Siemens-Affäre IOC-Vize Bach noch stärker unter Druck

Der Sportfunktionär Thomas Bach gerät zunehmend in den Sog der Affäre um die heimlich von Siemens finanzierte Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger AUB. Schon häufig hatte es Kritik gegeben, dass Bach berufliche Tätigkeit und Ehrenämter im Sport nicht trenne.


Hamburg - Nach Informationen des SPIEGEL ergibt sich aus Ermittlungsakten, dass sich Bach Ende 2004 bei der Betriebsärztlichen Dienststelle der Siemens AG impfen ließ. Der ehemalige Siemens-Lobbyist behauptet, er habe dies getan, weil er als Anwalt für Siemens ins Ausland reisen musste.

Funktionär Bach (Mitte) und deutsche Judoka: Vielfältige Kontakte
AFP

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Die Kosten über 1582,40 Euro trugen nicht Bach oder Siemens, sondern die Firma pro fit GmbH, die zu 90 Prozent seinem Duzfreund und Ex-AUB-Chef Wilhelm Schelsky gehörte. Warum das so war, konnte Bach auf Anfrage nicht erklären; dieser Umstand sei ihm unbekannt gewesen.

Bach, der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vorsteht, bestätigte zudem, dass er sich am 3. Mai 2004 im Kempinski Hotel am Münchner Flughafen mit Schelsky und dem damaligen Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer getroffen habe. Feldmayer steht zurzeit mit Schelsky in Nürnberg vor Gericht, weil er bei Siemens jahrelang für die AUB-Finanzierung verantwortlich gewesen sein soll. Die Kosten des Essens trug Schelsky.

Laut Bach habe das Treffen aber nur einen rein privaten Hintergrund gehabt. Weder bei dieser noch bei anderer Gelegenheit habe er mit Schelsky oder anderen über die von Siemens finanzierten Bemühungen gesprochen, mittels AUB arbeitgeberfreundliche Betriebs- oder Aufsichtsräte zu installieren.

Er habe sich auch nicht rund 40-mal von Schelsky zum Essen einladen lassen, wie das aus Schelskys Buchhaltung hervorgeht, so der frühere Fecht-Olympiasieger Bach, der seit kurzem auch Vorsitzender des Kuratoriums der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland ist.

Bachs vormaliger Beraterjob für Siemens hatte schon mehrfach für Irritationen gesorgt. Dem Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim wird vorgeworfen, berufliche Tätigkeit und Engagement im Sport nicht klar voneinander zu trennen. Erst vor zwei Wochen sah sich das DOSB-Präsidium "aufgrund neuerlicher Berichterstattung einiger Medien" bemüßigt, für Bach eine Ehrenerklärung abzugeben.

In dieser wurde bekräftigt, dass Bach die "Regeln zur Trennung zwischen Beruf und Ehrenamt", wie sie auch im Ethik-Code des IOC formuliert sind, "jederzeit" eingehalten habe. "Dem DOSB waren und sind die beruflichen Tätigkeiten von Herrn Dr. Bach ebenso bekannt wie sein Amt als Präsident der Arabisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer."

Nach Bekanntwerden von Bachs Geschäftsbeziehungen zu Siemens im Frühjahr dieses Jahres hatte der sportpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Winfried Hermann, mehr Transparenz gefordert. "Bach müsste offenlegen, wie er Beruf und Ehrenamt trennt", so Hermann, "genauso wie Athleten, die des Dopings verdächtigt werden, auch deutlich machen müssen, dass sie keine Dopingmittel nehmen."

Der 54 Jahre alte Bach ist einer der aussichtsreichen Kandidaten für die Nachfolge des derzeitigen IOC-Präsidenten Jacques Rogge. Der 66-jährige Belgier hat noch nicht entschieden, ob er sich 2009 nach Ablauf seiner Amtszeit erneut zur Wahl stellen wird. Rogge, ein Orthopäde, steht dem IOC seit 2001 vor.

