Schwuler Boxer Cruz gewinnt ersten Kampf nach Coming-Out

Er brach ein Tabu: Als erster aktiver Boxer bekannte sich Orlando Cruz zu seiner Homosexualität. In Florida gewann der Puertoricaner jetzt den ersten Kampf nach seinem Coming-Out gegen Jorge Pazos - und hofft nun auf einen Fight um den Weltmeistergürtel.

REUTERS

Kissimmee/Florida - Cruz gegen Pazos. Puerto Rico gegen Mexiko. Homosexuell gegen heterosexuell. Ohne die letztgenannte Beschreibung hätte der Boxkampf, der in der Nacht zu Samstag in Kissimmee, US-Bundesstaat Florida, stattfand, wohl nicht so viele Menschen interessiert. Doch die Tatsache, dass Cruz schwul ist und sich vor kurzem geoutet hatte, machte den Kampf zum Ereignis. Und Cruz gewann den ersten Fight nach seinem Coming-Out.

Der 31-jährige aus Puerto Rico setzte sich vor knapp 3000 Zuschauern gegen Jorge Pazos nach Punkten durch. Durch seinen 19. Sieg im 22. Kampf ist der Federgewichtler seinem großen Ziel, einem Kampf um den Weltmeistergürtel, einen Schritt näher gekommen. "Es ist mein Traum, der Traum meiner Mutter und der Traum meiner ganzen Community", sagte Cruz nach dem Kampf: "Das war mein Moment. Und ich habe gewonnen."

Cruz hatte am 4. Oktober bekanntgegeben, homosexuell zu sein. Er ist der erste Boxer, der sich während seiner Karriere geoutet hat - eine Entscheidung, die ihm viel Aufmerksamkeit und viele positive Reaktionen einbrachte. "Das ist ein sehr mutiger Schritt", sagte der frühere Weltmeister Henry Maske: "Es gibt immer welche, die den Kampf als Erste führen." Der Sänger Ricky Martin, der sich 2010 geoutet hatte, sprach Cruz sofort seine Unterstützung aus.

Respekt und Beleidigungen nach seinem Coming-Out

Dutzende Interviews gab Cruz nach dem Coming-Out. Er bedankte sich für den Respekt, den die Menschen ihm entgegen gebracht haben. Die ganze Last sei von seinen Schultern gefallen, sagte er in einem Gespräch mit CNN. Es sei ein neues Gefühl, so befreit in den nächsten Kampf zu gehen, sagte er vor dem Fight gegen Pazos: "Ich bin bereit, ich bin hungrig. Hier kommt der neue Orlando."

Seine Offenheit hat Cruz aber auch intolerante und extrem beleidigende Reaktionen beschert - Boxen ist nach wie vor ein Machosport. "Sie nennen mich Schwuchtel, aber das ist mir jetzt egal. Sie können mich nicht mehr verletzen."

