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Sieg gegen Anand: Norweger Magnus Carlsen ist neuer Schach-Weltmeister

Schach-WM: Der Triumph des Wunderkinds Fotos
AFP

Der Favorit hat sich durchgesetzt: Magnus Carlsen ist neuer Schachweltmeister. Der 22-Jährige besiegte den Titelverteidiger Viswanathan Anand im zehnten Spiel.

Hamburg - In der letzten Partie im indischen Chennai reichte Carlsen nach rund vier Stunden und 45 Minuten sowie 65 Zügen erneut ein Unentschieden, um die zum Gesamtsieg notwendigen 6,5 Punkte zu erreichen. Damit kann Anand mit 3,5 Punkten den Weltranglistenersten nicht mehr einholen.

Carlsen mit Weiß ließ den Titelverteidiger mit den schwarzen Figuren gar nicht erst Druck aufbauen. Die Stellung in dem zu Beginn sehr schnellen Spiel blieb lange weitgehend ausgeglichen. Anand hatte mit der sizilianische Verteidigung eine offensive Taktik gewählt, Carlsen beruhigte die Partie mit der Rossolimo-Variante. Einen Fehler Anands nach gut zwei Stunden ließ Carlsen ungenutzt. Zum Ende tauschten die Kontrahenten ihre Figuren, so dass kein Matt mehr möglich war - es standen nur noch die Könige auf dem Spielfeld.

Carlsen hatte in der Partie mehrfach die Möglichkeit zum Remis, spielte aber weiter auf Sieg. "Ich habe probiert, ein solides Spiel aufzuziehen. Ich wollte die Partie gewinnen, dabei aber kein großes Risiko eingehen. Das hat nicht funktioniert, dann habe ich auf Unentschieden gespielt", sagte Carlsen nach dem Spiel.

Das Turnier war das kürzeste der WM-Geschichte. Die ersten vier Partien der Auseinandersetzung waren remis ausgegangen, die fünfte, sechste und neunte Begegnung hatte Carlsen durch Fehler von Anand gewonnen. Dem 43 Jahre alten Inder gelang in der auf insgesamt zwölf Spiele angesetzten Serie kein einziger Sieg gegen Carlsen.

"Normalerweise sind lange Partien meine Stärke, aber dieses Jahr hatte ich viele Probleme mit Fehlern. Ich gratuliere Magnus, er hat diese Fehler provoziert", sagte Anand, der seit 2007 Weltmeister war.

Der erst 22 Jahre alte Norweger ist durch den Erfolg der zweitjüngste Weltmeister der Geschichte. Nur Garri Kasparow war bei seinem Sieg gegen Anatolij Karpow im November 1985 noch einige Monate jünger. Insgesamt beträgt das Preisgeld bei dem Titelkampf 1,89 Millionen Euro. Carlsen erhält davon 60 Prozent, also 1,132 Millionen Euro.

joe/sid

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insgesamt 92 Beiträge
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1. Glückwunsch!
hopicard 22.11.2013
Gratulation an Magnus Carlsen! Das war streckenweise wirklich ganz großes Tennis und heute ein fulminantes Abschlussmatch!
2. Gratulation
joelh 22.11.2013
Da kann man nur gratulieren!
3. Bin ermattet!
jadota 22.11.2013
Das war sehr blutig, aber schööön!
4. Glückwunsch an Magnus!
lonicerus 22.11.2013
Das klare Remis abgelehnt, bis zum Schluss gekämpft und dann doch noch in das benötigte Remis eingelenkt. Das hätte auch noch anders ausgehen können. Viele Fehler heute, auf beiden Seiten. Dennoch eine schöne Partie!
5. Congrats
mvanwoerkom 22.11.2013
Beeindruckend.
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Schach-Weltmeister
Name Land WM-Zeitraum
Wilhelm Steinitz Österreich-Ungarn/USA 1886-1894
Emanuel Lasker Deutschland 1894-1921
José Raúl Capablanca Kuba 1921-1927
Alexander Aljechin Russland/Frankreich 1927-1935
Max Euwe Niederlande 1935-1937
Alexander Aljechin Russland/Frankreich 1937-1946
Michail Botwinnik UdSSR 1948-1957
Wassili Smyslow UdSSR 1957-1958
Michail Botwinnik UdSSR 1958-1960
Michail Tal UdSSR 1960-1961
Michail Botwinnik UdSSR 1961-1963
Tigran Petrosjan UdSSR 1963-1969
Boris Spasski UdSSR 1969-1972
Bobby Fischer USA 1972-1975
Anatoli Karpow UdSSR/Russland 1975-1985
Garri Kasparow UdSSR/Russland 1985-1993
Wladimir Kramnik Russland 2006-2007
Viswanathan Anand Indien 2007-2013
Magnus Carlsen Norwegen seit 2013
Von 1993 bis 2006 ermittelten zwei Verbände (PCA und FIDE) einen Weltmeister.

Schach-WM: Carlsen vs. Anand
Schach-Glossar
  • Corbis
    Schach ist ein strategisches Brettspiel, bei dem zwei Spieler abwechselnd ihre Figuren auf dem Spielbrett bewegen. Weiß beginnt immer, es besteht Zugpflicht. Mit jeder Figur kann eine des Gegners geschlagen werden.

  • Jeder Spieler hat 16 Figuren, die nur nach bestimmten Regeln gezogen werden dürfen. Der König kann horizontal, vertikal oder diagonal auf das angrenzende Feld ziehen. Die Dame kann horizontal, vertikal oder diagonal beliebig weit ziehen, darf dabei jedoch keine anderen Figuren überspringen. Der Läufer kann diagonal beliebig weit ziehen, darf dabei jedoch keine anderen Figuren überspringen.

  • Der Springer zieht in beliebiger Richtung über zwei Felder: Erst vertikal oder horizontal, dann diagonal; oder erst diagonal und dann vertikal oder horizontal. Das erste Feld darf dabei besetzt sein. Der Turm kann horizontal und vertikal beliebig weit ziehen, darf aber keine anderen Figuren überspringen. Die acht Bauern dürfen immer einen Schritt nach vorne ziehen, wenn das Feld leer ist. Sie schlagen vorwärts diagonal.

Es gewinnt der Spieler, der den gegnerischen König schachmatt setzt. Das bedeutet, der König wird in jedem Fall geschlagen, egal, wie der bedrohte Spieler eine seiner Figuren zieht. Eine weitere Möglichkeit zum Spielgewinn ist die Aufgabe des Gegners. Dies ist während des Spiels jederzeit möglich.


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