ach

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Forum - Siemens - korrupter Konzern?
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jocurt1 14.04.2008
1. Das wäre dann ja so etwas wie der weiße Rabe
Zitat von sysopHeinrich von Pierer ist in der Schmiergeld-Affäre glimpflich davongekommen - bisher. Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass Siemens gegen den ehemaligen Konzernchef vorgehen will. Kann die Krise damit bewältigt werden? Ist Siemens ein korrupter Konzern?
wenn ein Konzern/Konzernvorstand gegen einen ehemaligen Chef so vorgeht, wie es Mitarbeitern ergeht, die einen silbernen Löffel geklaut haben. Wenn das passiert und nicht wie das Hornberger Schiessen auf Esser ausgeht, bin ich davon überzeugt, dass Marktwirtschaft/Kapitalismus eine innewohnende Kraft zur Selbstbereinigung hat. Hört da jemand Zweifel heraus ?
kdshp 14.04.2008
2.
Zitat von sysopHeinrich von Pierer ist in der Schmiergeld-Affäre glimpflich davongekommen - bisher. Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass Siemens gegen den ehemaligen Konzernchef vorgehen will. Kann die Krise damit bewältigt werden? Ist Siemens ein korrupter Konzern?
Hallo, wenn hier siemns was holen kann sollen die das machen. Jerder kleine mitarbeiter der groß fahrlässig handelt oder gar mit voller absicht und einer firma schadet wird bis zum letzen cent verantworlich gemacht. H4 würde herr pierer ja abfedern falls ER gar nichts mehr hat. Hier kann man nur hoffen das unsere justiz nicht mal wieder jahre braucht um dann einen faulen kompromiß auszuhandeln.
M.Silberstein 14.04.2008
3. Siemens - korrupter Konzern?
Zitat von sysopHeinrich von Pierer ist in der Schmiergeld-Affäre glimpflich davongekommen - bisher. Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass Siemens gegen den ehemaligen Konzernchef vorgehen will. Kann die Krise damit bewältigt werden? Ist Siemens ein korrupter Konzern?
Nicht nur korrupt, würde ein wirklich guter Freund von mir feststellen, der ca. 5 Jahre vor von Pierer's Zeit dem Riesen schon Betrug und Diebstahl geistigen Eigentum nachsagte. Eine BMFT-Zusage wurde ihm zurückgezogen, bei ständig zwei Ingeneuren des Riesen im Haus, zur Assistenz, dann wurden glücklicherweise geänderte Unterlagen über einen Synchronisationsspeicher an den Riesen übermittelt, der antwortete schriftlich mit Desinteresse und mein Freund durfte wenige Wochen später lesen, dass der Riese sein ureigenes Konzept mit funktionsunfähigem Synchronisationsspeicher realisieren wollte, ohne ihn. Vier Jahre später hatten die Mitarbeiter des Riesen es immer noch nicht begriffen und schmissen hin. So wird nicht nur Geld von Aktionären verbrannt, sondern auch die Volkswirtschaft nachhaltig geschädigt. Korruption erscheint da schon harmlos. Die Geschichten über die Spannungen, die bei Zulieferern des Riesen in Asien bestehen, zu tödlichen Verkehrunfällen führen etc. gehören hier nicht beschrieben. Von Pierer hat den Stall nur übernommen, wenn's da nun mehr stinkt als vorher, hat das nicht unbedingt mit von Pierer zu tun, sondern mit dem Zeitgeist, der von dem Riesen ausgeht und der wohl eine kritische Masse erreichte und damit erhebliche Eigendynamik entwickelte.
Hador, 14.04.2008
4.
Zitat von sysopHeinrich von Pierer ist in der Schmiergeld-Affäre glimpflich davongekommen - bisher. Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass Siemens gegen den ehemaligen Konzernchef vorgehen will. Kann die Krise damit bewältigt werden? Ist Siemens ein korrupter Konzern?
Natürlich ist Siemens ein korrupter Konzern, das ist doch gar keine Frage. Die wirkliche Problematik ist doch eine ganz andere und wurde vor einiger Zeit auch mal von einem Börsenreporter des WDR ganz simpel zusammengefasst: *Wenn man weltweit Geschäfte machen will, dann gehören Schmiergelder einfach dazu.* Das ist zwar eine traurige Tatsache, aber eine Tatsache ist es dennoch. Um dagegen etwas zu unternehmen wäre, wie bei sovielen anderen Problemen auch, eine weltweite Kooperation verschiedene Staaten notwendig. Da dies aber, wie bei sovielen anderen Problemen auch, nicht passiert wird sich daran wohl, leider, auch in Zukunft nichts ändern.
Astir01 14.04.2008
5.
Siemens ist nicht korrupt; die Kunden von Siemens sind es. Wer in erster Linie (quasi-)staatliche Auftragsgeber (wie Eisenbahngesellschaften, Energieversorger, Krankenhäuser, Telefongesellschaften) hat und Infrastrukturprojekte in Staaten abwickelt, in denen der Beamtenapperat korrupt ist, dem bleibt nichts anderes übrig, als diese Beamten zu schmieren. Bis vor wenigen Jahren war das nicht nur legal, man konnte die dafür erforderlichen Ausgaben sogar von der Steuer absetzen. Die Praxis der Bestechungsgelder rührt also noch aus dieser Zeit her, und man kann von einem korrupten Beamten nicht erwarten, dass er die Praxis der Auftragsvergabe an die geänderte Rechtslage in Deutschland anpasst. Siemens hat also mit den Millionen Aufträge herein geholt, die andernfalls an die Konkurrenz gegangen wären. So gesehen haben die entsprechenden Manager bei Siemens nicht nur getan, was sie für nötig und angemessen gehalten haben; sie hätten auch gar nicht anders handeln können. Kleinfeld und v. Pierer wird jetzt daraus ein Vorwurf gemacht, von der Bestechung gewußt und sie gebilligt zu haben. Bitte? Was hatten sie denn sonst tun sollen? Die Konkurrenz besticht doch auch. Sie läßt sich eben nur nicht erwischen bzw. die Finanzbehörden in anderen Ländern gucken weniger genau nach den Schwarzgeldströmen als die deutschen. Bezeichnernderweise ist in den Konzernteilen, die privatwirtschaftliche Kunden bedienen, wie z.B. die (inzwischen ehemalige) Automobilsparte (Siemens VDO) nie in den Verdacht geraten, Bestechnungsgelder eingesetzt zu haben. Wozu auch?
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