Schach Karjakin qualifiziert sich für die Weltmeisterschaft

Im direkten Duell gegen seinen Verfolger Fabiano Caruana hat sich Sergej Karjakin den Sieg beim Kandidatenturnier gesichert. In einer packenden Partie nutzte er einen Fehler seines offensiven Gegners.

Sergej Karjakin
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Sergej Karjakin


Sergej Karjakin hat das Schach-Kandidatenturnier in Moskau gewonnen. In der entscheidenden letzten Partie setzte er sich gegen Fabiano Caruana durch. Damit hat sich der Russe für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Vom 11. bis zum 30. November wird er den Norweger Magnus Carlsen herausfordern.

Im direkten Duell gegen den punktgleichen Caruana geriet Karjakin zunächst unter Druck. Sein Gegner spielte mit Schwarz von Beginn an aggressiv. Aber der Russe blieb ruhig und reagierte sehr gut auf die Angriffsversuche Caruanas. Durch seine offensive Stellung war der US-Amerikaner auch anfällig. Karjakin nutzte das nach einem Fehler seines Gegners mit einem cleveren Zug. Dieser öffnete Caruanas Verteidigungsstellung und zwang ihn zur Aufgabe nach 41 Zügen.

Es war die vierte von insgesamt 14 Partien, die Karjakin gewann. Er präsentierte sich im Turnierverlauf clever und zeigte gerade in der Defensive sehr gute Strategien. Das half dem 26-Jährigen auch im entscheidenden Duell mit Caruana und machte es insgesamt schwer, ihn zu schlagen. Die einzige Niederlage kassierte Karjakin gegen Viswanathan Anand.

Dieser kam am letzten Spieltag zu einem Remis gegen Pjotr Swidler. Anand, selbst ehemaliger Weltmeister und Herausforderer Carlsens bei der vergangenen Weltmeisterschaft, beendet das Turnier auf Rang drei.

Auch Anish Giri und Wesselin Topalow sowie Hikaru Nakamura und Lewon Aronjan trennten sich jeweils mit einem Remis. Beide Partien hatten jedoch keinen Einfluss mehr auf den Ausgang des Wettbewerbs. Giri bleibt damit als einziger Spieler ungeschlagen. In allen 14 Partien erreichte er eine Punkteteilung.

Hier können Sie alle Partien des letzten Spieltags nachspielen. Hier geht es zur Blitzanalyse der abschließenden Runde.

aev

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
rational_bleiben 28.03.2016
1.
Hmm, es freut mich zwar für das russische Schach, aber ich denke, dass Caruana der bessere Herausforderer für Carlsen gewesen wäre. Bei Gleichstand zählt der direkt Vergleich, was ja noch in Ordnung ist. Dann aber zählt die Anzahl der Siege. Sowohl Caruana und Karjakin haben Anand und Nakamura geschlagen, Karjakin schlug aber noch Topalow, den mit abstand formschwächsten bzw. am wenigsten motivierten Spieler des Turniers. Klar kann man sagen, weshalb hat Caruana ihn dann nicht auch geschlagen - aber man darf nicht vergessen, dass Caruana ungeschlagen war, während Karjakin gegen Anand verloren hat. Aufgrund dieser seltsam anmutenden Regelung musste Caruana heute sehr agressiv spielen und tat dies sogar nicht schlecht, Karjakin war mit weiß gehörig unter Druck. Nur musste Caruana seinen König sehr offen stehen lassen, alles oder nichts eben. Am Ende fand Karjakin den tödlichen Gegenangriff. Die Schonberg-Irgendwer-Regel (oder wie auch immer, habe den Namen vergessen), die nach dem direkten Vergleich und der Anzahl der Siege zur Anwendung kommt, gewichtet die Siege und Unentschieden mit den Punkten der jeweiligen Gegner, gegen die diese errungen wurden (mit den Faktoren 1 und 0,5 für Sieg bzw. Remis). Der Sieg Karjakins gegen Topalov würde dann weniger Gewicht haben als Caruanas Unentschieden gegen Topalow + Unentschieden gegen Anand (gegen den Karjakin verloren hatte) und Caruana wäre vorn. Vielleicht sollte die Regel zuerst zur Anwendung kommen, am besten noch vor dem direkten Vergleich, es würde ein realistischeres Bild der Spielstärke wiedergeben. Auch die aktuellen Elo-Zahlen zeigen, dass Caruana eigentlich nen Tick stärker ist als Karjakin. Zudem hält er mit 2850 Elo (2014) die dritthöchste jemals erreichte Elo-Zahl. Schade, ich denke Carlsen-Caruana wäre der Kracher gewesen.
hollowman08 28.03.2016
2. Der Russe
Karjakin hat geradezu die Stellung des US Amerikaners zerfetzt und diesen regelrecht zerstört und jeden Fahler des Gegners unnachgiebig bestraft ! Bravo Sergej !
tripelkonzert 28.03.2016
3. Tolles Spiel
Wirklich schönes Turmopfer von Karjakin! Ich finde die tie break regeln sinnvoll weil sie riskanteres Spiel belohnt. Die Spielstärkedichte des Feldes war enorm und jeder, see such zu diesem Turnier qualifiziert und dann geeking, verdict seine Chance, Carlsen um die Krone herauszufordern. Und Caruana ist noch jung, der kriegt noch seine Chance...
mikkomz 28.03.2016
4. Ich freue mich auf Carlsen vs. Karjakin
Zitat von hollowman08Karjakin hat geradezu die Stellung des US Amerikaners zerfetzt und diesen regelrecht zerstört und jeden Fahler des Gegners unnachgiebig bestraft ! Bravo Sergej !
Na dann hoffe ich mal, dass der Norweger den Russen so richtig fertig macht, ihn in der Luft zerreißt und bei ihm keine Gefangenen macht! Himmel, geht es bei Ihnen noch um Schach, oder um ein weltpolitisches Imponiergehabe?
lonicerus 28.03.2016
5. Glückwunsch an Karjakin...
...aber auch auch ich hätte mich über ein Duell Carlsen gegen Caruano etwas mehr gefreut. Ein solches Duell wäre sicherlich auch hinsichtlich des Schachnachwuchses sehr interessant gewesen - mal ganz abgesehen davon, dass ein Spieler mit US-Pass bei einer WM in den USA auch nicht gerade schlecht gewesen wäre. ;-)
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