahmen sollen die Hauptursachen für das Ertrinken Crippens beim Freiwasser-Weltcup im Oktober in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewesen sein. Der 78-seitige Report einer Untersuchungskommission wurde am Freitagabend auf der Fina-Homepage veröffentlicht. Zuvor war dem Verband von US-Seite eine "Verschleppungstaktik" vorgehalten worden.
Schwere Vorwürfe erhebt der Bericht insbesondere gegen die Organisatoren des Rennens und unzureichende Sicherheitsvorkehrungen angeprangert. Derzeit seien zudem die Sicherheits-Regeln teilweise zu vage formuliert. Die Fina schreibe zum Beispiel nicht konkret vor, wie viele Rettungsboote während Langstreckenrennen eingesetzt werden und welche Ausbildung die Sanitäter vorweisen müssen. Außerdem forderten die Experten Wassertemperaturgrenzen von 18 und 28 Grad.
Die Untersuchungskommission hat für die Zukunft Änderungen des Regelwerks gefordert. "Es bedarf einer organisatorischen Verpflichtung, die Sicherheit der Athleten als oberste Priorität zu erachten", heißt es in dem Bericht: "Diese Verpflichtung muss bei der Fina-Leitung beginnen."
Schwimmkollegen fordern dringende Regeländerungen
In dem Papier bestätigten die internationalen Experten, darunter Mediziner, Ex-Schwimmer, Trainer und Fina-Anwälte, dass auch äußere Faktoren beim betreffenden Weltcup wie die hohen Luft- und Wassertemperaturen in Kombination mit möglicher Dehydrierung sowie Überhitzung bei hoher Anstrengung zur fortschreitenden Erschöpfung des Schwimmers beigetragen haben könnten.
Crippen war zwei Stunden nach Ende des Rennens am 23. Oktober 2010 von Rettungstauchern leblos im Wasser treibend an der letzten Boje gefunden worden. Aus medizinischer Sicht sei laut der Expertengruppe "unkontrolliertes Belastungsasthma unter ungünstigen äußeren Wettkampfbedingungen" ein möglicher Auslöser für die Bewusstlosigkeit von Crippen gewesen, der zum Tod durch Ertrinken führte. Auch eine Herzerkrankung, die bei der Obduktion allerdings nicht festgestellt wurde, sei "nicht mit aller Wahrscheinlichkeit auszuschließen".
Nach der Tragödie hatte sich der deutsche Rekord-Weltmeister Thomas Lurz für schnelle Regeländerungen ausgesprochen. "Es muss beim Freiwasserschwimmen eine Obergrenze für die Wassertemperatur geben", sagte Lurz: "Einen Marathon läuft man ja auch nicht um die Mittagszeit." Das Wasser in Fudschaira sei mit über 30 Grad Celsius extrem warm gewesen: "Viele Schwimmer hatten damit ein ernsthaftes Problem, einige klagten anschließend über Schwindel und Wahrnehmungsstörungen."
aha/dpa/sid
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