Segel-Rennen Transat 6.50 In Nussschalen über den Atlantik

Winzige Boote in rauer See: Das Mini-Transat quer über den Atlantik ist nicht nur ein Abenteuer, sondern oft Startschuss für große Segler-Karrieren. Die Auftaktetappe entschied die Deutsch-Französin Isabelle Joschke für sich - sie will als erste Frau das Rennen gewinnen.


Hamburg - Isabelle Joschke bewältigte die 1100 Seemeilen lange Strecke von La Rochelle nach Funchal auf Madeira auf ihrem Boot "Degrémont-Synergie" in 5 Tagen, 15 Stunden, 33 Minuten und 30 Sekunden und hatte einen Vorsprung von 40 Seemeilen auf den zweitplatzierten Franzosen Samuel Manuard im Boot "Sitting Bull". Dritter wurde Yves Le Blévec. Insgesamt sind bei der diesjährigen Auflage 89 Profis und Amateure am Start.

Seit 1977 wird das Transat 6.50 alle zwei Jahre ausgetragen und führt dieses Jahr von La Rochelle nach Salvador da Bahia in Brasilien. Gerade einmal 6,50 Meter lang und drei Meter breit sind die Boote, Nussschalen in den Wellen des Atlantiks, ohne Komfort, als Toilette dient ein kleiner Eimer. Dennoch sind die "Minis" nicht nur eine Herausforderung für die Segler, sondern auch eine Spielwiese für die Konstrukteure, die viel Hightech hineinpacken und Sachen testen, die später bei großen Hochsee-Yachten und sogar den America's-Cuppern wiederzufinden ist.

Auch Joschke fährt mit einem brandneuen Prototyp. Sie hat allerdings schon in den vergangenen Jahren bewiesen, dass ihre Erfolge nicht nur auf dem Material, sondern auf ihrem seglerischen Talent basieren. Dieses Jahr gewann sie das Pornichet Sélect und das Mini Pavois und landete bei einigen anderen Rennen auf dem Podest. 2005 war sie beim Transat 6.50 noch 14. geworden. Die bislang beste Platzierung einer Frau fuhr die Französin Isabelle Autissier 1997 heraus, damals landete sie auf Platz drei.

Nicht nur bei Autissier war der Auftritt beim Transat 6.50 der Startschuss für eine große Seglerkarriere, sie umrundete später als erste Frau in einem Segelrennen die Welt. Auch andere berühmte Einhandsegler wie Ellen MacArthur oder Jean Luc Van Den Heede verdienten sich dort ihre ersten Sporen. Isabelle Joschke wird ebenfalls eine große Laufbahn zugetraut. Die 30-Jährige bringt nicht nur taktisches Geschick mit, sondern auch genug Ausdauer und Charakter, um all den Widrigkeiten zu trotzen, die auf der mehr als 4000 Seemeilen weiten Reise in ihrem winzigen Boot auf sie zukommen.

Joschke ist eine von nur zehn Profi-Seglern im 89-köpfigen Starterfeld. Viele Amateure nehmen mit ihren Serien-Booten an dem Rennen teil, Ankommen ist für sie das einzige Ziel. Die beiden Deutschen Dominik Zürrer und Henrik Masekowitz liegen derzeit auf den Rängen 79 und 80. Dank hoher Standards bei den Zulassungen und Booten gilt das Rennen mittlerweile trotz der langen Strecke als sicher. 2005 gab es nur acht Aufgaben nach Materialschäden.

Nun haben Joschke und ihre Konkurrenten erstmal Zeit, sich von den Strapazen der ersten Woche zu erholen und ihre Boote wieder auf Vordermann zu bringen. Die größte Herausforderung wartet noch auf sie: Auf der zweiten Etappe geht es 3100 Seemeilen die afrikanische Küste herunter und dann hinüber nach Südamerika. Knapp drei Wochen werden die Minis ab dem 6. Oktober unterwegs sein.

bri



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