Skifliegen Rekordflug aus der zweiten Reihe

Mit dem weitesten Flug aller Zeiten hat der 18-jährige Thomas Hörl die Ski-Welt auf den Kopf gestellt. Der Österreicher segelte am Donnerstag im Training zum Skiflug-Weltcup im slowenischen Planica auf die neue Weltrekordweite von 224,5 Meter.


Thomas Hörl: "Es ist noch Luft"
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Thomas Hörl: "Es ist noch Luft"

Planica - Ein schlaksiges Milchgesicht hat die neuerliche Weltrekordjagd im Skifliegen erfolgreich eröffnet. Thomas Hörl, 18, aus Saalfelden stand im Training für das Weltcup-Finale am Wochenende nach 224,5 Metern den bisher weitesten Flug eines Menschen. Der Junioren-Teamweltmeister von 1999 verbesserte damit im zweiten Versuch die Bestmarke des Norwegers Tommy Ingebrigtsen vom 20. März 1999 an gleicher Stelle um fünf Meter.

"Es ist noch Luft, auf dieser Schanze sind Sprünge bis 230 Meter möglich, der Rekord reizt natürlich", so Skiflug-Weltmeister Sven Hannawald aus Hinterzarten. Der 25 Jahre alte Favorit im Kampf um den Weltcup der Skiflieger war am Donnerstagmorgen ebenso wie Doppel-Weltmeister Martin Schmitt noch auf der Anfahrt nach Slowenien. Bester deutscher Athlet zu diesem Zeitpunkt war Christof Duffner (Schönwald) mit 204 Metern.

"Eine Rekordjagd um jeden Preis wird es hier nicht geben", erklärte Walter Hofer, Renndirektor des Ski-Weltverbandes FIS: "Wir wollen den Wettbewerb so steuern, dass die Besten auf 215 bis 217 Meter kommen. Einen Rekord kann man ohnehin nicht planen, Hörl hat die Gunst der Stunde genutzt und bei optimalen Bedingungen mit Aufwind einen tollen Sprung hingelegt." Die deutsche Bestweite von Schmitt (214,5 Meter) wackelt ebenfalls gewaltig.

Im dritten Durchgang wurde die Weitenjagd vor 3000 Zuschauern am glänzend präparierten Bakken von Planica zunächst gestoppt. Die Anlaufspur hielt bei leichten Plusgraden nicht mehr stand. Von den insgesamt sechs deutschen Fliegern kam auch noch Michael Uhrmann (Rastbüchl) mit persönlichem Rekord von 201 Metern über die 200-Meter-Schallmauer. Die Fortsetzung des Spektakels im Dreiländereck von Slowenien, Österreich und Italien folgt bereits am Freitag mit der Qualifikation.

Der zweitbeste Versuch des Tages gelang dem Österreicher Andreas Widhölzl mit 210,5 Metern. Der Vierschanzentournee-Gewinner ist schärfster Rivale von Hannawald im Kampf um die Kristallkugel. Der 23-Jährige hatte beim bisher einzigen in die Wertung eingegangenen Wettbewerb in Bad Mitterndorf Rang zwei hinter "Hanni" belegt.

Im Wintersportort in den Julischen Alpen waren in der Historie auch erstmals Sprünge über 100 und 200 Meter gelungen. Vor 64 Jahren kam "Bubi" Bradl als 16-jähriger Bursche auf 101,5 Meter, und am 17. März 1994 war der Österreicher Andreas Goldberger mit geschätzten 202 Metern als erster Mensch über die 200-Meter-Marke geflogen. Weil er in den Schnee griff, gebührte aber dem Finnen Toni Nieminen die offizielle Ehre des ersten gestandenen Sprunges über 200 Meter (203).



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