Segeln Boris Herrmann will nonstop um die Welt

Er plant erneut eine Weltumsegelung - und es wird das härteste Rennen seiner Karriere. Boris Herrmann geht beim Barcelona World Race an den Start und umrundet einmal nonstop den Globus. Der Wettkampf soll eine Zwischenstation sein auf dem Weg zu Herrmanns großem Traum.

Segler Herrmann: Nächster Schritt auf dem Weg zum Traum
Beluga Offshore Sailing Team

Segler Herrmann: Nächster Schritt auf dem Weg zum Traum


Hamburg - Wenn am 31. Dezember dieses Jahres das Barcelona World Race 2010-11 in der spanischen Hafenmetropole gestartet wird, ist auch ein Deutscher dabei. Boris Herrmann wird bei der internationalen Top-Regatta für Zweimann-Crews mit dem US-Amerikaner Ryan Breymaier an den Start gehen. "Es stimmt, ich nehme teil", bestätigte Herrmann SPIEGEL ONLINE.

Das Rennen wird auf rund 18 Meter langen Yachten vom Typ Open60 ausgetragen. Herrmann ist der erste Deutsche überhaupt, der in dieser Klasse an einem Wettkampf teilnimmt. Die Strecke ("Von Westen nach Osten", die so genannte "Clipper-Route") führt die Teilnehmer von Barcelona an Afrika vorbei ums Kap der Guten Hoffnung Richtung Australien. Die Durchfahrt zwischen der Nord- und Südinsel Neuseelands ("Cook-Straße") ist eine Pflichtpassage. Anschließend geht es durch den Pazifik und um Kap Hoorn zurück nach Barcelona.

"Das ist eine große Herausforderung", sagt Herrmann über das mehr als 27.000 Seemeilen (etwa 50.000 Kilometer) lange Rennen. Rund drei Monate wird der 29-Jährige mit seinem Partner Breymaier auf den Weltmeeren unterwegs sein. Abgesehen von etwaigen Reparaturstopps ist bei dem Rennen kein Halt vorgesehen. Das Barcelona World Race "ist physisch und psychisch eine der härtesten Regatten überhaupt", so Herrmann.

Neue Schiffe sind größer und schneller

Der gebürtige Oldenburger mit Wohnsitz in Kiel bereitet sich mit Breymaier derzeit an der französischen Atlantikküste in Concarneau auf das Rennen vor. Dabei steht unter anderem ein mehrtägiger Testtörn zu den Azoren und zurück an. Breymaier gilt als sehr erfahrener Segler, der Spezialist in den Bereichen Wetter und Navigation ist. "Wir wollen gewinnen, aber es wird schwer", so der 34-jährige US-Amerikaner mit Blick auf die Konkurrenz. Rund ein Dutzend Teams gehen in Barcelona an den Start, darunter Titelverteidiger Jean Pierre Dick aus Frankreich.

Für Herrmann wird die neue Klasse eine große Herausforderung, schließlich sind die Open60s nicht nur länger, als die Class-40-Yachten, auf denen er bislang an den Start gegangenen ist; die Schiffe sind auch deutlich schneller, erreichen Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 30 Knoten (rund 60 Stundenkilometer) und sind damit schwieriger zu manövrieren.

Auf einer dieser kleineren Class-40-Yachten hatte Herrmann seinen bislang größten Erfolg gefeiert, als er gemeinsam mit Felix Oehme im vergangenen Sommer das Portimão Global Race gewann. Damals ging es in 145 Tagen von der portugiesischen Küstenstadt aus über den Atlantik nach Osten, einmal um den Globus und wieder zurück nach Portimão. Im Gegensatz zum Barcelona World Race bestand das Rennen jedoch aus mehreren Etappen, Kapstadt (Südafrika), Wellington (Neuseeland), Ilhabela (Brasilien) und Charleston (USA) hießen die Zwischenstopp-Hafenstädte. Vor seinem Erfolg beim Portimão Global Race sorgte Herrmann bereits mit einem zweiten Platz bei der ältesten Einhandregatta der Welt, dem Transat-Rennen von Plymouth (England) nach Boston (USA), für Aufsehen.

Das Ziel: Vendée Globe 2012

Das Barcelona World Race soll ein weiterer Meilenstein in Herrmanns Karriere werden und der nächste Schritt auf dem Weg zur Erfüllung seines großen Traums: der Teilnahme am Vendée Globe 2012, dem härtesten Einhandrennen der Welt. Bereits nach dem Sieg beim Portimão Global Race sagte Herrmann mit Blick auf das Vendée Globe: "Ich weiß, dass ich es unbedingt machen will."

Beim 1989 ins Leben gerufene und alle vier Jahre stattfindende Rennen geht es vom französischen Les Sables-d'Olonne 25.000 Seemeilen (etwa 46.000 Kilometer) rund um den Globus. Dabei dürfen die Teilnehmer keine fremde Hilfe in Anspruch nehmen oder Land betreten, Reparaturstopps sind damit nicht erlaubt. Festgelegte Punkte, die sie passieren müssen, sind unter anderem die Kanaren, die Antarktis und Kap Hoorn. Zielhafen ist wieder Les Sables-d'Olonne.

Das Rennen gilt deshalb als so hart, weil es zu einem Großteil in den stürmischen und gefährlichen Gewässern der Antarktis stattfindet. Bei den bisherigen sechs Auflagen kam es mehrfach zu schweren, teilweise sogar tödlichen Unfällen. Das bislang letzte Vendée Globe 2008/2009 gewann der Franzose Michel Desjoyeaux, der auch schon bei der Auflage 2000/2001 triumphierte. Boris Herrmann wird aber nicht erst im Oktober 2012 in Les Sables-d'Olonne auf ihn treffen. Desjoyeaux ist einer von zwölf Konkurrenten Herrmanns, die gemeinsam am 31. Dezember dieses Jahres in Barcelona ihre Weltumsegelung starten.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung des Artikels war die Reihenfolge der einzelnen Etappen falsch angegeben. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.



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astone63 18.05.2010
1. Die Richtung stimmt nicht
Wenn ich die Notice of Race http://www.barcelonaworldrace.org/files/NOR_BWR_GB.PDF richtig lese steht da unter 2.2: Round the world from west to east Leave to Port the Cape of Good Hope, Cape Leeuwin, Cape Horn Alles andere würde bedeuten, mit Schiffen, die für Raumschotskurse optimiert sind, gegen die vorherschenden Strömungen und Windrichtungen die Welt zu umsegeln, was keinen Sinn macht.
Kreuzkopf 18.05.2010
2. Gegen den Wind
Zitat von astone63Wenn ich die Notice of Race http://www.barcelonaworldrace.org/files/NOR_BWR_GB.PDF richtig lese steht da unter 2.2: Round the world from west to east Leave to Port the Cape of Good Hope, Cape Leeuwin, Cape Horn Alles andere würde bedeuten, mit Schiffen, die für Raumschotskurse optimiert sind, gegen die vorherschenden Strömungen und Windrichtungen die Welt zu umsegeln, was keinen Sinn macht.
Die Kursvorgabe ist hier richtig zitiert. Es gab aber durchaus Segelfahrten gegen die Westwinddrift, so von Wilfried Erdmann 2000/2001 sowie auch von Handels-Seglern wie den Flying P-Linern.
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