Doping-Enthüllungen Leichtathletikverband spricht von "Kriegserklärung"

Die Enthüllungen von ARD und der "Sunday Times" setzen den internationalen Leichtathletikverband unter Druck. Vizepräsident Sebastian Coe spricht von einer Attacke und will "herausgehen und kämpfen".

Sebastian Coe: "Wir sollten herausgehen und kämpfen"
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Sebastian Coe: "Wir sollten herausgehen und kämpfen"


Der stellvertretende IAAF-Chef und frühere Weltklasse-Leichtathlet Sebastian Coe hat die jüngsten Dopingenthüllungen der ARD und der "Sunday Times" als "Kriegserklärung an meinen Sport" bezeichnet. "Es gibt nichts in der Geschichte und Integrität unseres Anti-Doping-Kampfes, was solch eine Attacke rechtfertigt. Wir sollten uns davor nicht wegducken. Wir sollten herausgehen und kämpfen", sagte der Brite in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

Die ARD hatte am Wochenende die Dokumentation "Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik" ausgestrahlt, sie basiert auf der Auswertung von 12.000 Bluttests von rund 5000 Läufern aus einer Datenbank des Leichtathletik-Weltverbands. Die ARD und die britische Zeitung "Sunday Times" kamen zu dem Ergebnis, dass jeder dritte Medaillengewinner, der von 2001 bis 2012 bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften in den Ausdauer-Disziplinen auf dem Siegerpodest gestanden hat, dopingverdächtige Blutwerte aufweist. Den Recherchen zufolge hat die IAAF in den meisten Fällen nichts unternommen.

"Die Idee, dass mein Sport Fehlverhalten vertuscht oder einfach nur inkompetent ist, könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein", sagte Coe. Zwar hätten die Medien selbstverständlich das Recht zu hinterfragen, aber "das selektive Verwenden dieser sogenannten Informationen ist einfach falsch".

Coe möchte Ende August zum Präsidenten der IAAF und damit zum Nachfolger des Senegalesen Lamine Diack gewählt werden. Gegenkandidat ist der frühere Stabhochsprung-Star Sergej Bubka. Coe leitete auch das Organisationskomitee für die Olympischen Spiele 2012 in London.

luk/dpa

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hschmitter 05.08.2015
1.
Ist doch ganz einfach - viele Blutproben sind doch hoffentlich irgendwo eingefroren - untersuchen und Ergebnisse veröffentlichen. Zumindest die älteren Proben sollten doch auf damals moderne und schwer nachweisbare Substanzen prüfbar sein.
Matthew77 05.08.2015
2. Seltsamerweise...
...hört man immer nur Kampfansagen, Verschwörungstheorien und Beschuldigungen, dass illegal Daten verwendet wurden. Am besten könnte man die Berichte widerlegen, wenn man aufzeigt, dass aus den Werten die falschen Schlüsse gezogen wurden, aber aus der Richtung kommt irgendwie gar nichts. Oder gibt es dagegen etwa gar keine Argumente?
noalk 05.08.2015
3. Coe hat es nicht begriffen
Anscheinend ist die UCI-Problematik folgenlos an ihm vorbeigegangen. Sollte ein "Maurer" wie Coe an die Spitze der IAAF kommen, wird deren Absturz tiefer sein als der der UCI.
denkdochmal 05.08.2015
4. Ich liebe den Sport...
seit meiner Jugendzeit. Geldgeilheit ohne jede Hemmung zerstört ihn. Seit Jahren wird gedopt, was das Zeug hält, und daher auch gesiegt. Kontrollen - so überhaupt stattfinden - haben weitestgehend Alibi-Funktion. Es gibt aber auch noch ehrliche, ehrsame Sportler/innen. Und da beginnt es. Das Elend des heutigen Sports. Ich finde es fürchterlich, daß man sich nahezu bei jeder Top-Plazierung fragen muß, hat er/sie oder nicht... Das ist eine schlimme Situation für die Ehrlichen, besonders aber dann, wenn sie nicht siegen, sondern "nur" Platz sieben und dahinter einnehmen müssen - gleich hinter den Gedopten. Das kann - leider -den ehrlichen Athleten und ihren Anhängern keine Spaß mehr machen. Die Raffkes kennen kein Erbarmen, wenn es um Geld geht. Wenn nun die tollen Funktionäre von Krieg reden, kann ich das nur bestätigen. Genau sie nämlich führen mit ihren Helfeshelfern einen Krieg gegen sportlichen Anstand und Ehrlichkeit, und deshalb müssen sie ihn haben! Unbedingt!
fatherted98 05.08.2015
5. Was denn...
Zitat von hschmitterIst doch ganz einfach - viele Blutproben sind doch hoffentlich irgendwo eingefroren - untersuchen und Ergebnisse veröffentlichen. Zumindest die älteren Proben sollten doch auf damals moderne und schwer nachweisbare Substanzen prüfbar sein.
...für Blutproben? Soweit mit bekannt wird nur Urin eingesammelt und untersucht...Blut wird nicht abgenommen.
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