Simoncelli-Crash in Sepang Mit Sicherheit lebensgefährlich

Der Unfalltod des früheren Weltmeisters Marco Simoncelli hat die Motorrad-Welt erschüttert. Es war nicht der erste fürchterliche Crash dieser Art in der MotoGP. Und es wird in dieser Hochrisiko-Sportart auch nicht der letzte bleiben.

Dorna Sports S.L./dapd

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Die Szenen erschienen gespenstisch bekannt: Im vergangenen September war der Japaner Shoya Tomizawa beim Motorrad-Grand-Prix von San Marino gestürzt. Er war von Mitfahrern überrollt worden und starb. Die Bilder vom tragischen Unfalltod des früheren Motorrad-Weltmeisters Marco Simoncelli am Sonntag im malaysischen Sepang wirkten wie eine Wiederholung des furchtbaren Sturzes aus dem Vorjahr. Man muss es deutlich aussprechen, ohne dass es in irgendeiner Weise kaltschnäuzig klingen soll: Motorradfahren bei diesen Geschwindigkeiten ist lebensgefährlich und wird immer lebensgefährlich bleiben. Das Risiko ist allen Fahrern der MotoGP-Serie bewusst.

Die Profis sitzen auf 150 Kilogramm schweren Maschinen und donnern mit teilweise über 300 Stundenkilometern Tempo über den Parcours. Wenn das Fahrzeug dabei außer Kontrolle gerät, gibt es kein Halten mehr. Und dann können auch die ausgetüfteltsten Sicherheitsvorkehrungen wenig ausrichten. Auch Simoncelli wird sich darüber im Klaren gewesen sein: Der Motorradsport ist nur bis zu einer gewissen Grenze beherrschbar.

Man kann den Verantwortlichen dabei nicht den Vorwurf machen, sie gingen mit diesem Risiko fahrlässig um. Einiges ist in den vergangenen Jahren getan worden, die Fahrer bei Stürzen zu schützen, deren Folgen abzufedern. So sind die Fahrer heutzutage in Rennanzügen eingepackt, die zumindest manchmal das Schlimmste verhindern. Spezielle Polsterungen schützen die Wirbelsäule, die Knie und die Schultern. Airbags für Kopf und Nacken werden eingesetzt, Nackenstützen, wie man sie aus der Formel 1 kennt, sind mittlerweile auch im Motorradsport angekommen. Viel besser kann man einen Fahrer eigentlich nicht mehr ausstatten.

Aus dem Sturz des Vorjahres gelernt

In Sepang wurde das Rennen nach Simoncellis Horror-Unfall sofort abgebrochen - auch das spricht dafür, dass die Verantwortlichen nicht vollständig lernresistent sind. Vor einem Jahr in San Marino wurde im Anschluss an Tomizawas Sturz weitergefahren, als sei nichts geschehen. Die veranstaltende Marketingagentur Dorna musste sich sogar den Vorwurf gefallen lassen, den Tod des Japaners zunächst verschwiegen zu haben, um den Fortgang des Rennens nicht zu gefährden. Die Staatsanwaltschaft in Italien ermittelte, ohne Ergebnis allerdings.

Die MotoGP-Bosse haben in Malaysia anders und prompt reagiert mit dem Signal an die Öffentlichkeit: Kein Rennen kann so wichtig sein wie ein Menschenleben. Der schnell und gerne geäußerte Verdacht, im Motorsport werde nach Unfällen ohnehin zur Tagesordnung übergegangen, hat in Sepang zumindest keine Berechtigung.

Die Kollegen im Fahrerfeld, die Rennstallchefs und die Techniker - sie alle standen nach den schrecklichen Bildern von Sepang unter Schock. Dem deutschen Top-Fahrer Stefan Bradl "fehlten die Worte". Für den Präsidenten des Italienischen Olympischen-Komitees, Gianni Petrucci, war es "einer der traurigsten Tage meiner Präsidentschaft", im gesamten italienischen Sport gab es eine Schweigeminute.

Vater und Freundin von Simoncelli haben den Tod des Champions unmittelbar in der Fahrergasse mitbekommen, die Bilder von ihrer Trauer müssen auch die abgebrühtesten Motorsportkenner tief berührt haben. Ans Weiterfahren hat keiner gedacht.