jus/dpa/AP



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
dr.u. 20.10.2012
1. ja und ?
Zitat von sysopREUTERSEr brach ein Tabu, als erster aktiver Boxer bekannte sich Orlando Cruz zu seiner Homosexualität. In Florida gewann der Puertoricaner jetzt den ersten Kampf nach seinem Outing gegen Jorge Pazos - und hofft jetzt auf einen Fight um den Weltmeistergürtel. http://www.spiegel.de/sport/sonst/schwuler-boxer-orlando-cruz-gewinnt-ersten-kampf-nach-seinem-outing-a-862409.html
Was hat das jetzt mit dem Outing oder Schwul-sein zu tun? Erfährt man einen plötzlichen Leistungsabfall, wenn mehr Menschen, als man selber wissen, dass man schwul ist? Es ist schon schlimm genug, wenn in den Köpfen vieler Menschen de sexuelle ausrichtung anderer deren Bild (mit)bestimmt, aber dass sich ein Nachrichtenmagazin dazu herabläßt, das durch ungeschickte Formulierungen noch zu befeuern, muss man sich doch ernste Gedanken über den praktizierten Level an Journalismus machen.
spon-1300107429234 20.10.2012
2.
Zitat von dr.u.Was hat das jetzt mit dem Outing oder Schwul-sein zu tun? Erfährt man einen plötzlichen Leistungsabfall, wenn mehr Menschen, als man selber wissen, dass man schwul ist? Es ist schon schlimm genug, wenn in den Köpfen vieler Menschen de sexuelle ausrichtung anderer deren Bild (mit)bestimmt, aber dass sich ein Nachrichtenmagazin dazu herabläßt, das durch ungeschickte Formulierungen noch zu befeuern, muss man sich doch ernste Gedanken über den praktizierten Level an Journalismus machen.
Naja, ein frischgeouteter Mensch fühlt sich meist viel freier als vorher und von daher würde ich sagen könnte er sogar eher einen plötzlichen Leistungssprung erfahren. ;) Das besondere an dieser Mitteilung ist eben, dass konträr zu der Annahme vieler Menschen die besagt, dass alle Boxer heterosexuell seien, einer doch homosexuell ist. Sogar beim Fußball behaupteten sehr bekannte Spieler einen Mist über Homosexuelle, z.B. dass sie nicht hart genug für Fußball (!!!!!) seien. Bis heute hat sich kein aktiver Bundesligaspieler geoutet, in diesem Kontext ist diese Mitteilung eben ganz nett. Der Sinn ist ja eben, dass eines Tages die sexuelle Ausrichtung wirklich keinen Unterschied macht und niemand mehr dazu gezwungen wird, sich heterosexuell zu verhalten. Tatsächlich ist das ganze ein bisschen "Sensationsjournalismus", aber ein anderer Artikel über Michael Wendler finde ich auf keinen Fall weltverbessernder als dieser.
Celegorm 20.10.2012
3.
Zitat von dr.u.Was hat das jetzt mit dem Outing oder Schwul-sein zu tun? Erfährt man einen plötzlichen Leistungsabfall, wenn mehr Menschen, als man selber wissen, dass man schwul ist? Es ist schon schlimm genug, wenn in den Köpfen vieler Menschen de sexuelle ausrichtung anderer deren Bild (mit)bestimmt, aber dass sich ein Nachrichtenmagazin dazu herabläßt, das durch ungeschickte Formulierungen noch zu befeuern, muss man sich doch ernste Gedanken über den praktizierten Level an Journalismus machen.
Sie sehen das gerade falsch herum. Natürlich sollte sowas gar kein Thema sein, in einer vernünftigen Welt. Aber auch Ihnen sollte klar sein, dass die Realität nicht dieser entspricht. Selbst bei einer gewissen Normalisierung an der Oberfläche, Homophobie geht immer noch tief und ist weit verbreitet. Insbesondere halt auch gewisse Vorurteile. Schon alleine im Kontext des Fussballs wird ja gerne behauptet, Homosexuelle wären nicht "aggressiv" und "männlich" genug um sich in so einer Sportart durchsetzen zu können. Dass sich ein Schwuler also im Boxsport behaupten und auf hohem Niveau Kämpfe gewinnen kann ist in einer solcher Gesellschaft darum wohl oder übel ein schlagendes Beispiel gegen dumme Vorurteile. Und kann gleichzeitig für andere als Vorbild dienen, sich nicht verstecken zu müssen. Die Meldung ist in der Weise somit durchaus akzeptabel. Selbst wenn es natürlich unerfreulich ist, dass solcherlei Dinge überhaupt noch erwähnt werden müssen.
whocaresbutyou 20.10.2012
4. Sie nennen mich Schwuchtel...
---Zitat--- "Sie nennen mich Schwuchtel, aber das ist mir jetzt egal." ---Zitatende--- vermutlich aber nur hinter vorgehaltener Hand... Der Mann haut schließlich nicht mit seinem Handtäschchen ;o) Millionen von Menschen leben mehr oder weniger offen ihre Neigungen aus, aber wenn ein Boxer dergleichen tut, fühlt sich das männliche Ego gleich wieder bedroht... "Schwuchtel! DAS ist doch kein MANN! Schatz, machst Du mir noch `ne Stulle und ein Bier, gleich kommt Boxen..." Mahlzeit ;o)
xvulkanx 20.10.2012
5. Ein Vorbild für schwule Jugendliche
Wenn man an die Serie von Selbstmorden von in der Schule gemobbten schwulen Jugendlichen in den USA denkt, dann kann man Herrn Cruz nur danken, da er vielen Jugendlichen, die mit ihrer sexuellen Orientierung hadern, Mut macht. Die Berichterstattung darüber ist sehr wichtig, weil gerade junge Menschen Rollenmodelle und Vorbilder brauchen.
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