Skandal nach Klitschko-Sieg "Ich werde dich töten"

Vitali Klitschkos WM-Sieg gegen Dereck Chisora wurde von einer wüsten Prügelei nach dem Boxkampf überschattet. Der Brite ging bei einer Pressekonferenz auf seinen Kollegen David Haye los. Die Polizei nahm Chisora am Münchener Flughafen fest, nach Haye wird noch gefahndet.

REUTERS/ Action Images

Von , München


"Vor dem Sportler Dereck Chisora habe ich Respekt", sagte Vitali Klitschko, "aber nicht vor dem Menschen." Auch im Moment des Triumphs konnte er Chisoras Entgleisungen vor dem Fight nicht vergessen und bot ihm einen Rückkampf an. "Ich habe ihn diesmal nicht K.o. geschlagen, aber er wird seine Rechnung bezahlen müssen", kündigte Klitschko auf der Pressekonferenz an, die in einem Eklat endete.

Der britische Ex-Weltmeister David Haye, den Wladimir Klitschko im Juli 2011 bezwungen hatte und der als TV-Experte in München war, und Chisora gingen nach einem Wortgefecht aufeinander los, prügelten sich heftig und rannten durch den Saal. Auch Trainer und Betreuer beider Boxer mischten vor den Augen der Klitschko-Brüder und mehr als 100 anwesenden Journalisten kräftig mit. Haye-Coach Adam Booth trug eine Schnittwunde am Kopf davon, die Polizei wurde alarmiert und nahm Ermittlungen auf.

Auslöser war, dass Chisoras Manager Frank Warren Haye aufgefordert hatte, gegen Chisora zu boxen. Der Sieger würde dann gegen Vitali Klitschko kämpfen dürfen. Haye entgegnete: "Du hast drei Mal verloren, du bist ein Loser." Chisora sprang auf und stürmte seinem Landsmann entgegen, dann kam es zur Schlägerei, bei der auch Flaschen und Stative flogen. Nach rund zwei Minuten konnten die Boxer getrennt werden, Haye stürmte aus dem Raum, Chisora konnte sich nicht beruhigen und rief Haye hinterher: "Ich werde dich töten, ich werde dich erschießen, ich werde dich verbrennen!"

Am Sonntagmorgen wurde Chisora am Münchner Flughafen von der Polizei im Zuge der Ermittlungen festgenommen. Der Boxer und sein Trainer Don Charles wurden daraufhin im Münchner Polizeipräsidium vernommen. Laut "Daily Mail" wird nach Haye noch gefahndet.

"Ich bin schockiert, so etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Klitschko-Manager Bernd Bönte zu SPIEGEL ONLINE, "solche Szenen kenne ich nur aus den Fankurven von einigen englischen Fußballclubs. Chisora ist echt krank." Allein trug der die Schuld an der Eskalation aber nicht.

Chisora überraschte die Experten

Schon vor dem Kampf war Chisora auffällig geworden. Der Engländer hatte Klitschko beim Wiegen eine Ohrfeige verpasst ("Ich hatte es meiner Mutter versprochen"), kam 15 Minuten verspätet aus der Kabine und spuckte Wladimir Klitschko unmittelbar vor dem Fight Wasser ins Gesicht. Aber der Herausforderer sorgte auch dafür, dass den Zuschauern neben einer großen Show im Vorfeld auch ein sportliches Spektakel geboten wurde.

Im Ring ließ er nämlich Taten folgen und präsentierte sich als fast ebenbürtiger Gegner. Damit hatten Experten angesichts der bis dato mäßigen Kampfstatistik (17 Kämpfe, 15 Siege, zwei Niederlagen) und Chisoras Unerfahrenheit auf Weltklasse-Niveau nicht gerechnet.

Zwischenzeitlich wirkte es so, als könnte Chisora tatsächlich die Sensation schaffen. Vor allem in den Runden fünf und sechs brachte er seine Schläge ins Ziel. Mit zunehmender Kampfdauer stellte sich Klitschko aber immer besser auf seinen Gegner ein und verhinderte weitere Treffer. "Ich habe ein paar Wischer abbekommen", spielte er die Leistung Chisoras hinterher herunter.

Klitschkos schwierigster Kampf seit dem Comeback

Allerdings hatte sich der Weltmeister in dem Kampf auch verletzt: "Wegen starker Schmerzen im linken Arm konnte ich ab der fünften Runde nur noch mit der rechten Hand boxen. Und die Linke ist normalerweise mein Schlüssel."

