Segler Freels Einmal quer über den Atlantik

Ganz allein von Frankreich nach Brasilien: Es ist ein großes Abenteuer, das Amateur-Segler Björn Freels beim Minitransat erwartet. Die Regatta ist eine der schwierigsten und härtesten der Welt.

Björn Freels

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"Andere Leute investieren ihr Geld in einen Bausparvertrag oder kaufen sich eine Wohnung", sagt Björn Freels. Die große Investition, immerhin mehrere zehntausend Euro, des Amateur-Seglers ist dagegen die Teilnahme an einer Regatta - nicht irgendeiner, sondern dem Minitransat. Am Sonntag wird er sich mit dem Start bei der prestigeträchtigen Einhandregatta seinen Kindheitstraum von der Teilnahme an einem Ozeanrennen erfüllen.

Die Route führt die 80 Teilnehmer über rund 4200 Seemeilen (rund 7800 Kilometer) vom französischen Atlantikhafen La Rochelle über Madeira nach Salvador de Bahia in Brasilien. Für Freels zählt vor allem das Ankommen. "Wenn am Ende ein Platz im Mittelfeld herauskommt, wäre das schon toll", sagt Freels SPIEGEL ONLINE.

Wenn alles klappt, wird er rund 30 Tage alleine unterwegs sein. Kontakt zur Außenwelt ist vom Veranstalter verboten. Von Freunden hat er deshalb in Anlehnung an Tom Hanks' Charakter aus dem Film "Cast Away" einen Volleyball geschenkt bekommen. Viel Platz ist nicht an Bord der "Rikki Tikki", den Ball und andere Kleinigkeiten wie einen Weltempfänger für Musik "für das seelische Wohlbefinden" hat Freels allerdings eingepackt. Viel Zeit zum Entspannen bleibt nicht, aus Sicherheitsgründen darf er nur rund 30 Minuten am Stück schlafen. Denn stetig muss der Kurs überprüft werden, große Gefahren sind zudem Kollisionen mit Walen oder Containern.

Vor rund zwei Jahren, im Herbst 2009, hat für den 34-Jährigen die Vorbereitung auf das Minitransat begonnen. "Seitdem habe ich jeden Tag darauf hingearbeitet", so Freels, der eigentlich als Werkstoffingenieur angestellt ist. Bei seinem Arbeitgeber hat er dann die Möglichkeit genutzt, mehrere Monate frei zu nehmen. Etliche Male fuhr Freels in dieser Zeit ins französische Lorient, wo sein Boot zumeist lag. Ein enormer Aufwand. Kritik oder Fragen, warum er denn seine Karriere riskiere, habe es aber nicht gegeben, so Freels. "Jeder hat gesagt, dass es richtig ist."

Freels stammt nicht etwa aus einer segelverrückten Region, sondern aus einem kleinen Ort bei Nürnberg. Die Leidenschaft für das Segeln entwickelte sich trotzdem früh. Im Alter von zehn Jahren machte Freels den Jüngstensegelschein, wenig später trat er dem Segelverein seines Heimatortes Hersbruck bei. Schnell stellten sich Erfolge ein, in ganz Deutschland nahm er an Wettkämpfen teil, bei der Jugend-WM in der 470er Klasse wurde er 1995 sogar 37. Dann segelte Freels plötzlich gar nicht mehr, studierte und war Gitarrist in einer Punkband.

2008 half er dann bei einer Überführungsfahrt eines Bootes seines Cousins durch die Biskaya nach Porto - und das Interesse kam zurück. "Dann war schnell klar, dass ich wieder Lust hatte zu segeln", erinnert sich Freels. Über Zufall stieß er dann bei einer Internetrecherche auf das Minitransat. Von den großen Ozeanrennen sei es das einzige, an dem er realistisch gesehen teilnehmen könne, so Freels. Die Transatlantik-Regatta gilt als Einstieg in die millionenschwere Offshore-Szene mit Rennen wie dem Volvo Ocean Race, dem Barcelona World Race oder der Vendée Globe. Gesegelt wird beim Minitransat allerdings auf kleineren, 6,50 Meter langen Booten der Mini-Klasse. Auch Boris Herrmann, mittlerweile Profi und Fünfter beim diesjährigen Barcelona World Race, bewies 2001 mit einem zehnten Platz seine Klasse beim Minitransat. Neben Freels gibt es dieses Jahr einen zweiten deutschen Starter: Profi Jörg Riechers zählt zu den Mitfavoriten.

Für Freels ist die Regatta ein Abenteuer und eine einmalige Erfahrung - die allerdings nicht ungefährlich ist. Der Franzose Jean-Marc Allaire ging bei seiner Überführungsfahrt nach La Rochelle vor zwei Wochen über Bord und ertrank. "Wenn man einmal vom Boot runter ist, kommt man auch nicht mehr drauf. Da wir alle den Autopiloten eingeschaltet haben, fährt das Boot weiter", erklärt Freels, der hofft, dass alle nun noch konzentrierter sind als vorher.

Ob er nach dem Minitransat weitermachen werde, könne er noch nicht sagen, so der Freels. "Ich denke, ich werde einfach enorm erleichtert sein. Die letzten zwei Jahre waren schon sehr kraftraubend. Das Umschalten zwischen Job und Segeln." Am Ende wird sich der Aufwand gelohnt haben - für das Abenteuer, für die Erfüllung des Kindheitstraums.



insgesamt 2 Beiträge
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blowup 25.09.2011
1. Na ja
ziemlich reißerisch! Wenn ich an Erdmann denke, der mit über 60 alleine Nonstop gegen den Wind um die Welt gesegelt ist. Über 300 Tage. Wie der sich gegen den Wind im Südpolarmeer abgemüht hat, scheint mir diese Miniregatta schon etwas überdramatisiert.
bomdia 25.09.2011
2. Aber - Aber
Zitat von blowupziemlich reißerisch! Wenn ich an Erdmann denke, der mit über 60 alleine Nonstop gegen den Wind um die Welt gesegelt ist. Über 300 Tage. Wie der sich gegen den Wind im Südpolarmeer abgemüht hat, scheint mir diese Miniregatta schon etwas überdramatisiert.
jeder Törn birgt Gefahren in sich. Einhand ist immer riskant und bedarf eines starken Charakters. Ob man nun Erdmann oder Freels heißt. Ich finde den Artikel überhaupt nicht reißerisch. Vielleicht liegt es daran, dass ich auch schon Nächte auf unruhigen Wassern hinter mir, wobei ich allerdings nie einhand unterwegs war.
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