Auch schon ein schwerer Sturz in Bradls Rennen

Wobei die Rennverantwortlichen auch kaum eine andere Möglichkeit hatten, als so zu reagieren, wie sie es taten. Schließlich war es bereits der zweite schwere Sturz des Tages. Auch das Rennen Bradls in der Moto2-Klasse konnte nicht regulär beendet werden und wurde eine Runde vor Schluss abgebrochen. Der Spanier Alex Pons war zuvor in voller Fahrt mit seiner Maschine weggerutscht. Pons blieb zunächst bewusstlos auf der Strecke liegen und musste von der Bahn getragen werden. Wie es gesundheitlich um ihn steht, ist noch unklar.

Während sich die ärztlichen Betreuer noch um den Spanier kümmerten, ging Simoncelli bereits auf die Strecke. Der Italiener galt im Fahrerfeld als Draufgänger, auf und außerhalb des Parcours. Ein lebensfroher Sportler sei er gewesen, so heißt es in den ersten Nachrufen, "immer positiv und entschlossen", wie sein Manager sagt. Einer, der einen aggressiven Fahrstil pflegte, das Risiko eher suchte, als ihm aus dem Weg zu gehen.

Unter den Motorsport-Anhängern hat ihm diese Fahrweise viele Fans eingebracht. Erfolgreich war sie auch. 2008 feierte er den WM-Titel in der 250er-Klasse.

Seinen Triumph machte er damals auf dem Kurs in Sepang perfekt.

Mit Material von dapd



insgesamt 223 Beiträge
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Seite 1
Nabedane 23.10.2011
1. Trauer, mehr nicht!
Zitat von sysopDer Unfalltod des früheren Weltmeisters Marco Simoncelli hat die Motorrad-Welt erschüttert. Es*war nicht der erste fürchterliche*Crash dieser Art in der MotoGP. Und es wird in dieser Hochrisiko-Sportart auch nicht der letzte bleiben. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,793458,00.html
Ja und worüber wollen wir jetzt diskutieren? Abschaffen? Geschwindigkeitsbegrenzung 150km/h? Der Fahrer, die Freundin, die Familie, Veranstalter und Zuschauer wissen alle Bescheid über das Risiko und der Fahrer geht es bewusst ein. Vorkehrungen in Form von Schutz sind getroffen, können bei der MotoGP auch nicht wirklich verbessert werden - im Gegensatz zur Formel 1 (wann gab es dort den letzten Toten? Müsste ich jetzt recherchieren). Dass jetzt getrauert wird ist ja auch normal und in Ordnung, aber bitte keine Polemik an dieser Stelle! Das ist total überflüssig. Mein Beileid an die Familie, Freundin und den Freundeskreis. MfG
Marginalius 23.10.2011
2.
Zitat von NabedaneJa und worüber wollen wir jetzt diskutieren? Abschaffen? Geschwindigkeitsbegrenzung 150km/h? Der Fahrer, die Freundin, die Familie, Veranstalter und Zuschauer wissen alle Bescheid über das Risiko und der Fahrer geht es bewusst ein. Vorkehrungen in Form von Schutz sind getroffen, können bei der MotoGP auch nicht wirklich verbessert werden - im Gegensatz zur Formel 1 (wann gab es dort den letzten Toten? Müsste ich jetzt recherchieren). Dass jetzt getrauert wird ist ja auch normal und in Ordnung, aber bitte keine Polemik an dieser Stelle! Das ist total überflüssig. Mein Beileid an die Familie, Freundin und den Freundeskreis. MfG
Ich glaub, die letzten Toten in der Formel 1 waren die beiden Streckenposten, die im Abstand von nur einem Jahr jeweils von herumfliegenden Formel-1-Reifen getroffen wurden. Aber auch dort kennt jeder das Risiko und geht es bewusst ein. Viele Grüße
modulaire 23.10.2011
3. .
Traurig. Solche Unfälle werden immer wieder passieren, da kann man nichts machen. Simoncelli war immer unterhaltsam - manchmal zu stürmisch und aggressiv auf, aber ein super Typ und unglaublich nett abseits der Strecke. Beileid an die Familie.
sp-onlooker 23.10.2011
4. Dem ...
Zitat von sysopDer Unfalltod des früheren Weltmeisters Marco Simoncelli hat die Motorrad-Welt erschüttert. Es*war nicht der erste fürchterliche*Crash dieser Art in der MotoGP. Und es wird in dieser Hochrisiko-Sportart auch nicht der letzte bleiben. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,793458,00.html
... ist nichts hinzuzufügen.
XmexxX 23.10.2011
5. ...
Auch von meiner Seite aus Beileid an die Angehörigen. Hoffentlich entwickelt sich diese Diskussion hier nicht schon wieder so negativ wie nach ähnlichen Ereignissen in den letzten Wochen.
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