Die Kernspintomografie am Sonntag ergab, dass Klitschko einen Sehnenanriss in der linken Schulter erlitten hat. "In den kommenden Tagen werden weitere Untersuchungen erfolgen, eine Operation ist nach jetzigem Stand nicht nötig", sagte Klitschkos Arzt Bernd Kabelka.

Am Samstag lieferte Klitschkos Handicap eine von mehreren Erklärungen für die Probleme, die der WBC-Champion mit seinem zwölf Jahre jüngeren Gegner hatte. Zwar feierte Klitschko in der Münchner Olympiahalle seinen 44. Sieg im 46. Profikampf, er gewann einstimmig nach Punkten (118:110, 118:110, 119:111). Aber glänzen konnte er dabei nicht. "Ich bin ein bisschen enttäuscht", sagte der Weltmeister, "es war ein deutlicher Sieg, aber ich wollte ihn ausknocken."

Davon war er weit entfernt, dieser Kampf war für ihn wohl der schwierigste seit seinem Comeback im Jahr 2008. Chisora war über zwölf Runden der aktivere Boxer und ging stets nach vorne. Während Klitschko vor allem darauf bedacht war, die Kontrolle zu behalten, sorgte der Brite mit überfallartigen Attacken immer wieder für Überraschungsmomente.

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max-mustermann 19.02.2012
1. Schön
wenn manche Boxer das Klischee vom geistig minderbemittelten Prügelproll immer wieder selbst bestätigen.
alexbln 19.02.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSEs war ein hartes Stück Arbeit: Vitali Klitschko hat seinen WM-Titel gegen Dereck Chisora erfolgreich verteidigt. Der Erfolg wurde von einer wüsten Prügelei und heftigen Beschimpfungen zwischen Chisora und David Haye auf der Pressekonferenz überschattet. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,816200,00.html
boxen ist und bleibt ein sport der von 70% assis betrieben wird.
Ontologix II 19.02.2012
3. Primitiver Blutsport
Zitat von sysopREUTERSEs war ein hartes Stück Arbeit: Vitali Klitschko hat seinen WM-Titel gegen Dereck Chisora erfolgreich verteidigt. Der Erfolg wurde von einer wüsten Prügelei und heftigen Beschimpfungen zwischen Chisora und David Haye auf der Pressekonferenz überschattet. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,816200,00.html
Warum ignorieren Sie nicht einfach diesen brutalen sogenannten Sport, in dem zwei erwachsene Männer versuchen, sich gegenseitig bewusstlos oder blutig zu prügeln? In Schweden z.B. werden Kämpfe von Berufsboxern nicht im Fernsehen übertragen. Die beiden promovierten Boxchampions Wladimir und Vitali Klitschko könnten ihren Lebensunterhalt auch anders verdienen.
anton014 19.02.2012
4. Fair Play vs Dampfmaschine
Zitat von sysopREUTERSEs war ein hartes Stück Arbeit: Vitali Klitschko hat seinen WM-Titel gegen Dereck Chisora erfolgreich verteidigt. Der Erfolg wurde von einer wüsten Prügelei und heftigen Beschimpfungen zwischen Chisora und David Haye auf der Pressekonferenz überschattet. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,816200,00.html
Der Begriff "Fair Play" hat etwas mit der Dampfmaschine gemeinsam: Beide wurden in England erfunden, weil sie dort dringend gebraucht wurden. Und beide wurden außerhalb Englands zur umfassenden Praxisfähigkeit weiter entwickelt, während die geniale Erfindung in England mehr oder weniger unterentwickelt blieb. Ich mag die Engländer, sie bringen der Welt so viel Gutes. Aber in mancherlei Hinsicht könnten sie mehr für die Weiterentwicklung tun, insbesondere kulturell, (kampf)kulturell.
flieder2 19.02.2012
5. Chisora
Durch und durch unsportlich! Als Tyson merkte, dass er nicht mehr der absolute King war, wurde er auch unsportlich. Will Chisora in dessen Fuss-stapfen treten? Man sollte ihn (Chisora) ersteinmal fuer 1 Jahr sperren, dann kann er sein eigenes Verhalten ueberdenken. Spucken, drohen, krakelen sind eigendlich die Agumente, die unterlegene Menschen nutzen um ihr angeschlagenes Selbstbewusstsein noch mal aufzupuschen.
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